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Wie beim Teleshopping: Putin-Propagandist preist russische Militärausrüstung im TV an

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Von: Stephanie Munk

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Immer wieder gibt es Berichte, dass Russlands Soldaten für den Ukraine-Krieg schlecht gewappnet sind und sich daher beschweren. Putin-Propagandist Solowjow promotete die Ausrüstung jetzt im TV.

Moskau — Temperaturen um die 4 Grad und Schneeregen - so ist das Wetter momentan in der Ostukraine. Ukrainische und russische Soldaten müssen sich auf unangenehme Bedingungen an der Front einstellen. Und gerade die Russen scheinen dafür schlecht ausgerüstet zu sein. Immer wieder gibt es Berichte über katastrophale Zustände. Erst kürzlich kursierte auf Twitter ein Video, das von Soldaten an der ukrainischen Front stammen soll und in dem sie ihre schlechte Kriegsausrüstung beklagen.

Berichte über schlechte Ausrüstung: Rostige Waffen und Tampons statt Verbände

Das ist nicht der einzige derartige Bericht: Erst kürzlich sorgte ein Video für Aufsehen, auf dem zu sehen ist, wie russischen Soldaten für den Ukraine-Krieg offenbar rostige Gewehre und Plastiktüten ausgehändigt werden. In einem Video der „Deutschen Welle“ ist zu sehen, wie eine Ausbilderin neuen Soldaten erklärt, dass sie sich Tampons in die Schusswunden stecken sollen.

Berichte über solche Zustände sind Gift für die Selbstdarstellung des Kreml und torpedieren angebliche Erfolgsmeldungen im Ukraine-Krieg. Wladimir Putins oberster Propagandist im Staats-TV, Wladimir Solowjow, bemühte sich wohl auch deshalb in seiner Sendung im russischen Staats-TV, mit den Berichten über mangelnde Ausrüstung der russischen Soldaten aufzuräumen.

Putin-Propagandist prüft Ausrüstung russischer Soldaten im TV

In einer Vorstellung, die an eine absurde Teleshopping-Show erinnert, prüfte Solowjow eigenhändig das, was einem Russen von Moskau angeblich für den Ukraine-Einsatz zur Verfügung gestellt wird. BBC-Journalist Francis Scarr teilte einen Ausschnitt aus der Sendung am Dienstag (15. November) auf Twitter.

„Womit sind Sie nicht zufrieden?“, fragt Solowjow in Anspielung auf die Beschwerden von Rekruten. Es folgt eine Präsentation der Militärausrüstung, die für Russen, die wirklich in der Ukraine kämpfen müssen, zynisch wirken muss. Solowjow platziert eine Schutzweste, einen Militärhelm und anderes auf seinem Tisch und wettert; „Sie behaupten, die Verstärkung in ihren Schutzwesten sind mangelhaft. Sie sagen, es ist alles verkehrtes Zeug.“ Heute werde er auf einen Schießstand gehen und persönlich auf die Weste und den Helm schießen, kündigt er an.

TV-Moderator preist „exzellente“ Qualität des russischen Equipments für Ukraine-Krieg

Dann präsentiert der TV-Moderator den Helm der russischen Soldaten und führt ihn vor wie in einer Verkaufsshow. Er klappt den Augenschutz hoch und wieder runter, setzt ihn kurz auf, preist seine „exzellente“ Qualität. „Er hat alles, alles ist da. Legt los!“ Dann zeigt er Soldaten-Handschuhe, Knie- und Ellbogenschoner - „für all‘ das zahlt Moskau“. Sogar ein Schlafsack, eine Isomatte und warme Gummistiefel sei im Rekruten-Set inkludiert, preist Solowjow das Set an.

Die Kommentare zu dem Sendungsausschnitt auf Twitter fallen entsetzt oder zynisch aus: Man frage sich, warum der TV-Moderator sich nicht selbst freiwillig für die Front in der Ukraine melde, wenn er schon das notwendige Ausrüstungs-Set habe und außerdem offenbar Erfahrung am Schießstand besäße, fragt ein Twitter-Nutzer. „Der seltsamste Shopping-Kanal, den es jemals gab“, lautet ein weiterer Kommentar.

Ein anderer User schreibt: „Er verspottet und verleumdet unsere Soldaten.“ Dabei hätten diese nichts anders getan, als um ordentliche Ausrüstung zu bitten, „während sie an der Front wie nichtsnutziges Fleisch zerfetzt werden. Unglaublich.“ (smu)

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