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Ukraine-Krieg: Rechtsextreme Mariupol-Verteidiger? Kiew weicht Fragen zu berüchtigtem Bataillon aus

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Von: Patrick Mayer

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Im Fokus: das ukrainische Asow-Bataillon im Krieg gegen Russland.
Im Fokus: das ukrainische Asow-Bataillon im Krieg gegen Russland. © IMAGO / ZUMA Wire

Die schwer umkämpfte Hafenstadt Mariupol wird im Russland-Ukraine-Krieg vom berüchtigten „Asow“-Bataillon verteidigt. Unter den Soldaten sollen etliche Rechtsextremisten sein.

München/Mariupol - Es sind Videos wie dieses, die dem „Asow“-Bataillon im Russland-Ukraine-Krieg einen berüchtigten Ruf eingebracht haben. Es wurde von eben jenem Kampf-Regiment bei Social Media geteilt und unter anderem von der britischen Boulevard-Zeitung The Sun online veröffentlicht.

Russland-Ukraine-Krieg: Asow-Regiment verteidigt Mariupol

Darauf zu sehen ist, wie eine Asow-Einheit mit einer 30-mm-Maschinenkanone ihres BTR-4-Schützenpanzers einen russischen BMP-Infanterie-Panzer zerstört. Seit dem russischen Überfall auf die Ukraine verteidigt das kampferprobte Regiment, das der Nationalgarde untersteht, die umzingelte Hafenstadt Mariupol und fügt den Invasionstruppen Russlands eigenen Angaben zufolge erhebliche Verluste zu. Unabhängig prüfen lassen sich diese Angaben nicht. Die Kämpfer des nationalistischen Asow-Regiments hätten dem russischen Feind zahlreiche Verluste zugefügt, teilte auch der Stadtrat von Mariupol kürzlich mit. 

Fakt ist: Mariupol ist seit Langem umzingelt, doch den russischen Truppen gelingt es nicht, die schwer zerbombte Großstadt mit ihren mehr als 400.000 Einwohnern einzunehmen. Am vergangenen Mittwoch (23. März) hatte Ukraines Präsident Wolodymyr Selenskj geschildert, dass noch etwa 100.000 Zivilisten in Mariupol seien - unter katastrophalen Bedingungen. Zum Asow-Bataillon, den Verteidigern der Stadt, schweigt der Regierungschef aus Kiew bislang beharrlich.

Russland-Ukraine-Krieg: Mariupol ist von Invasionstruppen eingekreist

Und das, obwohl die Kampfeinheit international als mindestens rechtsnational, wenn nicht rechtsradikal eingestuft wird. Die Zeit bewertet die Asow-Kämpfer als rechtsextrem, auch der Spiegel und das Nachrichtenportal t-online berichten von rechtsextremen Tendenzen in dem Regiment, das nach dem gleichnamigen Meer vor Mariupol benannt ist. Schon seit 2014 kämpft das Asow-Bataillon im Donbass gegen die prorussischen Separatisten, wird von der gegnerischen Seite immer wieder angeblicher Verbrechen gegen Zivilisten beschuldigt. Im Russland-Ukraine-Konflikt kommt Asow von ukrainischer Seite indes eine wichtige Funktion zu. Denn: Die Soldaten sollen verhindern, dass Moskau über die Krim einen Landkorridor errichten kann.

„Wir halten die Verteidigung. Schwere Kämpfe finden statt. Russische Angreifer versuchen, die Verteidigung zu durchbrechen und in die Stadt einzudringen, sie wollen einen Landkorridor von Russland zur Krim“, wurde kürzlich Asow-Kommandant „Kalin“ von der Bild zitiert: „Es ist wichtig, dass jeder versteht, sowohl in der Ukraine als auch in der ganzen Welt – Mariupol darf nicht verloren werden! Dies ist die letzte Hochburg der Ukraine in der Asowschen Region. Verlieren wir Mariupol, verliert die ganze Ukraine.“

