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Ukraine-Krieg: So wirken sich die Kosten des Krieges auf den russischen Alltag aus

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Von: Bettina Menzel

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Der Rubel, die Währung Russlands, stürzte nach dem russischen Angriff auf die Ukraine ab. (Symbolbild) © Schöning / Imago

Der Ukraine-Krieg sorgt für viel menschliches Leid. Doch auch finanziell fügt er den Menschen Schaden zu – und das nicht nur in der Ukraine. Wie sich der Konflikt auf den russischen Alltag auswirkt.

Moskau - Nach dem Angriff Russlands auf die Ukraine am 24. Februar beziffert Kiew die Kriegsschäden auf bisher mindestens 100 Milliarden Euro. Allein die Schäden an Straßen in der Ukraine sollen sich auf 30 Milliarden Euro belaufen – vom menschlichen Leid des Krieges ganz abgesehen. Doch der Ukraine-Konflikt kommt auch die Menschen in Russland teuer zu stehen. Eine hohe Inflation, steigende Arbeitslosigkeit und teils leere Supermarktregale sind die Folge.

Ukraine-Konflikt lässt Preise steigen – Wirtschaftsexperte sieht Gefahr einer „Hyperinflation“

Die offizielle Statistikbehörde Rosstat gab Mitte März bekannt, dass die Inflation zwischen dem 5. und 11. März 2,1 Prozent betrug, der zweithöchste wöchentliche Wert seit mehr als 20 Jahren. Nach Angaben des Wirtschaftsministeriums stieg die jährliche Inflation von 10,4 Prozent in der Vorwoche auf 12,5 Prozent am 11. März. Die Verbraucherpreise befinden sich aufgrund der Sanktionen des Westens und der Rohstoffknappheit weiterhin im Aufwärtstrend. Lebensmittel, insbesondere Obst und Gemüse, wurden merklich teurer, aber auch Dienstleistungen sowie Non-Food-Produkte und Baumaterialien stiegen im Preis.

Der Ökonom Michael Hüther sieht die Gefahr einer Hyperinflation in Russland gegeben. „In Russland droht nun ein weiterer Wertverfall des Rubels und eine Hyperinflation“, so Hüther, der Direktor des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) gegenüber der Funke Mediengruppe. Von einer Hyperinflation ist bei Preissteigerungen von über 50 Prozent die Rede. Dabei ist die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes extrem hoch: Da die Preise ständig steigen, geben Menschen ihr Geld direkt aus, um weiteren Preissteigerungen zuvorzukommen.

Ukraine-Konflikt: Leere Supermarktregale in Russland – Regierung dementiert Knappheit

Bereits im März kursierten Fotos von leeren Supermarktregalen in Russland im Netz. Auch Bilder von Menschen, die für Zucker anstanden, waren zu sehen. Einige Geschäfte stellten Schilder mit der Aufschrift „Es gibt keinen Zucker mehr“ auf. Manche Supermärkte führten zudem Rationierungsmaßnahmen für bestimmte Produkte ein, während die Preise nach einer bereits seit Beginn der Pandemie hohen Inflation sprunghaft anstiegen.

Angesichts leergekaufter Supermarktregale dementierten die russischen Behörden einen Mangel an Zucker oder Buchweizen im Land. „Wie im (ersten Pandemie-)Jahr 2020 möchte ich auch heute unsere Bürger beruhigen: Wir sind bei Zucker und Buchweizen völlig autark“, sagte die stellvertretende russische Ministerpräsidentin Viktoria Abramtschenko laut russischen Nachrichtenagenturen bei einer Regierungssitzung am 21. März. Aus Angst vor den Sanktionen des Westens wegen des Ukraine-Konflikts und eventuell daraus folgenden Engpässen hatten sich Menschen in Russland in den Supermärkten auf diese Lebensmittel gestürzt.

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Ein Schild in einem Supermarkt in Moskau teilt mit, dass der Verkauf von Zucker auf fünf Kilogramm pro Tag und Kunde begrenzt ist. Die Aufnahme stammt vom 23. März 2022. Einige Produkte werden in Russland knapp oder sind ausverkauft. © Vlad Karkov / ZUMA Wire / Imago

Apple, Google, McDonald‘s: Zahlreiche Unternehmen ziehen sich aus Russland zurück

Zahlreiche Firmen haben sich angesichts des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine aus Russland zurückgezogen, darunter Adidas, Google, Mercedes-Benz, Coca Cola, Volkswagen, Audi, Apple, Visa und viele mehr. Für Kunden bedeutet dies, dass sie die Produkte dieser Firmen nicht mehr kaufen oder nutzen können. Apple beispielsweise lieferte nicht mehr an russische Händler und stellte auch den russischen Online-Shop ab. Wer die Seite aufrief, erhielt die Meldung, der Shop sei derzeit geschlossen - zudem erschien ein Apple-Logo in Regenbogenfarben.

