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Propaganda-Panne Russlands: Hauptquartier der Wagner Gruppe wohl wegen Foto zerstört

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Schon am 10. Juni soll ein Stützpunkt der russischen Söldnergruppe Wagner in der Region Luhansk zerstört worden sein. Nun wurde offenbar auch das Hauptquartier zerstört. © IMAGO / Cover-Images

Ukrainische Streitkräfte zerstörten offenbar einen Stützpunkt der russischen Söldnergruppe Wagner. Ein kremlfreundlicher Journalist hatte versehentlich in den sozialen Medien den Standort verraten.

Popasna - In Russlands brutalem Angriffskrieg konnte die Ukraine in den vergangenen Wochen Überraschungserfolge erzielen - wenn auch nicht offiziell. Kiew weist bislang zurück, etwas mit den Angriffen auf der Krim zu tun zu haben. Mit Blick auf das Attentat auf Darja Dugina gibt es ebenfalls zahlreiche Spekulationen. Nun soll auch das Hauptquartier der russischen Söldnertruppe Wagner in der Stadt Popasna getroffen worden sein - und das ausgerechnet aufgrund des Fehlers eines kremltreuen Journalisten. Doch ein Militäranalyst zweifelt an einem Versehen Russlands.

Kremltreuer Journalist postet Bild in sozialen Medien - und verrät Standort des Wagner-Hauptquartiers

Das Internet vergisst nie, heißt es. Diese Erfahrung machte offenbar auch der pro-russische Kriegsberichterstatter Sergei Sreda. Er begleitete die berüchtigte Söldnertruppe Wagner im Ukraine-Krieg und lud am 8. August ein Bild in die sozialen Medien, auf dem fünf Kämpfer vor dem Hauptquartier zu sehen waren. Doch nicht nur das: Im linken oberen Eck des Fotos war auch klar die Adresse in der Stadt Popasna zu erkennen. Myronivska-Straße 12 stand dort.

Kurz darauf soll der Journalist das Bild wieder gelöscht haben, doch es war bereits zu spät. Der Wagner-Stützpunkt war bereits ins Visier der ukrainischen Streitkräfte geraten, wie der US-finanzierte Rundfunkveranstalter Radio Svoboda berichtete. Vergangene Woche gab die ukrainische Armee bekannt, den Stützpunkt der Wagner-Gruppe bei einem „Präzisionsangriff“ zerstört zu haben. Angeblich soll der Angriff rund 100 Wagner-Söldner getötet haben, wie der Gouverneur der Region Luhansk, Serhij Hajdaj laut Internetzeitung Meduza mitteilte. Die Angaben ließen sich nicht unabhängig verifizieren, doch ein pro-russischer Reporter bestätigte den Militärschlag in Popasna auf Telegram.

Die Söldnergruppe Wagner gilt als Russlands „Schattenarmee“, die in Krisenregionen wie Syrien, Libyen und Mali im Einsatz gewesen sein soll. Der Wagner-Gruppe werden schwere Menschenrechtsverstöße wie Folter und gezielte Tötungen vorgeworfen. Moskau bestreitet offiziell jegliche Verbindungen zur Söldnerarmee.

Absicht statt Versehen? Militäranalyst vermutet Trick der russischen Streitkräfte

Es gibt auch Zweifel an der Theorie, dass es sich um ein Versehen von russischer Seite handelte. „Selbst die dümmsten pro-russischen Militärkorrespondenten wissen um das Verbot, militärische Einrichtungen [und] Orte zu filmen, sie wissen um die Möglichkeit eines möglichen Angriffs auf diese Koordinaten [...]. Und hier posieren sie direkt in der Nähe des Hauptquartiers und sogar mit jemandem, der wie Prigoschin aussieht?“, fragt etwa der Militäranalyst und Gründer der Nichtregierungsorganisation „Conflict Intelligence Team“, Ruslan Lewijew, auf Twitter.

Jewgeni Wiktorowitsch Prigoschin, auch als „Putins Koch“ bekannt, ist ein einflussreicher russischer Oligarch. Er gilt als enger Vertrauter von Russlands Präsident Wladimir Putin und wird als Finanzier mit der Gruppe Wagner in Verbindung gebracht. Prigoschin soll zudem maßgeblich an der Etablierung der russischen „Troll-Armeen“ beteiligt gewesen sein, die putinfreundliche Propaganda im Internet verbreiten. In ersten Berichten über den Angriff auf das Wagner-Hauptquartier wurde vermutet, dass auch Prigoschin unter den Todesopfern sein könnte. Hätte sich dies bewahrheitet, wäre es ein harter Schlag gegen Russland gewesen. Doch die Gerüchte stellten sich offenbar als falsch heraus, wie etwa das Nachrichtenportal NEXTA berichtete.

Aus Sicht von Lewiew könnte der „Fototermin“ mit der Gruppe-Wagner ein Versuch der russischen Streitkräfte gewesen sein, die ukrainischen „HIMARS herauszulocken“, um ihren Standort bestimmen und sie im Anschluss zerstören zu können. Bei HIMARS (High Mobility Artillery Rocket System) handelt es sich um ein amerikanisches Artilleriesystem, das GPS-gesteuerte Raketen mit einer Reichweite von etwa 80 Kilometern - je nach Munition - abfeuern kann. Nach einer Analyse der Fotos und Videos von dem Angriff geht Meduza davon aus, dass der Angriff aus der Nähe von Siwersk im Oblast Donezk erfolgte, das in Luftlinie etwa 30 Kilometer nördlich von Popasna liegt. (bme)

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