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Benzinpreis-Explosion wegen Ukraine-Krieg: SPD denkt über autofreien Sonntag nach

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Von: Andreas Schmid

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Gähnende Leere und ungewöhnliche Stille Ende 1973 auf den Straßen und Autobahnen der Bundesrepublik.
Gähnende Leere und ungewöhnliche Stille Ende 1973 auf den Straßen und Autobahnen der Bundesrepublik. Wiederholt sich dieses Szenario nun? © Klaus Heirler/picture alliance/dpa

Wie kann der enorme Anstieg der Energiepreise gestoppt werden? Die SPD meint: „Autofreie Sonntage könnten einen Beitrag leisten.“

Berlin - Der Ukraine-Krieg treibt die Energiepreise in die Höhe. Die Benzinpreise haben mittlerweile die 2-Euro-Marke geknackt - und teils sogar deutlich überschritten. Stand Mittwochnachmittag (9. März, 16 Uhr) müssen deutsche Autofahrer in München bis zu 2,26 Euro für Super und bis zu 2,36 Euro für Diesel berappeln. Brisant: Im März 2021 hatte Diesel im Bundesdurchschnitt noch 1,32 Euro und Super E10 1,45 Euro pro Liter gekostet.

Ukraine-Krieg: SPD-Frau Scheer regt in Energiedebatte autofreie Sonntage an

Kraftstoff wird unter anderem aus Erdöl gewonnen. Und auf diesem Feld ist Deutschland enorm abhängig von Russland. Die Bundesrepublik bezieht mehr als die Hälfte seines Erdgas aus Russland. Kurzfristig will die Bundesregierung diese Abhängigkeit durch die Freigabe der nationalen Erdölreserven mildern. Durch diese soll in erster Linie eine Preisstabilisierung erreicht werden. Eine SPD-Politikerin bringt nun ein zusätzliches Szenario ins Spiel: autofreie Sonntage.

Nina Scheer, energiepolitische Sprecherin der SPD-Fraktion sieht im sonntäglichen Autoverzicht die Chance, die hohe Energiepreise zu entlasten. „Autofreie Sonntage haben uns in der Vergangenheit nicht geschadet und könnten auch in der heutigen Zeit einen Beitrag leisten, wenn eine entsprechende Verknappung dies erfordert“, sagte Scheer der Welt. „Jede Einsparung senkt die Nachfrage und entlastet damit auch die Märkte.“

Nina Scheer und Karl Lauterbach
Nina Scheer wollte 2019 gemeinsam mit Karl Lauterbach den SPD-Parteivorsitz erobern. Das Duo scheiterte allerdings an Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans. © Roland Weihrauch/dpa

Autofreier Sonntag wegen Ukraine-Krieg? Schon 1973 blieb das Auto aus

Autofreie Sonntage gab es in Deutschland bereits. Nach einem von arabischen Staaten verfügten Öl-Boykott hatte es Ende 1973 an vier Sonntagen in Deutschland Fahrverbote gegeben. Der damalige Bundeskanzler Willy Brandt (SPD) hatte sie für die Bundesrepublik angeordnet. Nahezu für alle Menschen in Westdeutschland musste das Auto an diesen Tagen stehenbleiben. Eine Sondererlaubnis gab es nur für wenige Bevölkerungsgruppen, zum Beispiel Ärzte oder Frischwarenzusteller.

Ölkrise - Sonntagsfahrverbot Polizisten kontrollieren am 25. November 1973 die Einhaltung des Fahrverbots.
Polizisten kontrollieren am 25. November 1973 die Einhaltung des Fahrverbots. Nur Verkehrsteilnehmer mit Sondergenehmigungen durften an diesem Tag ihre Fahrzeuge benutzen. © Roland Scheidemann/picture alliance/dpa

In Deutschland hat es seit 1973 offiziell keinen flächendeckenden autofreien Tag mehr gegeben. Es gibt gewisse Aktionstage, in denen zum Pkw-Verzicht aufgerufen wird. Zum Beispiel am 22. September sollen nicht nur in Deutschland die Autos stehen bleiben.

Habeck zum Ukraine-Krieg: „Dann reden wir nicht über autofreie Sonntage oder so etwas“

Es gibt immer wieder Spekulationen, wonach Russland den Gashahn für Europa zudrehen könnte. Diese Gerüchte werden teils durch den Kreml befeuert. Vizekanzler Robert Habeck (Grüne) wollte dieses Szenario am Dienstag zumindest nicht ausschließen. Er halte ein Energie-Embargo von russischer Seite zwar für unvernünftig und deshalb auch für unrealistisch. In Moskau regiere aber „offensichtlich nicht mehr die Vernunft“, sagte Habeck am Dienstag im ARD-„Brennpunkt“.

Gleichzeitig räumte der Grünen-Minister ein, dass die EU vor allem mit den Ölimporten aus Russland die „Kriegskasse“ des russischen Präsidenten Wladimir Putin fülle. Das Problem sei aber: „Wenn wir das tun und die Lieferketten reißen, dann reden wir nicht über autofreie Sonntage oder so etwas, sondern dann reden wir über schwere Schädigungen des wirtschaftlichen Kreislaufs, über Arbeitslosigkeit, über große gesellschaftliche Schäden.“ Alle Informationen zum Ukraine-Konflikt finden Sie im News-Ticker zu den Verhandlungen im Ukraine-Krieg und zur militärischen Lage im Ukraine-Krieg. (as)

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