Im Video: Kompakt - Die News zum Russland-Ukraine-Krieg

Auf Twitter und bei Social Media ist die Aufregung dagegen groß. Immer wieder werden Postings mit Fotos gezeigt, die Asow-Kämpfer mit Neonazi-Symbolen - und Tattoos oder -Fahnen zeigen sollen. Auf manchen Fotos tragen die gezeigten Soldaten zumindest die gelben Bändchen des ukrainischen Militärs, und tatsächlich ist zum Beispiel ein Hakenkreuz-Tattoo auf einem Oberarm zu sehen. „Leute“, schrieb der ukrainische Botschafter in Deutschland, Andrij Melnyk, auf Twitter, „lassen Sie doch endlich das Asow-Regiment in Ruhe. Bitte.“ Es ist symptomatisch. Kiew und seiner Vertreter verlieren kein schlechtes Wort über die Verteidiger von Mariupol.

Asow-Regiment: Ukrainischer Kampfverband gilt in Teilen als rechtsextrem

Immer wieder wird zeitgleich bei Twitter ein Foto geteilt, auf dem von Kämpfern die Fahne des Asow-Regiments neben einer Hakenkreuz-Flagge hochgehalten wird. Brisant: Melnyk war im Februar 2015 in der Sendung „Günther Jauch“ der ARD zu Gast. Jauch sprach den Botschafter damals auf das besagte Foto an. „Was den Rechtsradikalismus betrifft, gibt es in unserem Parlament seit den letzten Wahlen keine einzige Partei, die rechtspopulistisch ist. Und das ist schon eine wichtige Tatsache. Und zu dem Freiwilligen-Bataillon, das Sie angesprochen haben, kann ich nur eines sagen: Als wir von den Russen im vorigen Jahr angegriffen wurden, gab es kaum eine Armee. Und deswegen gab es viele Freiwillige, die sich bereit erklärt haben, für ihr eigenes Land zu kämpfen. Diese Verbände kämpfen zusammen mit der Armee, mit der Nationalgarde, mit anderen Verbänden“, erklärte der Botschafter: „Sie werden auch koordiniert und von Kiew kontrolliert. Und deswegen besteht keinerlei Gefahr, dass sie etwas alleine tun, ohne dass sie es mit der Armeeführung koordiniert hätten.“

Melnyk wich aus. „Ich habe das Foto gesehen, man kann es nicht soweit nachvollziehen und prüfen, ob es auch dem entspricht, ob das wirklich mit diesen Fahnen ...“. Dann brach Melnyk kurz ab: „Aber ich möchte nochmal klarstellen: Die Verbände, die es gibt, werden vom Kiewer Generalstab koordiniert. Sie sind ein Bestandteil unserer Verteidigungskräfte. Ohne sie wäre die russischen Armee schon ganz weit vorgerückt. Ohne diese Einheiten wäre die Verteidigung viel schwieriger gewesen.“

Laut t-online fungierte ein Teil des Asow-Regiments als Straßenmiliz im Südosten der Ukraine. Demnach soll es auch zu Gewalt gegen Minderheiten gekommen sein. Und es soll einen politischen Arm des Verbandes geben, eine Partei mit den Namen „Nationalkorps“, die als rechtsextrem gilt.

Asow-Regiment der Ukraine: Offenbar Kontakte zu Rechtsextremen

„Aus den Erfahrungen der Vergangenheit wissen wir, dass das Asow-Regiment seit vielen Jahren nicht nur im Osten der Ukraine in Kampfhandlungen involviert ist. Sondern es hat neben den militärischen Arm auch einen politischen Arm, der über die Ukraine hinaus aktiv ist“, erklärte Stephan Kramer, Chef des Thüringer Verfassungsschutzes, jüngst in der ARD: „Wir wissen, dass verschiedene Vertreterinnen und Vertreter in den letzten Jahren auf Mixed Martial Arts und Rechtsrockkonzerten aufgetaucht sind, quasi versucht haben, ein europäisches Netzwerk aufzubauen mit eben auch rechtsextremistischen Gruppierungen, die bei uns bekannt sind.“ Kiew und Asow - das Schweigen wirft Fragen auf. (pm)

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