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„Wenn Putin uns nicht stoppt“: Kadyrow-Verbündeter droht mit Aufmarsch bis Berlin

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Von: Bedrettin Bölükbasi

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Im Ukraine-Krieg nutzt Putin auch Söldner aus Tschetschenien. Ein enger Vertrauter von Kadyrow drohte nun mit einem Aufmarsch bis nach Berlin.

München — Nach monatelangen schweren Kämpfen im Ukraine-Konflikt hat Russland die gesamte Luhansk-Region eingenommen, nachdem dort auch die Städte Sjewjerodonezk und Lyssytschansk von Wladimir Putins Truppen besetzt wurden. Nun greift das russische Militär mit aller Kraft die Region Donezk an. Diese Karte zeigt, wo der Ukraine-Krieg wütet.

Bei den russischen Bodenangriffen kommen dabei nicht nur russische Soldaten zum Einsatz. Truppen aus Tschetschenien unter der Leitung des Putin-Verbündeten Ramsan Kadyrow sind schon seit Beginn der Invasion ganz vorne mit dabei. Offenbar beschränken sich ihre Ziele nicht nur auf die Ukraine. Ein enger Vertrauter von Kadyrow äußerte den Wunsch, über die ukrainischen Grenzen hinaus bis nach Berlin vorzurücken.

Ukraine-Krieg: Tschetschenen-Kommandeure wollen bis nach Warschau und Berlin vorstoßen

Die als „Kadyrowiten“ bezeichneten tschetschenischen Söldner präsentieren immer wieder Stolz ihre Eroberungen in der Ukraine und veröffentlichen Aufnahmen zu den Kämpfen. Der Tschetschenenführer Magomed Daudov äußerte sich nun zu den Gefechten in der Ukraine und nahm dabei Deutschland ins Visier. Daudov, der als Sprecher des tschetschenischen Parlaments und enger Verbündeter von Kadyrow gilt, drohte mit einem Vormarsch bis nach Berlin und behauptete zudem, man verteidige die „Werte des Islam“. Die US-Journalistin Julia Davis veröffentlichte die Aufnahmen samt englischem Untertitel auf Twitter.

„Es sollte kein Zweifel geben. Die Volksrepublik Donezk, Mikolajiw, Cherson, Odessa - bis Wladimir Putin uns stoppt, so Gott will, werden wir nach Berlin vorrücken“, sagte Daudov demnach gegenüber Reportern - in voller Kampfmontur und umgeben von seinen schwer bewaffneten Söldnern. Er zeigte sich zudem sicher über einen Sieg im Ukraine-Krieg: „Wir werden gewinnen, kein Zweifel.“

Apti Alaudinov, der Kommandeur der berüchtigten tschetschenischen Einheit „Akhmat“ auf russischer Seite, schloss sich den Äußerungen von Daudov an. In der Sendung „60 Minuten“ des russischen Staatsfernsehens Rossija-1, wo es zuvor eine Atomwaffen-Drohung gegen Deutschland gab, erklärte er zuerst Kiew und schließlich auch die polnische Hauptstadt Warschau als die nächsten Ziele der russischen Angriffe, „solange Putin uns nicht befiehlt aufzuhören“. Nur mit einer kleinen Truppenstärke könne man „Europa in die Knie zwingen“, so Alaudinov. Die Nato und die USA seien bereits „festgenagelt“.

Ukraine-Krieg: Kadyrowiten wollen „Werte des Islam“ verteidigen - Tschetschenen auf ukrainischer Seite widersprechen

Nach der Darstellung von Daudov geht es in der Ukraine außerdem um die „Verteidigung des Islam“. Kadyrow und die tschetschenischen Einheiten würden „in erster Linie den Islam, die islamischen Werte und die Größe des Allmächtigen“ verteidigen. Daudov sprach in Verbindung damit von einem „Jihad“, in dem Kadyrow eine große Rolle spiele. „Es geht um unsere geistlichen Werte und unsere Sprache“, so der Tschetschenenführer Daudov.

Muslimische Tschetschenen und Tataren, die an der Seite der Ukraine gegen die russische Invasion kämpfen, dürften diesen Aussagen aber klar widersprechen. Schon zu Beginn des Krieges griffen sie zu ihren Waffen, um gegen Putins Truppen zu kämpfen. 2015 gründeten sie hierfür die Batallione „Dhzokar Dudayev“ und „Scheich Mansour“.

„Liebe Ukrainer, bitte betrachtet diese Menschen nicht als echte Tschetschenen. Sie sind Verräter, Marionetten von Russland“, wurde Adam Osmayev, der Anführer des Dhzokar Dudayev-Batallions, von der Deutschen Welle zitiert. Echte Tschetschenen würden im Gegensatz zu den Kadyrowiten an der Seite der Ukraine stehen und „mit euch gemeinsam bluten“. Ähnlich äußerte sich Muslim Cheberloevsky, der Kommandeur der Scheich Mansur-Einheit, gegenüber der türkischen Zeitung Yeni Safak. Er schwor „Rache an Russland“ und sagte mit Blick auf Kadyrows Söldner: „Sie sind auch Russen und somit unsere Feinde. Kadyrow zeigt, dass er ein treuer Soldat Russlands ist.“ (bb)

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