1. Startseite
  2. Politik

Gefallen für Wagner-Söldner? Putin tauscht Kommandeur aus – „Jetzt steigt der General vom Himmel“

Erstellt:

Von: Lucas Maier

Kommentare

Zum vierten Mal wechselt Putin die Spitze im Ukraine-Krieg aus. Will Russland sich damit der Wagner-Gruppe annähern oder diese in die Schranken weißen? 

Moskau – In wenigen Tagen wollte Russland die Ukraine überrennen und Kiew einnehmen. Mittlerweile dauert der Ukraine-Krieg fast schon ein Jahr. Kritik musste sich der russische Machthaber Wladimir Putin bisher vor allem vom Finanzier der Wagner-Gruppe, Jewgeni Prigoschin, anhören.

Längst haben die Fehler im Ukraine-Krieg auch Auswirkungen auf den Kremlchef. Immer wieder zieht Putin personelle Konsequenzen. Sein neuester Coup: Er übertrug jetzt Generalstabschef Waleri Gerassimow das Kommando im Krieg gegen die Ukraine. Experten sehen in dem Schachzug des 70-Jährigen einen Schritt in Richtung der Söldnertruppe. Lässt sich Putin etwa „wagnerisieren“?

Machtkampf im Ukraine-Krieg: Will Putin der Wagner-Gruppe gefallen oder diese in die Schranken weisen?

Mittlerweile ist es der vierte Machtwechsel an der Spitze des russischen Feldzuges gen Kiew. Mit dem Generalstabschef Waleri Gerassimow scheint Putin sein stärkstes Pferd auf diesen Posten gesetzt zu haben.

Experten sehen darin eine strukturelle Annäherung an die Wagner-Gruppe. Deren Chef hatte bereits mehrfach, gemeinsam mit Ramzan Kadyrov, dem Führer der Tschetschenen, „taktische und personelle Veränderungen“ gefordert.

Ukraine-Krieg: Putin änder die Führung des Feldzuges, aber warum?
Ukraine-Krieg: Putin änder die Führung des Feldzuges, aber warum? (Archivbild) © Mikhail Kuravlev/dpa

Der Wechsel an der Armeespitze könnte nach Einschätzung von Dara Massicot, einer Senior Researcherin bei der Rand Corporation eine Maßnahme sein, um den beiden Putin Kritikern ihren Platz aufzuzeigen. Dass Personalentscheidungen für Putin Teil eines „ein politischen Spiels“ sind, steht auch für die Militärexpertin Marina Miron vom King’s College London fest, wie sie gegenüber dem US-Magazin Newsweek angab. Diese Einschätzung teilen jedoch nicht alle Experten.

Wagner-Gruppe im Ukraine-Krieg: Wagnarisiert Putin die Staatsarmee?

„Die Ernennung von Gerassimow zum Kommandeur der Front-Streitkräfte erfolgte aufgrund des Erfolgs von Wagner“, ist sich der nationalistischen Politologen Sergej Markow sicher. Das berichtet der Bayrische Rundfunk. Der Erfolg fuße laut Markow auf schnellen Managemententscheidungen.

Durch die Einsetzung von Gerassimow werde sich die Entscheidungsgeschwindigkeit „dramatisch“ beschleunigen, so die Einschätzung von Markow. Ähnlich sieht das auch der russische Militärblogger Semjon Pegow („Wargonzo“).

Surowikin im Ukraine-Krieg abkommandiert: Der Favorit der Hardliner rutscht zurückgedrängt

„Jetzt ist der Generalstab direkt und kompromisslos für absolut alles verantwortlich“, formuliert Pegow seine Einschätzung zum Führungswechsel. Vor Gerassimow hatte der Kommandeur Sergej Surowikin den Posten an der Spitze des Ukraine-Feldzuges inne.

Der erst seit Oktober eingesetzte Kommandeur kann aus militärischer Sicht auf einige Erfolge im Ukraine-Krieg zurückblicken, wie die Deutsche Presse-Agentur schreibt. Surowikin rutscht in der Machthierarchie nun auf einen der drei Stellvertreterposten von Gerassimow. Er zählt zu den Favoriten von Kadyrow und Prigoschin, was wiederum für die These von Dara Massicot spricht.

Ukraine-Krieg: Selbst Kriegsbefürworter scheinen pessimistisch

„Jetzt muss der General vom Himmel auf die Erde hinabsteigen, aber er hat die Erde schon lange nicht mehr betreten“, spottet der Kremlbeobachter Roman Switan gegenüber dem russischen Exilsender Currenttime. Damit spielt er darauf an, dass Gerassimow sich bisher erst einmal in Frontnähe gezeigt hatte.

Ob der Machtwechsel zu Veränderungen im Ukraine-Krieg führen wird, bleibt abzuwarten. Optimismus macht sich derzeit jedoch nicht einmal bei den russischen Kriegsbefürwortern breit, wie die britische Politzeitung newstatesman schreibt. (Lucas Maier)

Auch interessant

Kommentare