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Von „habe sie missbraucht“ bis „tötet sie alle“: Abgefangene Telefonate russischer Soldaten erschüttern

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Von: Christina Denk

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Der ukrainische Sicherheitsdienst SBU fängt seit Wochen russische Telefonate ab. Die Aufnahmen schockieren. Die Soldaten berichten von Vergewaltigungen und Plünderungen.

Kiew - Vorwürfe zu russischen Kriegsverbrechen: Immer häufiger gibt es sie im eskalierten Ukraine-Konflikt. Zuletzt lösten die mutmaßlichen Gräueltaten in Butscha einen internationalen Aufschrei aus. Private Telefonate russischer Soldaten scheinen weiter Licht in das Ausmaß der Verbrechen zu bringen. Russische Soldaten prahlen mit Gewalt – und werden von ihren Angehörigen sogar ermutigt.

Ukraine: Russischer Soldat prahlt in Telefonat mit Gräueltaten gegen Kriegsgefangene - „Finger abschneiden“

„Ich weiß jetzt, dass mein ‚Traktor‘ locker über ein Auto fahren kann“, so lautet eine der Nachrichten, die der SBU, der Sicherheitsdienst der Ukraine, in den letzten Wochen abgefangen hat. Der russische Soldat in der Tonaufnahme war den Angaben zufolge in der Nähe von Kiew stationiert. „Ich bin mit verdammten 40 km/h gefahren. Ich bin verdammt noch mal darüber geflogen. Ich dachte, ich würde nicht mehr auf den Reifen landen“, erzählt er seinem Gesprächspartner weiter, so die Übersetzung des Mitschnitts.

„Sie haben Gefangene hierher gebracht. Ich habe sie missbraucht: ‚Ich werde dir deine verdammten Finger abschneiden! Ich werde dein verdammtes Handgelenk abschneiden! Leg sie auf eine Schaufel, auf einen Ziegelstein!‘ ‚Aaaaah!‘, schreit er“

Ein russischer Mann in einem vom ukrainischen Sicherheitsdienst abgefangenen Telefonat

Eine weitere Audio-Nachricht, die der SBU veröffentlicht hat, soll den Angaben zufolge von einem Mann kommen, der gegenüber einem Freund mit seinen Gräueltaten an ukrainischen Kriegsgefangenen prahlt. „Sie haben Gefangene hierher gebracht. Ich habe sie missbraucht: ‚Ich werde dir deine verdammten Finger abschneiden! Ich werde dein verdammtes Handgelenk abschneiden! Leg sie auf eine Schaufel, auf einen Ziegelstein!‘ ‚Aaaaah!‘, schreit er“, so der Mann. Er gibt zu, dass sogar seine Kollegen von seiner Grausamkeit überrascht seien, schreibt der SBU.

Zwei Frauen am 14.4 in Mariupol an einer Bushaltestelle. In einer Ortschaft in der Nähe sollen russische Soldaten bewusst zum Töten ziviler Opfer aufgefordert worden sein.
Zwei Frauen am 14. April in Mariupol an einer Bushaltestelle. In einer Ortschaft in der Nähe sollen russische Soldaten bewusst zum Töten ziviler Opfer aufgefordert worden sein. © victor/XinHua/dpa

Ukraine-Krieg: Verwandte ermutigen russische Soldaten - sogar zur Vergewaltigung

Der Sicherheitsdienst schreibt auf seiner Website von zahlreichen Telefonaten, in denen russische Soldaten mit ihren Trophäen und Plünderungen angeben. „Deren Angehörige kritisieren sie nicht. Im Gegenteil, sie ermutigen zu Plünderungen und geben sogar Bestellungen auf“, so der SBU.

Besonders schockierend wirkt die Ermutigung in einem Telefonat zwischen einem Soldaten und seiner Frau. „Komm, vergewaltige ukrainische Frauen, aber erzähl mir nichts davon“, kichert sie am Telefon, so die Übersetzung. Auf die verwunderte Nachfrage des Mannes, erklärt die Frau: „Ja, ich erlaube es. Aber benutze Verhütung.“ Das Gespräch soll in der Region Cherson aufgezeichnet worden sein. Auch von der Vergewaltigung einer 16-Jährigen wird in einigen Medien berichtet. Dieses Telefonat hat der SBU nicht auf der Website veröffentlicht. „Immer häufiger hören wir von Vergewaltigung und sexueller Gewalt“, sagte auch Sima Bahous, Direktorin der Frauenrechtsorganisation UN Women bei einem Briefing des UN-Sicherheitsrats. Sie forderte unabhängige Untersuchungen.

Einige Nachrichtenseiten, darunter Radio Free Europe, ist es mittlerweile wohl gelungen, die Identität der beiden Telefonierenden herauszufinden. Auch der SBU kennt die Gesichter hinter den Telefonaten. „Wir kennen die Telefonnummern und das ermöglicht es uns, die gesamte Kette zu ermitteln und die vollständige Geschichte zu ermitteln“, so Artem Dechtiarenko (31), Sprecher des ukrainischen Inlandsgeheimdienstes SBU, zu BILD.

Insgesamt hat der SBU mittlerweile 2882 Strafverfahren in Zusammenhang mit dem Ukraine-Krieg Russlands eröffnet.

Ukraine-Krieg: Telefonate offenbaren aktive Aufforderung zur Tötung von Zivilisten

Neben Vergewaltigungen und Plünderungen ruft ein Telefonat zwischen einem Kommandeur und einem russischen Soldaten aktiv zu Gewalt auf. „Verdammt, tötet sie alle“, ruft dort ein Kommandeur. Die englische Übersetzung des Telefonats der SBU zeigt, dass der Soldat nachfragt: „Das ganze Dorf hier besteht aus Zivilisten.“ „Was ist los mit euch, Zivilisten, tötet sie alle“, lautet die Antwort. Besagtes Dorf soll sich in der Nähe von Mariupol befinden.

Immer wieder wurden Vorwürfe, Russland würde bewusst zivile Standpunkte in der Ukraine angreifen, von russischer Seite in der Vergangenheit dementiert. So beispielsweise beim Angriff auf das Theater in Mariupol. Auch in Kramatorsk wurden zahlreiche zivile Personen verletzt. Alle aktuellen militärischen Entwicklungen gibt es im News-Ticker. (chd/dpa)

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