1. Startseite
  2. Politik

Putins Ukraine-Propaganda zum gesunkenen Schiff Moskwa: Angehörige klagen an - „Sie belügen uns noch immer“

Erstellt:

Von: Kathrin Reikowski

Kommentare

Wladimir Putin
Putin im Kreml. (Archivfoto) © Alexey Nikolsky / AFP

Geld und Orden statt Antworten: Familien der Soldaten auf der gesunkenen Moskwa suchen verzweifelt ihre Söhne. Putins Regierung widerspricht sich.

Moskau - „Was ich weiß, ist, dass sie etwas verbergen wollen“, sagt die Mutter eines jungen Soldaten, der im eskalierten Ukraine-Konflikt auf der Moskwa seinen Wehrdienst leistete. Gegenüber dem Spiegel sagte sie: „Seit dem Untergang haben sie uns ständig etwas anderes erzählt.“ Sie liege nachts wach und frage sich, ob ihr Sohn noch am Leben sei. „Aber, wo ist er dann!?“

Am 15. April bestätigte Russland den Untergang des Raketenkreuzers „Moskwa“ im Ukraine-Krieg. Die Ukraine behauptete damals, das Flaggschiff der Schwarzmeerflotte versenkt zu haben. Moskau bestritt das. „Im Kampf um das Überleben des Schiffs ist ein Soldat ums Leben gekommen, weitere 27 Besatzungsmitglieder sind verschollen“, teilte das russische Verteidigungsministerium Ende April laut der Nachrichtenagentur Interfax mit.

„Die übrigen 396 Crewmitglieder haben andere Schiffe, die in dem Sektor des Schwarzen Meeres waren, vom Kreuzer evakuiert und nach Sewastopol gebracht“, hieß es weiter. Seither gab es keine öffentlichen Aussagen mehr, wie auch der Spiegel schreibt.

Ukraine-Krieg: Angehörige der Moskwa-Soldaten auf der Suche nach Söhnen

„Mal hat es geheißen, es gibt eine groß angelegte Rettungsaktion und man meldet sich bei mir“, erzählte die Mutter dem Spiegel. Dann habe sie nichts mehr gehört. „Nicht mal mehr in die Krankenhäuser haben sie uns gelassen, um unsere Kinder zu suchen.“ Ende April sprach auch der britische Guardian mit Angehörigen, die von der Suche nach ihren Kindern berichteten und die offiziellen Aussagen anzweifelten. Die Welt veröffentlichte einen Bericht zu verzweifelten Postings von Angehörigen in den sozialen Medien.

Etwa zehn Menschen hätten ihr einmal gegenüber gesessen, als sie und andere Angehörige nach Sewastopol zu einem Gespräch mit der Mittelmeerflotte eingeladen waren. „Sie wollten wohl Druck machen, haben nur einzeln mit jedem von uns Eltern gesprochen“, sagt sie.

Und nur wenige Stunden vor diesem Treffen sei ihr von Putins Verteidigungsministerium gesagt worden, ihr Sohn sei im Dienst, weil er nicht auf der Liste der Toten oder Vermissten stehe. Bei dem Treffe in Sewastopol habe ein ranghoher Soldat erklärt, ihr Sohn gelte weiterhin als vermisst. Man wolle ihn als Helden ehren. Die Information aus dem Ministerium sei eine „Falschnachricht“. Ihr Fazit: „Sie haben uns belogen. Kalt und zynisch, von Anfang an. Und belügen uns noch immer.“

Ukraine-Krieg/Moskwa: „Wie kann ein Stück Metall meinen Sohn ersetzen?“

Mit dem Spiegel hätten nur drei von zehn angefragten Familien geredet. Der Vater eines 20-jährigen Kochs auf der Moskwa habe von „nicht enden wollendem Schmerz“ gesprochen.

Inzwischen sei - laut der Mutter des vermissten Wehrdienstleistenden, die mit 15 Familien in Austausch steht - vielen Familien ein Angebot gemacht worden. Sie sollten ein Dokument unterschreiben, wonach die Söhne „infolge eines Unglücks“ vermisst würden und ihr Tod vor Gericht festgestellt werden solle.

Dafür sollten sie umgerechnet etwa 100.000 Euro erhalten und eine monatliche Unterstützung von mehreren Hundert Euro, ohne den Ukraine-Krieg zu erwähnen. „Ich kann doch nicht mein eigenes Kind verleugnen, wenn ich nicht weiß, was passiert ist, wo es ist“, sagt die vom Spiegel efragte Mutter. Vor allem, dass sie im Ungewissen gehalten werde, empöre sie. Auf Ehrungen und Orden wolle sie verzichten. „Wie kann ein Stück Metall meinen Sohn ersetzen?“ (kat)

Auch interessant

Kommentare