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Polens Premier wirft Berlin Leopard-„Sabotage“ vor – und spricht von „kleinerer Koalition“ zur Lieferung

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Von: Linus Prien

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Bundeskanzler Olaf Scholz und der polnische Regierungschef Mateusz Morawiecki.
Bundeskanzler Olaf Scholz und der polnische Regierungschef Mateusz Morawiecki. © IMAGO/Christian Spicker

Polens Premierminister Mateusz Morawiecki will mit Blick auf Lieferungen von Leopard-2-Panzern in die Ukraine, falls nötig, ohne Deutschland handeln. Der Druck auf Berlin steigt.

Warschau – Deutschland wird wegen seines Zögerns bei der Lieferung von Leopard-Kampfpanzern an die Ukraine von Kiew und verbündeten Staaten immer wieder scharf kritisiert. Polens Ministerpräsident Mateusz Morawiecki nannte das Zögern Berlins in dieser Frage nun „inakzeptabel“.

In einem Interview mit der polnischen Nachrichtenagentur PAP äußerte er sich mit scharfen Worten. Man verlange nicht 100 Prozent der deutschen Ressourcen, nicht einmal 30 Prozent. Sogar 10 Prozent der deutschen Ressourcen würden zu einer Besserung zugunster der Ukraine führen, erklärte der polnische Premierminister.

Leopard-Debatte: Morawiecki mahnt Berlin – Warschau will zur Not „kleinere Koalition“ schaffen

Morawiecki kündigte zudem mit Blick auf die Kampfpanzer Leopard-2 die Option an, „eine kleinere Koalition“ von Ländern bilden zu können, welche die Ukraine mit „moderner Ausrüstung“ und „modernen Panzern“ aus ihren eigenen Beständen versorgen werde. Sollte Deutschland jetzt nicht schnell handeln, werde es dazu kommen. Morawiecki betonte, dass die Ukraine schließlich auch für die Sicherheit Polens kämpfe und sein Land deswegen nicht tatenlos zusehen werde.

Man verschwende Zeit mit Diskussionen, meinte Morawiecki. Eigentlich sei man „auf einem guten Weg gewesen“ doch die Bundesrepublik stoppe den Fortschritt. „Wenn die Sache in eine etwas bessere Richtung zu gehen scheinen, kommt plötzlich Deutschland und ruft Zweifel hervor“, so der polnische Premier. Er fügte hinzu: „Berlin sollte die Handlungen anderer Staaten nicht schwächen oder sabotieren.“

Kritik an Deutschland wegen Leopard 2: „Deutschland tappt in eigene Falle“

Morawieckis Kritik an Deutschland hört jedoch an dieser Stelle nicht auf. Im Gegenteil: Der polnische Regierungschef kreidet Berlin an, „in eine selbst gestellte Falle“ getappt zu sein und spielt damit auf die Abhängigkeit Deutschlands von Russland an. Deutschlands Russland-Politik sei bankrott gegangen, resümierte Morawiecki. Man habe versucht, „den russischen Bären mit großzügigen Abmachungen zu besänftigen“.

Der polnische Premier nahm kein Blatt vor den Mund. Er versuche zwar seine Worte richtig abzuwägen, werde es aber dennoch „ganz grob“ sagen. Gewinnen, werde Europa diesen Krieg „mit oder ohne“ die Bundesrepublik. Allerdings liege es an Deutschland, zu entscheiden, ob man beim Beenden der „russischen Barbarei“ helfen oder passiv zusehen und somit „auf der falschen Seite der Geschichte“ stehen wolle.

Zugleich warnte er Berlin auch vor der Gefahr für die eigene Sicherheit von Deutschland. Die „ukrainischen Verteidiger Europas“ würden sofort Panzer brauchen. Morawiecki fragte im Interview: „Wollen die Deutschen die Panzer im Lager halten, bis Russland die Ukraine schlägt und an die Tür von Berlin klopft?“

Ukraine-Krieg: Deutschland weiter unter Druck wegen Waffenlieferungen

Kiew forderte über weite Teile des Ukraine-Kriegs Kampfpanzer westlicher Bauart zur Verteidigung gegen den russischen Angriffskrieg. Mehrere Länder haben die Bereitschaft geäußert, Leopard-Panzer zu liefern - da diese aus Deutschland stammen, müsste die Bundesregierung jedoch ihr Einverständnis geben.

Zuletzt wuchs zudem der Druck auf die Bundesregierung, auch selbst Leopard-Panzer für Kiew bereitzustellen. In einer in dieser Form seltenen gemeinsamen Botschaft der Baltenstaaten twitterte der lettische Außenminister Edgars Rinkevics am Samstag, Lettland, Estland und Litauen forderten Deutschland auf, „sofort Leopard-Panzer an die Ukraine zu liefern“, um „die russische Aggression zu stoppen, der Ukraine zu helfen und den Frieden in Europa schnell wiederherzustellen“. Deutschland als „mächtigster Staat Europas“ habe „in dieser Hinsicht eine besondere Verantwortung“. (AFP/lp)

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