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Wirres Interview: Selenskyj-Vorgänger will „Kanzlerin Merkel“ in Kiew treffen - „Sie kennt Putin sehr gut“

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Von: Patrick Mayer

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Vorgänger von Wolodymyr Selenskyj: Ex-Ukraine-Präsident Petro Poroschenko im TV-Interview mit dem „heute journal“.
Vorgänger von Wolodymyr Selenskyj: Ex-Ukraine-Präsident Petro Poroschenko im TV-Interview mit dem „heute journal“. © Screenshot ZDF

Der Vorgänger von Wolodymyr Selenskyj, Petro Poroschenko, gibt dem „heute journal“ des ZDF in martialischer Pose ein Interview. Er lädt Ex-Kanzlerin Angela Merkel in das umkämpfte Kiew ein.

München/Kiew - Er stand am Anfang des Ukraine-Konflikts der Regierung in Kiew* vor: Petro Poroschenko war von 2014 bis 2019 ukrainischer Präsident, und damit Vorgänger von Wolodymyr Selenskyj. Als Politiker erlebte er damals die Annexion der Krim sehr nahe. Acht Jahre später zeigte sich Ex-Präsident Poroschenko mit einer Kalaschnikow bei Beginn des russischen Überfalls auf die Ukraine. Er tat dies medienwirksam im Gespräch mit dem US-amerikanischen Sender CNN.

Russland-Ukraine-Krieg: Selenskyj-Vorgänger gibt „heute journal“ des ZDF martialisches Interview

Fast einen Monat später gab der 56-jährige Politiker dem „heute journal“ des ZDF jetzt ein nicht minder martialisches Interview. Am Mittwochabend (23. März) war Poroschenko zur besten Sendezeit aus der ukrainischen Hauptstadt zugeschaltet - in Schutzweste. Hinter ihm standen zwei Soldaten der Territorialverteidigung, vermummt und mit Maschinengewehren. Er wurde in seinen Antworten teils emotional.

„Ich habe Zweifel, ob Sie die Situation hier in Kiew wirklich verstehen. Wir hier in Kiew verlieren jeden Tag Dutzende Zivilisten. Hier ist das ukrainischen Bataillon der Territorialverteidigung. Und dieses Bataillon steht weniger als zehn Kilometer entfernt von den russischen Panzern“, sagte er im Gespräch mit dem ZDF-Journalisten Christian Sievers: „Wir sind jetzt alle Soldaten. Es gibt jetzt keine Präsidenten und keine Minister mehr, keine Fraktionsvorsitzenden wie mich. Wir sind jetzt alle Soldaten, alle Ukrainer. Und wir kämpfen nicht nur für ukrainischen Boden, wir kämpfen auch für Sie. Für die Freiheit, für die Demokratie, und um den verrückten Putin zu stoppen.“

Bitte seien Sie nicht ängstlich vor Putin.

Ex-Ukraine-Präsident Petro Poroschenko

Russland-Ukraine-Krieg: Selenskyj-Vorgänger Poroschenko warnt vor Angst vor Putin

Sievers sprach Poroschenko auf die Aussage von Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) an, dass die Nato nicht militärisch eingreifen werde. Er habe eine „kleine Enttäuschung für sie und für einige deutsche Politiker bereit“, meinte Poroschenko daraufhin: „Europa ist schon im Krieg. Die Russen haben mit Cruise Missiles (Langstrecken-Raketen, Anm. d. Red.) Nato-Übungsplätze angegriffen, die ich gegründet habe, nur 20 Kilometer von der Nato-Grenze entfernt.“

Energisch sagte er: „Bitte seien Sie nicht ängstlich vor Putin. Denn: Wenn Sie Angst vor ihm haben, wird Putin so weit gehen, wie wir es ihm erlauben. Und trauen Sie ihm nicht.“

Im Video: Kompakt - Die News zum Ukraine-Krieg und zum Überfall Russlands

Sievers konfrontiert ihn auch mit dem Vorwurf, er habe während seiner Regierungszeit mit prorussischen Separatisten Geschäfte gemacht. Und damit, dass ihm vor Ausbruch des Russland-Ukraine-Kriegs Hochverrat vorgeworfen wurde. Dies sei eine „politisch motivierte Strafverfolgung außerhalb des Rechtsstaates“ gewesen, erklärte der Ex-Präsident dazu: „Aber das hat aufgehört. Denn seit dem 24. Februar leben wir in einer ganz anderen Welt.“ Eine eigenwillige Sicht der Dinge?

Poroschenko ging im Interview noch weiter, lud ZDF-Mann Sievers, Kanzler Scholz und dessen Vorgängerin Angela Merkel (CDU) am Mikrofon allesamt ins Kriegsgebiet Kiew ein. Dabei hob er insbesondere die Rolle Merkels hervor und nannte sie immer noch „Kanzlerin“.

„heute journal“ des ZDF: Ex-Ukraine-Präsident lädt Merkel ins umkämpfte Kiew ein

„Ich habe meine Zweifel, ob Sie sich das alles vorstellen können, während Sie da drüben sind und nicht hier. Ich möchte Sie bei der Gelegenheit einladen: Kommen Sie hier her, seien Sie mein Gast! Das wäre ein sehr wichtiges Symbol. Und wenn Sie erstmal hier sind, werden Sie diese Fragen nicht mehr stellen wollen. Ich möchte Ihnen einen persönlichen Brief schreiben, um sie einzuladen, von hier aus zu berichten“, sagte er.

Ex-Präsident der Ukraine: Petro Poroschenko, hier im TV-Interview mit dem ZDF-Journalisten Christian Sievers.
Ex-Präsident der Ukraine: Petro Poroschenko, hier im TV-Interview mit dem ZDF-Journalisten Christian Sievers. © Screenshot ZDF

Weiter meinte Poroschenko: „Und ich möchte auch die Gelegenheit nutzen, um Bundeskanzler Scholz einzuladen. Und ich warte auch auf Kanzlerin Merkel, eine der brillantesten Diplomatinnen, die ich je getroffen habe. Sie hat Wichtiges geleistet. Sie kennt Putin sehr gut. Und sie kann Vorschläge machen, wie wir schneller in Richtung Frieden kommen.“ Nur: Besagte Merkel ist seit Anfang Dezember nicht mehr Bundeskanzlerin Deutschlands - und damit auch nicht mehr im diplomatischen Dienst. (pm)

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