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Putin-Propagandist wettert gegen britische Verteidigungsministerin – „Platz in der Hölle“

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Wladimir Rudolfowitsch Solowjow, Fernsehmoderator bei Russia 1
Wladimir Rudolfowitsch Solowjow, Fernsehmoderator bei Russia 1. (Screenshot) © Russia 1

Der TV-Moderator Solowjow gilt als „Sprachrohr Putins“. Nun wetterte er gegen die britische Verteidigungsministerin und sprach von einem „Religionskrieg“.

Moskau - Großbritannien erließ am Donnerstag (16. Juni) Sanktionen gegen den russisch-orthodoxen Patriarchen Kyrill. Damit reagierte das Außenministerium auf Kyrills „Befürwortung“ des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine. Der Geistliche gilt als Unterstützer des russischen Präsidenten Wladimir Putin – ebenso wie der Fernsehmoderator Wladimir Solowjow. Dieser wetterte nun mit harten Worten im russischen Staatsfernsehen gegen die britische Außenministerin Liz Truss.

Ukraine-Krieg: Moderator im russischen TV wettert gegen britische Außenministerin Liz Truss

Aufgrund der nun ausgesprochenen Sanktionen kann der Geistliche Kyrill nicht mehr nach Großbritannien reisen und auch seine eventuellen Vermögen auf britischen Konten sind eingefroren. Eigentlich waren auch EU-weite Sanktionen gegen Kyrill geplant, doch Ungarn verhinderte das. „Wir wollen die Komplizen und Verantwortlichen von Putins Krieg treffen, die der Ukraine unsägliche Leiden zufügen“, erklärte die britische Außenministerin Liz Truss die Entscheidung Großbritanniens. „Wir werden nicht aufhören, Freiheit und Demokratie zu verteidigen und den Druck auf Putin aufrechtzuerhalten, bis die Ukraine sich durchsetzt.“ Wladimir Legoida, ein Sprecher der russisch-orthodoxen Kirche bezeichnete die Sanktionsmaßnahmen indes als „absurd“ und „unsinnig“. London strebe aus seiner Sicht die „Eskalation des Konflikts und die Entfremdung vom Frieden“ an.

Die britische Verteidigungsministerin Elizabeth „Liz“ Truss am 27. Mai bei einer Pressekonferenz in Prag.
Die britische Verteidigungsministerin Elizabeth „Liz“ Truss am 27. Mai bei einer Pressekonferenz in Prag. Die Sanktionen gegen den Geistlichen Kirill im Juni kamen in Russland nicht gut an. © IMAGO/Tomas Tkacik/ ZUMA Wire

Putin-Propagandist wettert gegen britische Verteidigungsministerin – „Platz in der Hölle“

Der russische Fernsehmoderator Wladimir Solowjow ging in einer TV-Sendung einen Schritt weiter. Der als „Sprachrohr Putins“ bekannte Moderator behauptete, Christen würden nun von dieser „ungebildeten, wertlosen Kreatur“ verfolgt – und bezog sich dabei auf die britische Außenministerin Liz Truss. Sie halte sich selbst für die Außenministerin eines Landes, das seinen Glauben verraten habe. „Jetzt versucht sie, die so von sich eingenommen ist, unseren heiligsten Patriarchen zu verfolgen?“, wetterte Solowjow weiter.

„Das heißt, Liz Truss erklärt Russland und dem gesamten orthodoxen Christentum einen Religionskrieg?“, fragte der Moderator und verwendete damit eine rhetorische Frage, um eine Behauptung in den Raum zu stellen. „Was für einen Größenwahn muss diese schlecht ausgebildete Frau haben, die immerhin einen Abschluss an einer angesehenen Institution gemacht hat? Von den Tataren bis zu den Mongolen gab es eine solche [...] Dreistigkeit nicht! Für wen hält sie sich eigentlich? Für Leute wie sie gibt es einen Platz in der Hölle!“, endete die Ansprache des Moderators in einem kurzen Ausschnitt auf Twitter.

Ukraine-Krieg: Russische Staatsmedien spielen im Krieg wichtige Rolle

In Kriegszeiten ist eine unabhängige Verifizierung von Informationen der Konfliktparteien oft schwierig und in manchen Fällen sogar unmöglich. „Das erste Opfer des Krieges ist die Wahrheit“, lautet nicht umsonst ein geflügeltes Wort. Die russischen Staatsmedien spielen im Ukraine-Krieg eine wichtige Rolle. In Russland wird der Angriffskrieg offiziell als „militärische Spezialoperation“ bezeichnet. Von der offiziellen Linie abweichende Darstellungen stehen als Verbreitung angeblicher Falschinformationen über russische Streitkräfte unter Strafe.

Der Moderator Solowjow fällt im russischen Fernsehen immer wieder mit hetzerischer Rhetorik auf. Er hatte angesichts des eskalierten Ukraine-Konflikts etwa vor einem Nuklear-Krieg gewarnt, „den nur Mutanten überleben.“ Im vergangenen Jahr bezeichnete er Adolf Hitler offenbar als „sehr mutigen Menschen“.

Doch hin und wieder gelingt es auch in der Russischen Föderation, andere Sichtweisen zu verbreiten. Die Journalistin Marina Owssjannikowa etwa demonstrierte im März im russischen TV gegen den Ukraine-Krieg – und riskierte damit harte Konsequenzen. Unbekannte Hacker schafften es vor wenigen Tagen, eine Botschaft gegen den Krieg in der Ukraine auf Webseiten des staatlichen russischen Fernsehens zu platzieren. Auf dem Streaming-Portal „Smotrim.ru“ etwa stand am Sonntagabend neben Fotos von Zerstörungen in der Ukraine „Putin vernichtet Russen und Ukrainer! Stoppt den Krieg!“, wie zahlreiche Nutzer im Internet berichteten. Das russische Staatsfernsehen räumte später eine Hacker-Attacke auf „Smotrim“ und die Website der Nachrichtensendung „Vesti“ ein. Dadurch seien weniger als eine Stunde lang „unerlaubt Inhalte mit extremistischen Aufrufen“ angezeigt worden. (AFP/dpa/bm)

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