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US-Insider halten großen Atomschlag für ausgeschlossen – warnen aber vor Putins „taktischen“ Sprengköpfen

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Von: Linus Prien

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Der russische Präsident Wladimir Putin bei einer Ansprache.
Der russische Präsident Wladimir Putin © Russian Presidential Press Service/AP/dpa

Wladimir Putin und Dmitri Medwedew haben erneut mit einem Atomschlag gedroht. Die USA verschärfen nun ihre Überwachungsmissionen.

Washington, DC - Monate sind vergangen, seit Russland den Ukraine-Krieg vom Zaun gebrochen hat. Doch die Eskalationsspirale scheint noch nicht beendet: Russland verschärfte zuletzt seine Andeutungen, nicht vor dem Einsatz von Atomwaffen zurückzuschrecken. Wenn auch in vagen Formulierungen, kündigte der russische Präsident Wladimir Putin unlängst an, auf „alle Mittel“ zurückzugreifen, um das „russische Territorium“ zu verteidigen. Ebenso beharrte Russlands ehemaliger Präsident Dmitri Medwedew auf das „Recht“ seines Landes, Atomwaffen einzusetzen.

Deshalb halten die amerikanischen Geheimdienste offenbar bereits verstärkt nach Indikatoren für einen möglichen Atomwaffeneinsatz Ausschau, wie Politico berichtet. Experten zufolge könnten amerikanische Geheimdienstinformationen im Falle des Falles aber zu spät kommen. Mehr noch: US-Informanten des Portals halten zwar den Einsatz einer „großen“ strategischen Atombombe für nahezu ausgeschlossen. Nicht aber den Abschuss kleinerer, „taktischer“ Sprengköpfe.

Ukraine-Krieg: Russland könnte auf „taktische Atomwaffen“ setzten

Ein Großteil der russischen Luftflotte und Raketensysteme sind dem Bericht zufolge in der Lage, kleinere „taktische“ Atomwaffen zu tragen. Diese Waffen haben erheblich geringere Sprengkraft. Allerdings lässt sich ein geplanter Abschuss wesentlich schwerer voraussagen als im Falle der strategischen Waffen: Konventionelle Sprengköpfe könnten einfach gegen nukleare Munition getauscht werden.

Nahezu jedes russische Waffensystem lasse sich auch mit Atomsprengköpfen ausstatten, heißt es in dem Artikel. Die Abschussvorrichtungen „strategischer“ Waffen ließen sich deutlich leichter durch Geheimdienste erkennen, selbst wenn sie nur für Übungen bewegt werden, schreibt Politico unter Berufung auf US-Quellen.

Die Folge: Die russische Armee könnte taktische Atomwaffen einsetzen, ohne dass die USA oder Europa im Vorfeld darauf aufmerksam werden. Auch weil Putin augenscheinlich durch seine Teilmobilisierung an Beliebtheit in Russland verliert, könnte er sich in eine Ecke gedrängt fühlen: „Wir sehen es uns zunehmend genauer an“, sagte ein amerikanischer Regierungsvertreter.

Ukraine-Krieg: Sorge vor Putins Atomarsenal – „Es bleibt eine große Bombe“

Ein weiterer nicht namentlich genannter US-Offizieller sagte dem Portal: „Eine strategische Atomwaffe werden sie nie verwenden. Was sie benutzen werden, sind Kurzstrecken-Waffen. Sie haben Sprengköpfe, die wir Mikro-Nukes nennen, die über mehrere zehn bis hunderte Tonnen Sprengkraft verfügen.“ Die Atomwaffen, die die USA in Hiroshima und Nagasaki verwendet haben, hätten eine Sprengkraft von 15 bis 20 Kilotonnen gehabt.

Die Mikro-Nuke bleibe „jedoch eine große Bombe“, sagte ein amerikanischer Funktionär. Die Reichweite sei jedoch begrenzt und das Ausmaß der freigesetzten Strahlung falle deutlich geringer aus als bei strategischen Atomwaffen.

Ukraine-Krieg: So wollen die USA Informationen über Russland sammeln

Die USA haben ihre Geheimdienstoperationen zur Überwachung von russischen Bewegungen dem Bericht zufolge intensiviert. Zudem arbeiten sie mit verbündeten Geheimdiensten zusammen. Die Behörden gehen mit Überwachung in der Luft, im All und im Internet vor. Zudem werden zunehmend kommerzielle Satelliten verwendet, um russische Bewegungen nachzuverfolgen.

Offenbar haben die Vereinigten Staaten insbesondere die russische Exklave Kaliningrad im Auge. Laut Politico hat Russland in seinem Staatsgebiet zwischen Polen und Litauen unter anderem Hyperschallraketen stationiert. In den vergangenen Wochen seien amerikanische Überwachungsflieger über der Exklave beobachten lassen. Russland hatte sein Waffenarsenal in Kaliningrad zuletzt wiederholt aufgestockt. (lp)

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