1. Startseite
  2. Politik

Putin schickt „Schlächter von Syrien“: Bundeswehr-Papier zeigt seine Mission

Erstellt:

Von: Marcus Giebel

Kommentare

Alexander Dwornikow salutiert an einem Mikrofon
Historischer Tag: Bei den Militärparaden zum „Tages des Sieges“ am 9. Mai ist auch Alexander Dwornikow nicht weit. © IMAGO / ITAR-TASS

Der „Schlächter von Syrien“ soll Wladimir Putin militärische Erfolge in der Ukraine einbringen. Die Bundeswehr hat sich den neuen Oberbefehlshaber genauer angeschaut.

München - Die stahlblauen Augen wirken stets ausdruckslos. Auch ansonsten verzieht Alexander Dwornikow keine Miene auf den wenigen Fotos, die von dem hochdekorierten Militär kursieren. Emotionen sind seine Sache ganz offensichtlich nicht. Was ihn zu einem General ganz nach dem Geschmack von Wladimir Putin machen dürfte.

Der Kreml-Chef benötigt im Ukraine-Krieg schließlich mehr denn je Untergebene, die seine Befehle befolgen, ohne auch nur den leisesten Zweifel durchscheinen zu lassen. Gerade jetzt, nachdem die geplante Einnahme von Kiew aufgegeben werden musste und sich der Machthaber ganz auf den Osten der Ukraine konzentriert.

Ukraine-Krieg und „Schlächter von Syrien“: Dwornikow soll Einsatz von Giftgas befohlen haben

Nun soll also Dwornikow die sogenannte „Spezialoperation“ auf dem Feld zum Erfolg führen. Der Öffentlichkeit wurde er als „Schlächter von Syrien“ bekannt - ein Spitzname, der vor Ehrfurcht und Grausamkeit nur so trieft. Zurückzuführen ist er auf Meldungen, Dwornikow habe in jenem Kampfeinsatz Giftgas einsetzen lassen und sei besonders brutal gegen Zivilisten vorgegangen. Putin feierte ihn später als Helden.

Die Welt kann also erahnen, was der Ukraine blüht - gerade, da der russische Zorn infolge des Untergangs des Flaggschiffs „Moskva“ ein neues Level erreicht zu haben scheint. Trotz allem kann es nicht schaden, schon vorab mehr über den neuen Oberbefehlshaber der russischen Truppen in der Ukraine in Erfahrung zu bringen.

Wladimir Putin (l.) und Alexander Dwornikow (r.) stehen auf einem Schiff
Termin mit Wladimir Putin (l.): Bei einem Seemanöver schaut auch Alexander Dwornikow (r.) in den Himmel. © IMAGO / ITAR-TASS

„Schlächter von Syrien“ jetzt um Ukraine-Krieg: 1968 der Roten Armee beigetreten

Die Bundeswehr hat sich bereits ein genaueres Bild von Dwornikow gemacht. Dieses zeichnet das Portal Business Insider nach, dem das interne Briefing zur Lage im Kriegsland nach eigenen Angaben vorliegt.

Demnach kam Dwornikow im Jahr 1962 unweit der chinesischen Grenze in Ussurijsk ganz im Südosten der Sowjetunion zur Welt. Der Roten Armee trat er 1978 bei, bereits vier Jahre später stieg er zum Kompaniechef und Bataillonskommandant auf. In den 1990er Jahren, also nach dem Zerfall der Sowjetunion, wurde Dwornikow Stabschef eines Regiments im Militärbezirk Moskau.

Werdegang des „Schlächters von Syrien“: Dwornikow auch im Zweiten Tschetschenien-Krieg eingesetzt

Von 2000 bis 2003 wurde er im Militärbezirk Nordkaukasus eingesetzt und spielte entsprechend eine Rolle im Zweiten Tschetschenien-Krieg, dem insgesamt bis zu 80.000 Menschen zum Opfer gefallen sein sollen. Nach der Teilnahme am Generals-Lehrgang der Militärakademie von 2005 bis 2007 übernahm Dwornikow den Posten als Stabschef der 36. Armee.

Es folgte seine aus Kreml-Sicht bislang wohl größte Tat als Kommandeur der russischen Streitkräfte in Syrien in den Jahren 2015 und 2016. Seither agiert Dwornikow als Kommandant des an die Ukraine grenzenden Militärbezirks Süd. Sein Dienstgrad lautet Armeegeneral - es ist der höchste Offiziersrang unter Generälen.

Video: Der Donbass als Krisenregion in der Ukraine

Putin vertraut Schlächter von Syrien“ im Ukraine-Krieg: Operationsführung „mangelhaft abgestimmt“

Aus den Bundeswehr-Dokumenten geht auch hervor, warum sich Putin an der Spitze seiner Streitmacht zu einem Wechsel gezwungen sah. Die bisherige Operationsführung sei „mangelhaft abgestimmt“ gewesen, von einem gemeinsamen Kommando für die drei Angriffsachsen könne nicht gesprochen werden. Als „aufgesplittert“ werde die Unterstützung durch die Luftwaffe, die elektronische Kampfführung oder die Flugabwehr beschrieben.

„Kritik an der Operationsführung und Fähigkeit des Generalstabs“ sei laut geworden. In der Folge sei es zu Entlassungen von Kommandeuren gekommen, manche seien unter Hausarrest gestellt worden.

Weiter heißt es, Dwornikow müsse eine neuerliche Ausbildung der Soldaten anschieben, neues Material - womit wohl ausnahmsweise nicht Menschen gemeint sind - werde gebraucht und das Vorgehen auf der Ebene der militärischen Großverbände sei zu verbessern. Besonders herausgehoben wird: „Moral und Kampfwillen der Soldaten“ müssten aufgebaut werden.

Bundeswehr über „Schlächter von Syrien“: „Kampferprobt und „entschlossen“

Die Bundeswehr schätzt, dass unter Dwornikow eine bessere Koordination der unterschiedlichen Waffengattungen einsetzen wird. Er sei an der Spitze einer militärischen Führung, die „kampferprobt und entschlossen“ sei. Der neue Oberbefehlshaber kenne das Gelände. Befürchtet wird dem Dossier zufolge: „Zivile Opfer werden billigend in Kauf genommen.“

Mutmaßlich sei die Einnahme des Donbass das „politische Mindestziel“. Da die Bundeswehr davon ausgeht, dass Putin zum „Tag des Sieges“ über Nazi-Deutschland am 9. Mai Erfolge sehen will, stünden in den kommenden Wochen wahrscheinlich schwere Kämpfe bevor. Was nicht zuletzt in den Händen von Dwornikow liegt. Der wird seinen Bewunderer auf keinen Fall enttäuschen wollen. (mg)

Auch interessant

Kommentare