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Russland-Experte vermutet Plan, der den Westen treffen soll: Bringen Kamikaze-Drohnen Putin die Kriegs-Wende?

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Von: Maximilian Kettenbach, Bedrettin Bölükbasi

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Im Ukraine-Krieg setzt Russland Drohnen aus dem Iran ein. Die Effektivität dieser Waffen werde sich im Schlachtfeld in Grenzen halten, sagt ein Experte Merkur.de.

München — Drohnen spielen im Ukraine-Krieg eine große Rolle. Die Ukraine setzte die türkische Bayraktar TB2 unter anderem bei der Zurückeroberung der Schlangeninsel ein. Mittels handgemachte Drohnen wirft die ukrainische Armee zudem weiterhin kleine Bomben auf russische Stellungen ab.

Nun will Russland offenbar nachziehen und nutzt dabei Kamikaze-Drohnen aus dem Iran. Sie kamen in den vergangenen Tagen Berichten zufolge unter anderem in Kiew zum Einsatz. Einige Experten halten das zwar für eine bedeutsame Entwicklung. Dennoch zeigen sie sich überzeugt, dass die Waffen keine grundlegende Änderung auf dem Schlachtfeld bewirken werden. So sieht es auch der österreichische Politikwissenschaftler und Russland-Experte Gerhard Mangott im Gespräch mit dem Münchner Merkur von IPPEN.MEDIA.

Shahed-Drohnen im Ukraine-Krieg: Experte ist sich sicher — „Bringen an der Front nichts“

Kamikaze-Drohne aus dem Iran? Dieses Foto soll eine „Shahed 136“ kurz vor dem Einschlag in Kiew zeigen.
Kamikaze-Drohne aus dem Iran? Dieses Foto soll eine „Shahed 136“ kurz vor dem Einschlag in Kiew zeigen. © Yasuyoshi Chiba/AFP

„Die Kamikaze-Drohnen bringen Russland an der Front nichts, sind aber Instrument des Terrors gegen Zivilisten“, sagte der Wissenschaftler von der Universität Innsbruck. Mit dem Einsatz der Drohnen wolle Russlands Machthaber Wladimir Putin der ukrainischen Wirtschaft „Schaden zufügen, indem die Ukraine ihrerseits die Produktion herunterfahren muss“. „Zudem dürfte der Kreml dadurch hoffen, den ukrainischen Widerstand moralisch zu brechen“, erklärte Mangott weiter. Mit einem Erfolg hierbei rechnet er jedoch nicht.

Gerhard Mangott, Professor für Internationale Beziehungen an der Universität Innsbruck. Der Russland-Experte spricht über Putins Situation im Inland.
Gerhard Mangott, Professor für Internationale Beziehungen an der Universität Innsbruck. Der Russland-Experte spricht über Putins Situation im Inland. © Privat

Des Weiteren wolle der Kreml-Chef „die Ukrainer im Winter frieren lassen“. Immerhin wird auch die Energie-Infrastruktur der Ukraine mit den Drohnen beschossen. Mit Blick auf Putins Winter-Plan betonte Mangott: „Dies könnte eine neue, große Flüchtlingswelle in den Westen nach sich ziehen und soll dort die demokratischen Systeme ins Wanken bringen, so die Hoffnung.“ Zugleich würden diese Auswanderer bei der Produktion von Kriegsmaterial für das ukrainische Militär „enorm“ fehlen. „Das alles zusammen soll dann die Wende im Krieg zugunsten Russlands bringen“, fasste Mangott das mutmaßliche Ziel der intensiven Nutzung von iranischen Drohnen zusammen.

Iranische Drohnen für Putin: Anfällig für Signalstörer — können wohl leicht runtergeholt werden

Die Waffen des Typs „Shahed 136“ bringen dabei tatsächlich Vorteile für die russischen Angreifer mit sich. Die Drohnen sind billiger als konventionelle Raketen, können aber trotz ihrer nur rund 50 Kilogramm schweren Ladung teils massive Schäden beim Einschlag anrichten. Die Drohnen fliegen langsam und gleichzeitig tief. Daher können sie auch dem Radar mancher Luftverteidigungssysteme ausweichen und trotzdem hunderte Kilometer weit fliegen.

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Dennoch haben die iranischen Waffen auch einen Haken, wie der US-Militärexperte Samuel Bendett vom Center for Naval Analyses gegenüber dem US-Sender ABC News erklärte. Ihm zufolge nutzt die „Shahed 136“ einen kleinen herkömmlichen Motor sowie ein kommerzielles GPS-System. Das führt wohl dazu, dass die Drohne von Signalstörern beeinträchtigt und relativ einfach zum Absturz gebracht werden kann. Doch dessen sind sich anscheinend auch die Russen bewusst.

„Es geht nicht darum, dass alle durchkommen, es geht darum, dass nur manche von ihnen durchkommen“, unterstrich Bendett und fügte hinzu: „Der Punkt bei der Nutzung dieser Shahed-Drohnen ist es, sie in Wellen zu schicken, die ukrainische Luftverteidigung zu belasten, ihre Munition zu verbrauchen, Menschen in Schach zu halten.“

Ukraine-Krieg: Putin will „Terror“ mit iranischen Drohnen erschaffen — Ukraine passt sich an

Die „Terror“-These Mangotts, der im Übrigen Putins Plan in den besetzten Gebieten für fehlerhaft hält, vertritt auch Marina Miron, eine Expertin vom britischen King‘s College London. Mit den „primitiven“ iranischen Drohnen versuche Putin „Terror und Chaos unter der zivilen Bevölkerung zu erschaffen“, sagte sie der englischen Ausgabe des Business Insider. Außerdem wolle er der ukrainischen Führung zeigen: „Ja, er kann sie auch dort bekommen, auch wenn es weit entfernt vom Schlachtfeld ist.“ Sowohl mit den Raketen als auch mit den Drohnen zeige Putin, dass Russland immer noch die nötigen Fähigkeiten besitze. „Denkt nicht, dass ihr wegen unserer Verluste auf dem Schlachtfeld den Krieg gewinnen werdet“, laute die Botschaft an die Ukrainer.

Das russische Militär setzt die Drohnen erst seit einer kurzen Zeit ein. Nichtsdestotrotz passen sich die ukrainischen Streitkräfte offenbar bereits an. „Wenn man Hauptquartiere angreift, dann wechseln die Leute einfach in den Untergrund“, erklärte Mykola Bielieskow, ein Experte vom Institut für Strategische Studien in Kiew, dem US-Magazin Foreign Policy.

Aufgrund der schwachen Ladung der Shahed-Drohnen erwartet Bielieskow auch gegen fixierte schwere Ziele keine sonderlichen Erfolge. Unter Berufung auf Experten machte das US-Magazin ferner auf logistische Schwierigkeiten bei der kontinuierlichen Versorgung Russlands mit diesen Drohnen aufmerksam. Sanktionen gegen den Iran würden etwa die Produktion und Ausstattung der Drohnen beeinträchtigen. (bb/mke)

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