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Putin „hinterlässt überall Tod“: Nach übereiltem Russen-Rückzug finden Ukrainer Bild des Grauens vor

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Von: Bettina Menzel

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Nach dem Abzug der russischen Truppen aus der Region Charkiw im Osten der Ukraine entdeckten ukrainische Behörden offenbar ein Massengrab sowie Hinweise auf Folterkammern.

Isjum - Eine Gegenoffensive der ukrainischen Streitkräfte im Ukraine-Krieg war offenbar erfolgreich: Die russischen Truppen verließen in der vergangenen Woche Isjum und andere Gebiete in der Region Charkiw im Osten der Ukraine. Nach dem Abzug entdeckten ukrainische Behörden eigenen Angaben zufolge ein Massengrab sowie Hinweise auf Folterkammern.

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Nicht identifizierte Gräber von Zivilisten und ukrainischen Soldaten, die von russischen Streitkräften zu Beginn des Krieges getötet worden waren, auf einem Friedhof in der kürzlich zurückeroberten Stadt Isjum (Bild vom 15. September 2022). ©  Evgeniy Maloletka/AP/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Nach Rückzug russischer Truppen: Massengrab mit mehr als 440 Leichen entdeckt

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj verlässt die Hauptstadt Kiew seit Beginn der russischen Invasion aus Sicherheitsgründen nur selten. Am Mittwoch war er jedoch in die zurückeroberte Stadt Isjum im Osten des Landes gereist, um sich vor Ort ein Bild zu machen. In einer Videobotschaft am Donnerstag teilte der ukrainische Staatschef mit, in Isjum sei ein „Massengrab“ gefunden worden. „Butscha, Mariupol und jetzt leider auch Isjum: Russland hinterlässt überall Tod und muss sich dafür verantworten. Die Welt muss Russland zur echten Verantwortung für diesen Krieg ziehen“, so Selenskyj. An diesem Freitag sollen Journalisten vor Ort sein. „Wir wollen, dass die Welt erfährt, was wirklich passiert und wozu die russische Okkupation geführt hat“, sagte der ukrainische Staatschef weiter.

Der Chef der Ermittlungsbehörde der Polizei im Gebiet Charkiw, Serhij Bolwynow, sprach nach Angaben der Onlinezeitung Ukrajinska Prawda von einem Fund von mehr als 440 Leichen in einem Wald. Bereits im Frühjahr hatte die Ukraine nach dem Abzug russischer Truppen aus dem Kiewer Vorort Butscha sowie in zahlreichen anderen Orten schwerste Kriegsverbrechen beklagt. Die EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hält es „für möglich“, dass der russische Präsident Wladimir Putin sich vor dem Internationalen Strafgerichtshof verantworten müsse. Es stehe außer Zweifel, dass in der Ukraine schwerste Kriegsverbrechen begangen würden, sagte von der Leyen Bild TV.

Ukrainische Behörden finden offenbar auch Beweise für Folterkammern

Nach dem offenbar übereilten Rückzug russischer Truppen seien im Gebiet Charkiw auch Hinweise auf Folterkammern gefunden worden, hieß es am Freitag vonseiten des stellvertretenden ukrainischen Innenministers Jewhen Jenin. Sowohl ukrainische Staatsbürger als auch Ausländer seien dort unter „unmenschlichen Bedingungen“ festgehalten worden. Leichen hätten Folterspuren aufgewiesen, berichtete Jenin dem ukrainischen Radiosender NV. Die Angaben ließen sich zunächst nicht unabhängig überprüfen. Die Darstellung des Ministers stimmte allerdings mit mindestens sechs Berichten überein, die die lokale Polizei in Charkiw seit dem vergangenen Wochenende gesammelt hatte.

Militärexperten hatten zunächst Zweifel an den Erfolgschancen einer ukrainischen Gegenoffensive geäußert. Doch die russischen Truppen verließen das Gebiet Charkiw ukrainischen Angaben zufolge am Samstag „fluchtartig.“ Das Verteidigungsministerium in Moskau sprach indes von einer „Umgruppierung“ seiner Truppen. Allerdings war selbst aus kremlnahen Quellen von einer Niederlage die Rede. Teilweise wurden in Russland auch kritische Stimmen laut. Der kremltreue Chef der Teilrepublik Tschetschenien, Ramsan Kadyrow, kritisierte etwa „Fehler“ der Führung in Moskau.

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