1. Startseite
  2. Politik

Nato hält Ukraine-Krieg über „Jahre“ für möglich - Experte zeichnet Ausweg: „Rumpfstaat“ und „Finnlandstatus“?

Erstellt:

Von: Linus Prien

Kommentare

Der Ukraine-Krieg könnte nach Nato-Einschätzung Jahre andauern. Auch ein Experte rechnet nicht mit einer schnellen Lösung - sieht aber immerhin konkrete Szenarien.

Brüssel - Die Nato rechnet mit einem lange anhaltenden Krieg in der Ukraine. Es gebe keine Anzeichen dafür, dass Russlands Präsident Wladimir Putin seine Ambitionen aufgegeben habe, die komplette Ukraine zu kontrollieren, sagte Generalsekretär Jens Stoltenberg am Mittwoch am Rande eines Treffens der 30 Nato-Außenminister in Brüssel. Man müsse sich bewusst darüber werden, dass der Krieg noch „viele Monate oder sogar Jahre“ andauern könne.

Den Rückzug russischer Truppen aus dem Norden der Ukraine erklärte Stoltenberg mit einer nach Nato-Erkenntnissen geplanten Großoffensive im Osten. Die Streitkräfte sollen demnach verstärkt und neu bewaffnet werden, um den gesamten Donbass einzunehmen und eine Landbrücke zur bereits besetzten ukrainischen Halbinsel Krim zu schaffen. In der Folge muss sich die Nato laut Stoltenberg auf einen langen Weg vorbereiten. „Wir müssen die Ukraine unterstützen, unsere Sanktionen aufrechterhalten, unsere Verteidigung und unsere Abschreckung stärken“, sagte er.

Ukraine-Krieg: Experte zeichnet Waffenstillstands-Szenario - Rumpfstaat und „Finnland-Status“?

Auch Andreas Heinemann-Grüder geht von keinem schnellen Ende des Ukraine-Konflikts aus. Der Politikwissenschaftler vom International Centre for Conflict Studies in Bonn erklärte dem Focus: „Ein Waffenstillstand bzw. ein Verhandlungsfrieden wird erst wahrscheinlich, wenn beide Parteien erschöpft sind und die Ukraine so sehr ums Überleben ringt, dass sie fast alles zu unterschreiben bereit ist.“

Der Experte hielt ein Szenario für möglich, in dem die Ukraine einen Status, vergleichbar zu dem von Finnland, erhielte: „Die Ukraine könnte international verbindliche Sicherheitszusagen und möglicherweise den Status Finnlands erhalten, Russland wiederum im Gegenzug die Anerkennung der Krim sowie der Donezker und Lugansker ‚Volksrepubliken‘. Im besten Fall kann die Ukraine wichtige Abschnitte am Schwarzen Meer halten und als Rumpfstaat fortexistieren“, sagte Heinemann-Grüder.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj lehnte Gebietsabgaben zuletzt ab. Wenn aber beide Kriegsparteien dieser Strategie zustimmen würden, gebe es eine konkrete Grenze, die von internationalen Truppen bewacht werden könnte. Der Experte fügte hinzu: „Niemand kann der Ukraine allerdings von außen vorschreiben, was sie ‚schlucken‘ soll oder gar muss“.

Ukraine-Krieg: China - „die einzige Macht, auf die Putin hört“

Heinemann-Grüder verwies auf die Rolle, die China bei der Lösung des Konflikts spielen könnte: „Wenn es jemanden gibt, der in diesem Konflikt die Rolle eines machtvollen Mediators übernehmen kann, dann ist das China – die einzige Macht, auf die Putin hört.“, sagte der Experte im Focus. Das solle der Westen nutzen. Spannungen zwischen China und Russland müssten vertieft werden und China müsse von einem geschwächten Russland profitieren können.

Selbst wenn Russland einen militärischen Konflikt für sich entscheiden könnte, würde dies dem Professor zufolge die komplette Isolation vom Westen bedeuten. Zudem sollen die wirtschaftlichen Sanktionen Russland stark zusetzen: „Die Sanktionen werfen Russland auf den prekären Stand der frühen 1990-er Jahre zurück. Alle materiellen Grundlagen, auf denen Putins Macht in Russland gründete, werden untergraben“. Langfristig werde sich Putins Politik als „selbstmörderisch“ für sein Land erweisen. (lp)

Auch interessant

Kommentare