1. Startseite
  2. Politik

Razoni-Irrfahrt: Getreide-Frachter aus Ukraine ändert Kurs – „etwas seltsam“

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Franziska Schwarz

Kommentare

Im Zuge des Deals im Ukraine-Krieg: Der Getreiderfrachter „Razoni“ mit 26.000 Tonnen Mais sollte längst am Ziel sein - doch wollen die Empfänger lieber Weizen? News-Ticker.

Beirut/Istanbul - Die „Razoni“ hatte den Odessa-Hafen vor einer Woche verlassen - als erstes Frachter nach Ende der Getreide-Blockade Russlands unter Kremlchef Wladimir Putin. Etwa einen Tag vor Ankunft im libanesischen Hafen Tripoli änderte das Schiff dann allerdings seinen Kurs.

„Razoni“ ankerte unerwartet vor dem türkischen Hafen. Das zeigten die Schiffsortungsdienste vesselfinder.com und marinetraffic.com am 9. August. Eigentlich sollten die 26.000 Tonnen ukrainischer Mais in den libanesischen Hafen Tripoli und von dort nach dpa-Informationen weiter ins benachbarte Syrien transportiert werden.

Nach einer Inspektion in Istanbul steuerte Rizoni zuerst den Libanon an, erklärte als neues Ziel dann aber unerwartet „Order“, also einen unbestimmten Ort, von dem aus ein Händler die geladene Ware dann bestellt.

„Razoni“ und der Ukraine-Krieg: Frachter ändert nach Getreide-Abkommen den Kurs

Seit dem 6. August lag die Razoni nahe der türkischen Küste bei Iskenderun vor Anker - und machte sich laut Marinetraffic dann in der Nacht zum 9. August auf in Richtung des Hafens von Mersin. Der Hafenbetreiber war vorerst nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

Die ukrainische Botschaft im Libanon teilte am Vorabend unter Berufung auf die Spediteure mit, der Käufer sei abgesprungen - unter Verweis auf eine fünf Monate lange Wartezeit. Man sei auf der Suche nach einem neuen Empfänger im Libanon oder anderswo. Dass die Razoni ihren Zielort kurz vor Ankunft geändert habe, sei aber „etwas seltsam“, sagte ein Sprecher von Marinetraffic.

Ukraine-Krieg und Getreide-Abkommen: der Frachter Razoni am 3. August in der Bosporus-Meerenge auf dem Weg in den Libanon.
Aufnahme vom 3. August: der Getreidefrachter „Razoni“ in der Bosporus-Meerenge auf dem Weg in den Libanon © Ozan Kose/AFP

Mais von „Razoni“-Frachter: Getreide sollte aus Ukraine offenbar nach Syrien

Libanesische Regierungsvertreter hatten der dpa zuvor gesagt, Händler hätten wohl einen Teil der erwarteten Mais-Ladung vom Libanon ins benachbarte Syrien bringen wollen. Der Export von Lebensmitteln nach Syrien ist legal, wird aber erschwert durch Finanzsanktionen des Westens gegen die syrische Regierung. Die Hisbollah etwa schmuggelt in großem Stil unter anderem Lebensmittel und Medizin nach Syrien und kontrolliert auch die meisten illegalen Grenzübergänge.

Beobachter im Libanon machte die große Ladung Mais ebenfalls stutzig, die angeblich gemahlen und an Tiere verfüttert werden sollte. Der Libanon brauche in seiner schweren Wirtschafts- und Lebensmittelkrise Weizen, keinen Mais, sagte Hani Buschali, Präsident des libanesischen Konsortiums für Lebensmittelimporte. Möglich schien auch, dass der angedachte Transport nach Syrien platzte - wegen der großen medialen Aufmerksamkeit für die „Razoni“.

Wegens Ukraine-Kriegs waren in den vergangenen Monaten alle Getreideexporte der Ukraine aus ihren Schwarzmeer-Häfen blockiert, was zu einer Lebensmittelkrise weltweit beigetragen hatte. (dpa/AFP/frs)

Auch interessant

Kommentare