Russlands Präsident Wladimir Putin mit der Fernsehmoderatorin Margarita Simonyan.
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Russlands Präsident Wladimir Putin mit der Fernsehmoderatorin Margarita Simonyan.

Ukraine-Krieg

Putins Propaganda-Chefin spricht plötzlich nicht mehr von „Spezialoperation“ – sie nennt andere Kriegs-Theorie

  • Stephanie Munk
    VonStephanie Munk
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In Russland ist es verboten, von einem Krieg in der Ukraine zu sprechen. Putins Lieblingsmoderatorin spricht jetzt nicht einmal mehr von „Spezialoperation“. 

Moskau - Es gilt als das Davos Russlands - das Wirtschaftsforum in St. Petersburg, das am Wochenende (18./19. Juni) stattfand. Moderiert wurde es von der Chefredakteurin des russischen Staatsfernsehens RT, Margarita Simonjan. Die 42-Jährige ist eine zentrale Figur der russischen Propaganda und steht wegen des Ukraine-Kriegs auf der Sanktionsliste der EU. Sie ist nicht nur Chefredakteurin des Propagandasenders RT (früher Russia Today), sondern auch der staatlichen Medienagentur Rossija Sewodnja.

Bei der Wirtschaftsveranstaltung interviewte sie Russlands Präsident Wladimir Putin persönlich auf der Bühne. Und sie traf sich auch vor und nach dem Forum persönlich mit dem russischen Machthaber, der am 24. Februar 2022 einen Angriffskrieg auf die Ukraine startete, der bis heute täglich Tod und Zerstörung verursacht. Sie selbst bestätigte das Gespräch.

Ukraine-News: Putins Chef-Propagandistin liefert neue Interpretation des Kriegs im russischen TV

Bemerkenswerterweise soll die Chef-Propagandistin direkt nach ihren Treffen mit Putin in einer Talkshow im russischen Fernsehen am Sonntagabend (19. Juni) eine neue Theorie zum Ukraine-Krieg verbreitet haben. Dass der Krieg in der Ukraine in Russland nicht Krieg genannt werden darf, sondern „militärische Spezialoperation“, ist bekannt.  Simonjan sprach nun aber laut der US-amerikanischen Nachrichtenseite The Daily Beast nicht mehr von einer Spezialoperation – sondern von einer gänzlich anderen Interpretation der Ereignisse in der Ukraine.

Russlands Präsident Wladimir Putin begrüßt die Fernsehmoderatorin Margarita Simonyan auf einem Wirtschaftsforum in St. Petersburg.

Ukraine-News: Putins Chef-Propagandistin mit wilder Behauptung - „Nicht einmal eine Spezialoperation“

„Es ist offensichtlich für jeden, dass es keinen Krieg zwischen Russland und der Ukraine gibt. Das ist nicht einmal eine Spezialoperation gegen die ukrainische Armee. Das ist ein Bürgerkrieg in der Ukraine“, soll die RT-Chefredakteurin behauptet haben. „Ein Teil der Ukrainer, die russenfeindlich und antirussisch sind - so wie die Faschisten antisemitisch waren - zerstört einen anderen Teil seines eigenen Volkes.“

„Russland unterstützt lediglich eine Seite dieser Kriegsparteien“, sagte die Journalistin offenbar. „Und warum gerade diese Seite? Das ist offensichtlich: Weil sie Russen sind. Das sind unsere Leute. Und da drüben sind sie Antirussen. Das ist alles.“ Wäre es den russischen Staatsmedien möglich, diese Sicht der Dinge ohne Beschränkungen im Westen zu verbreiten, würde die Unterstützung der Bürger in Europa und der USA für die Ukraine rapide sinken, fabulierte die Journalistin weiter.

Ukraine-News: Chef-Propagandistin behauptet, Putin habe Kiew absichtlich nicht erfolgreich angegriffen

Eine krude Erklärung lieferte Putins Propaganda-Frau außerdem dafür, dass Russland bei seinen Angriffen auf ukrainische Großstädte wie Kiew nicht erfolgreicher war. Hintergrund: Die russische Armee hatte zu Beginn des Ukraine-Kriegs zunächst erfolglos versucht, Kiew und andere Städte im Westen und Zentrum des Landes einzunehmen, sich dann aber in einem Strategiewechsel auf den Osten des Landes fokussiert, wo seit Wochen heftige Kämpfe mit täglichen Raketenangriffen toben.

Simonjan behauptete nun, Putin habe ukrainische Städte absichtlich nicht erfolgreicher angegriffen. „Das sind unsere zukünftigen Städte“, soll sie sich ereifert haben. „Das ist unser Land und unser Volk, wir werden es später wiederherstellen müssen“, sagte die Chefredakteurin offenbar und sprach damit der Ukraine gleichzeitig jegliches Existenzrecht ab.

Ukraine-News: Putins Gesundheitszustand wieder Thema

Die 42-Jährige soll sich in der TV-Sendung in einem langen Monolog auch über Putins Gesundheitszustand ausgelassen haben, über den es viele Spekulationen gibt - zuletzt behauptete sogar ein russischer Ex-Geheimagent, Putin habe nur noch wenige Monate zu leben. Die Chef-Propagandistin lobte offenbar überschwänglich Putins hervorragende Gesundheit, sein „unermüdliches Durchhaltevermögen“ und sein „unerschütterliches Vertrauen“.

Auch Kremlsprecher Dmitri Peskow äußerte sich in einem am Dienstag (21. Juni) im russischen Fernsehen zum Ukraine-Konflikt. Unter anderem erklärte er, Russland werde dem Westen „nie wieder“ vertrauen können. Im russischen Staatsfernsehen werden außerdem drastische Forderungen laut, wie mit dem Nachbar Litauen umzugehen ist. smu

Kommentare

BayernchaotAntwort
(1)(0)

..und ohne Grund.

Martin HerreinerAntwort
(0)(0)

Ironie
Ja wie ... aber National(sozial)isten sind doch nur die Ukrainer.... das hat der Putin gesagt... und dann muss es ja stimmen... und demnächst alles westlich vom Donbass bis zum Atlantik... da kann das doch gar nicht sein das die Gruppe Wagner auch so unterwegs ist

Ironie off

Thomas RiedelAntwort
(2)(0)

Seh ich genauso!