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Russland steht vor dem Staatsbankrott - deshalb schwingt Putin die Atomkeule

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Von: Georg Anastasiadis

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Ein Kommentar von Merkur-Chefredakteur Georg Anastasiadis.
Ein Kommentar von Merkur-Chefredakteur Georg Anastasiadis. © fkn/Klaus Haag

Der russische Angriff auf das ukrainische AKW ist Putins dritte nukleare Drohung an den Westen. Der hat die Atombombe am Finanzmarkt gezündet. Ein Kommentar von Georg Anastasiadis.

Der Krieg in der Ukraine läuft für Putin schlecht – so schlecht, dass er dem Westen nun schon zum dritten Mal im Ukraine-Konflikt mit nuklearer Vergeltung droht. Bereits bei Kriegsausbruch warnte der Diktator Nato und EU vor „Konsequenzen nie dagewesenen Ausmaßes“, eine Chiffre für den Einsatz von Atomwaffen. Als das nichts nützte und der Westen harte Sanktionen beschloss, versetzte er – wie schon 2014 bei der Besetzung der Krim – seine Nuklearstreitkräfte in erhöhte Alarmbereitschaft.

Nun also der dritte Streich, der Angriff seiner Invasionstruppen auf den größten Atommeiler des Nachbarlandes. Eine Beschädigung der Reaktorblöcke hätte schlimme Folgen nicht nur für die Ukraine, sondern für ganz Europa, besonders für Russland selbst. Doch dieses Risiko nimmt der Diktator in Kauf.

Ukraine-Krieg: Putin ist ein mörderischer Narzisst - unsere Angst ist seine Waffe

Zumindest will er genau diesen Eindruck erwecken. Doch ist Putin kein Verrückter, sondern „nur“ ein mörderischer Narzisst, der selbst mit dem Rücken zur Wand steht. Mit den überraschend drastischen Finanzsanktionen, vor allem dem Einfrieren der russischen Euro- und Dollar-Guthaben bei den Notenbanken, hat auch der Westen eine Art nukleare Option gewählt. Die Maßnahmen dürften Russland schon in wenigen Wochen in den Staatsbankrott stürzen.

Hinzu kommt, dass der Kremlherrscher nicht nur in der Ukraine militärisch überraschend schwer vorankommt, sondern auch an der Heimatfront unter Druck gerät. Der trotz brutaler staatlicher Unterdrückung veröffentlichte Brandbrief der 7000 Wissenschaftler zeigt, wie sehr es auch in Russland rumort. Große Teile des Moskauer Regimes stehen unter Schock. Putins Gegenstrategie ist klar: maximale Eskalation und ein erbarmungsloser Städtekrieg in der Ukraine. Und er will die Menschen im Westen an ihrem verwundbarsten Punkt treffen, ihrer Atom-Angst, sie in Panik versetzen und so davon abbringen, den todesmutig kämpfenden Ukrainern beizustehen, und sei es nur mit Waffenlieferungen. Unsere Angst ist Putins Waffe.

Ukraine-Krieg: Niemand sollte einen Nato-Bündnisfall herbeireden - aber es steht ein Charaktertest bevor

Bundeskanzler Olaf Scholz hat das Richtige gesagt: Der Westen muss jetzt kühlen Kopf bewahren, er darf sich auf Putins Spiel der Eskalation nicht einlassen. Es gibt keinen Nato-Bündnisfall, und niemand, auch nicht der deutsche Oppositionsführer, sollte ihn herbeireden. Sehr wohl aber muss die Nato dem Kreml die Risiken seines Handelns verdeutlichen. Wir müssen dem Kriegsverbrecher weiter mit ganzer Kraft entgegentreten. Sonst wird nichts und niemand das Baltikum, Georgien und Moldawien davor bewahren, die nächsten Opfer des ruchlosen Diktators zu werden.

Das kann für die Verbraucher im Westen noch teurer werden – etwa, wenn als Reaktion auf Putins Grausamkeiten nur noch der komplette Abbruch sämtlicher Energieimporte aus Russland bleibt. Dann wird sich zeigen, wie weit die Solidarität mit dem Heldenvolk der Ukrainer reicht und wie lange sie hält. Es ist ein Charaktertest, und wir müssen ihn bestehen. Beweisen wir dem Zyniker im Kreml, dass er sich in uns getäuscht hat, so wie er sich in den Ukrainern und ihrem inspirierenden Mut zum Kampf für die Freiheit getäuscht hat.

Georg Anastasiadis

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