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Generäle rausgeworfen, flüchtenden Major festgenommen: Selenskyj greift rigoros gegen „Verräter“ durch

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Von: Michelle Brey

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Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj während einer Ansprache.
Die vom Pressebüro des ukrainischen Präsidenten zur Verfügung gestellte Aufnahme zeigt Wolodymyr Selenskyj, Präsident der Ukraine, während einer Ansprache. (Archivfoto) © -/Ukrainian Presidential Press Office/Planet Pix via ZUMA Press Wire/dpa

Der Ukraine-Krieg tobt weiter. Indes hat Präsident Selenskyj zwei ukrainischen Generälen ihre Ränge aberkannt. Ein Generalmajor wurde festgenommen. 

Kiew/München - Auch an Tag 37 setzt sich der Ukraine-Krieg fort. In der Nacht zu Samstag (2. April) gingen die heftigen Kämpfe in vielen Teilen der Ukraine weiter. Hier finden Sie einen Überblick über die Ereignisse der Nacht. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj kündigte ein hartes Vorgehen gegen Kollaborateure an. Zudem wurden zwei ukrainischen Generälen ihre Ränge aberkannt, ein General wurde festgenommen.

Ukraine-Krieg: Selenskyj lässt nach Generäle-Rauswurf flüchtenden Major festnehmen

Im eskalierten Ukraine-Konflikt wurde ein Generalmajor der Reserve des ukrainischen Gemeindienstes SBU Behördenangaben zufolge am illegalen Verlassen des Landes gehindert. An einem Grenzübergang nach Ungarn habe der General am Freitag (1. April) gefälschte Papiere vorgelegt, nach denen er nicht wehrpflichtig sei. Das teilte das Staatliche Ermittlungsbüro der Ukraine in Kiew mit. Als militärischen Rang habe der Mann einen Mannschaftsdienstgrad angegeben, nämlich Gefreiter. Der Generalmajor sei festgenommen worden, hieß es.

In einer Videobotschaft in der Nacht zu Freitag sagte Präsident Wolodymyr Selenskyj bereits, dass er zwei Brigadegenerälen des SBU ihre militärischen Ränge aberkannt habe. Eine Äußerung dazu, was sich die ranghohen Geheimdienstler zu Schulde kommen haben lassen, gab er nicht. Bei den beiden Generälen handelte es sich um den früheren Chef der Hauptverwaltung für innere Sicherheit, Andrij Naumow, sowie Serhej Kryworutschko, dem Ex-SBU-Chef für das Gebiet Cherson im Süden der Ukraine. Naumow war bereits im vorigen Sommer als Geheimdienstchef abgesetzt worden und hat sich angeblich vor Kriegsbeginn ins Ausland abgesetzt. Er soll Medien zufolge in Schmuggel und Korruption beim Zoll verwickelt sein.

Ukraine-Krieg: Selenskyj nennt Generäle „Verräter“ - und droht Strafen an

„Ich habe keine Zeit, mich mit Verrätern zu befassen“, sagte Selenskyj in einer Videobotschaft vom Freitag. Nach und nach würden sie alle bestraft werden. Ausdrücklich lobte der ukrainische Präsident den Einsatz anderer Mitarbeiter des SBU in dem von Russland unter Kreml-Chef Wladimir Putin ausgelösten Krieg.

Der SBU ist Nachfolger des früheren sowjetischen Geheimdienstes KGB in der Ukraine. Bis 2014, als Russland sich die Halbinsel Krim einverleibte und den Krieg in der Ostukraine befeuerte, gab es enge Kontakte des SBU nach Moskau. Deshalb gab es immer wieder Zweifel an der Loyalität des Dienstes zur ukrainischen Regierung.

Mehr zu den Hintergründen des Ukraine-Konflikts lesen Sie hier.

Ukraine-Krieg: Bürgermeister ruft Truppen auf Waffen niederzulegen - Selenskyj warnt Kollaborateure

Selenskyj mahnte Ukrainer im russisch kontrollierten Süden des Landes indes zudem, keine Posten in dem Besatzungsregime anzunehmen. In seiner Videoansprache nannte er solche Leute Gauleiter wie bei den Nationalsozialisten. Er warnte Kollaborateure auf russisch besetztem Gebiet. „Meine Botschaft an sie ist einfach: Die Verantwortung für die Kollaboration ist unausweichlich.“ Nach ukrainischen Angaben versucht Russland, in den besetzten Gebieten moskautreue Verwaltungen aufzubauen.

Die prorussischen Separatisten im Gebiet Luhansk teilten unterdessen mit, dass der Bürgermeister der Stadt Rubischne zu ihnen übergelaufen sei. Bürgermeister Serhij Chortyw habe die ukrainischen Truppen aufgerufen, die Waffen niederzulegen. Rubischne ist im Verwaltungsgebiet Luhansk die achtgrößte Stadt. Sie hatte vor dem Krieg rund 60.000 Einwohner. Die Stadt war zunächst nicht in der Hand der Separatisten. Kiewer Politiker drohten Chortyw Vergeltung an.

Auf Russisch wandte sich Selenskyj auch an die Eltern der jungen Männer in Russland, die dort zum 1. April zum Wehrdienst eingezogen wurden. Das Risiko sei hoch, dass sie in den Ukraine-Krieg geschickt würden. „Das ist der garantierte Tod für viele ganz junge Kerle.“ (mbr mit dpa/afp)

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