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Russlands militärische Achillesferse: Experte zeigt Fehler - und warum es nun besser läuft

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Ein zerstörter russischer Panzer steht auf einem Feld in der Nähe des Ortes Dmytriwka. Manche Panzer blieben auch schlicht aufgrund von Treibstoffmangel liegen (Archivbild, 13. April). © picture alliance/dpa/Ukrinform |

Zu Beginn des Ukraine-Krieges hatte Russland Logistikprobleme. Aus Sicht eines Militärexperten hat Putin die Versorgung seiner Truppen beim Kampf um den Donbass nun offenbar im Griff.

Donbass - Der Ukraine-Krieg läuft seit über 100 Tagen. Die Achillesferse des russischen Heeres war zu Beginn des Angriffskrieges laut Militärexperten die Logistik. Doch bei den Kämpfen im Donbass hat Russland das Problem nun offenbar im Griff.

Ukraine-Krieg: Logistik entscheidender Faktor in der Kriegsführung

„Amateure sprechen über Strategie, Profis über Logistik“, sagte einst der US-General Omar Bradley. Die Logistik stellt in der Kriegsführung einen entscheidenden Faktor dar - und Russland hatte hiermit zu Beginn des Krieges offenbar Probleme. Ein US-amerikanischer Militärexperte bezog sich bereits im April auf die mangelhafte russische Logistik. Trent Telenko, ein ehemaliger Qualitätsprüfer bei der US-amerikanischen Agentur für Verteidigungsverträge, sagte nach einer Fotoanalyse gegenüber CNN, Russland habe seine LKWs vernachlässigt. Telenko hält den LKW in der Kriegsführung für extrem wichtig, um Nachschub an die Front zu bringen - egal, ob Essen oder Munition und Raketen.

Auch Ben Barry vom Think-Tank International Institute for Strategic Studies in London ist der Meinung, dass Russland die Bedeutung der Logistik zu Beginn des Krieges unterschätzte. „Es liegt auf der Hand, dass Russland zu Beginn des Angriffs die Logistik nicht im Griff hatte – und die ukrainischen Truppen diese Schwachstelle gezielt ausnutzten“, so Barry im Gespräch mit Business Insider. Putin habe die Zahl der Kampftruppen deutlich zu hoch angesetzt, so der Experte weiter und bezieht sich dabei auf den sogenannten „tooth to tail-Ratio“, der das Verhältnis von Kampftruppen (tooth, zu Deutsch: Zahn) zu unterstützenden Truppen (tail, zu Deutsch: Schwanz) angibt. Der Unterstützungsbereich gewinnt in der modernen Kriegsführung tendenziell noch an Bedeutung, da die Waffen immer komplexer und wartungsintensiver werden, wie Business Insider berichtet.

Ukraine-Krieg: Warum Russland sein Logistik-Problem im Donbass offenbar im Griff hat

Zu Beginn des Krieges kam Wladimir Putin langsamer voran, als ursprünglich geplant. Das Logistikproblem war offenbar einer der Gründe dafür, teilweise blieben russische Panzer Berichten zufolge sogar ohne Treibstoff liegen. Im Gegensatz zu Telenko, der das Problem bei den russischen LKWs sah, hält der Sicherheitsexperte Torben Schütz von der Bundeswehr-Universität das Eisenbahnnetz für einen entscheidenden Faktor. Russland brachte demnach Essen, Munition und anderen Nachschub vor allem über die Eisenbahnschienen ins Kriegsgebiet. Als die Truppen jedoch weiter vorrückten und die Distanzen zu den Bahnhöfen größer wurden, ging ihnen stellenweise der Nachschub aus. Die Ukraine kappte schnell wichtige Bahnstrecken von Russland, um Versorgungswege abzuschneiden. Russland wich offenbar auf das Schienennetz seines Verbündeten Belarus aus.

Im März verlegte Putin dann das Hauptziel seines Angriffskrieges auf die „Befreiung“ des Donbass. In der Region des Donbass sei das Eisenbahnnetz dichter, wie Torben Schütz gegenüber Business Insider zu Bedenken gab. „Zudem kämpfen die russischen Truppen in einem Gebiet, das deutlich kleiner ist als zu Beginn des Krieges, das macht es einfacher, den Nachschub zu organisieren“, so der Experte weiter. Gerade die Artillerie, mit der Russland im Donbass vornehmlich kämpfe, brauche häufig Nachschub in Form von Munition. Bei den aktuellen Kämpfen im Donbass sei die Lage für Russland daher vorteilhafter, so Schütz. Tatsächlich verzeichnete Russland im Donbass zuletzt Gebietsgewinne. Sjewjerodonezk und die Nachbarstadt Lyssytschansk waren lange die letzten Orte in der Region Luhansk im Donbass, die gegen Russland Widerstand leisteten. Am Freitag (24. Juni) wurde bekannt, dass die Ukraine ihren wochenlangen Kampf um die strategisch wichtige Stadt Sjewjerodonezk aufgibt.

Ein anderes Problem Russlands scheint indes noch nicht gelöst: Die Korruption in der russischen Armee. „Korruption auf operativer Ebene behindert die russische Logistik, was dazu führt, dass die Soldaten schlecht versorgt und ausgerüstet sind“, sagte etwa Polina Beljafowa von der Tufts Universität für internationale Beziehungen. Doch nicht nur Russland hat Schwachstellen. Als Achillesferse der Nato etwa gilt die Suwalki-Lücke nahe der russischen Exklave Kaliningrad.

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