Anfang März schloss auch der Fastfood-Riese McDonald‘s als Reaktion auf den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine seine rund 850 Filialen in Russland. „Wir können das grundlose menschliche Leiden nicht ignorieren, das sich in der Ukraine abspielt“, erklärte das Unternehmen zu diesem Schritt. McDonald‘s habe daher entschieden, alle Filialen in Russland vorübergehend zu schließen und das Geschäft in Russland einzustellen.

Folge der Ukraine-Krise und der westlichen Sanktionen: Arbeitslosigkeit in Russland könnte steigen

Allein der Rückzug des Fastfood-Giganten McDonald‘s kostete 62.000 Menschen in Russland ihren Job. Die Liste der Firmen, die ihr Russland-Geschäft einstellten, ist lang. Entsprechend viele Arbeitsplätze fallen weg. Doch auch die Unterbrechung der Lieferketten könnte für eine erhöhte Arbeitslosigkeit in Russland sorgen: „Viele Menschen werden ihre Arbeit verlieren, weil Unternehmen geschlossen werden, weil es an Rohstoffen für die Produktion mangelt, weil die Nachfrage ausbleibt und weil die Menschen ärmer werden“, so der russische Wirtschaftswissenschaftler Andrei Movchan gegenüber dem Nachrichtenmagazin Euronews. Im Energiebereich dürfen bestimmte Güter aufgrund der westlichen Sanktionen nicht nach Russland gelangen. Auch in anderen Bereichen gibt es Beschränkungen, etwa für Flugzeugteile und Mikrochips.

Der russische Präsident Wladimir Putin stellte seine Landsleute auf die wirtschaftlichen Folgen des Krieges ein. Die Inflation und Arbeitslosigkeit würden steigen, so Putin. Er sprach im russischen Staatsfernsehen davon, dass der Westen den „Plan eines ökonomischen Blitzkriegs gegen Russland“ verfolge. Doch dieser Versuch werde nicht funktionieren, so der Kreml-Chef weiter. Die neue Realität erfordere jedoch tiefgreifende Veränderungen der russischen Wirtschaft.

Folgen des Ukraine-Konflikts: Ausschluss Russlands aus SWIFT-System und Aus von Paypal

Die Sanktionen des Westens sahen außerdem vor, einige russische Banken vom Zahlungsverkehr im Swift-System auszuschließen. Der Handel mit dem Land werde komplett zum Erliegen kommen, meint Uwe Fröhlich, der Co-Chef der DZ Bank. „Denn es gibt faktisch keine Zahlungswege mehr, die zur Verfügung stehen.“ Viele Russen sorgten sich um ihr Erspartes, dies führte Berichten zufolge zu Schlangen vor Geldautomaten in Russland. Auch weil der Rubel zeitweise deutlich einbrach. Der US-Dollar war während des Ukraine-Konflikts zeitweise um fast 42 Prozent auf ein Rekordhoch von 119 Rubel gestiegen. Am 23. Februar, einen Tag vor dem Überfall Russlands auf die Ukraine, kostete ein Dollar noch 80 Rubel. Aktuell (4. April) liegt der Währungskurs bei 83 Rubel für einen US-Dollar. Russland konnte durch Maßnahmen wie die Leitzinserhöhung auf 20 Prozent den Absturz der Währung zunächst abbremsen.

Laut Elina Ribakova, Ökonomin am Institute of International Finance, könnte der Ausschluss aus dem Swift-System in Verbindung mit anderen Sanktionen jedoch langfristig dazu führen, dass die russische Wirtschaft um 10 Prozent schrumpfe, wie der Nachrichtensender Aljazeera berichtete. Dass auch Paypal seine Dienste nicht mehr in Russland anbietet, bemerken manche Menschen in Russland im Alltag ebenfalls: „Das Paypal-System, mit dem viele Schüler Geld für den Unterricht an mich überwiesen haben, funktioniert in Russland nicht mehr“, sagte eine Sprachtutorin namens Natalia, die ihre Dienste über das Internet ins Ausland anbietet, gegenüber Euronews.

Nach Bekanntwerden der Gräueltaten von Butscha kündigten die USA sowie die EU am Montag weitere Sanktionen gegen Russland an. (bme mit Material von dpa/afp)

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