1. Startseite
  2. Politik

Ukrainischer Minister: Falls Ukraine fällt, „wird Putin Polen angreifen und bis nach Berlin marschieren“

Erstellt:

Von: Bettina Menzel

Kommentare

Die ukrainischen Streitkräfte verteidigen im Krieg gegen Russland auch Deutschland, meint der ukrainische Minister für Informationspolitik. Denn falls die Ukraine falle, kämen die russischen Truppen bis nach Berlin.

Kiew - Bundeskanzler Olaf Scholz kündigte in der vergangenen Woche weitere Waffenlieferung an die Ukraine an. Darunter Flugabwehrsysteme, Panzer und Raketenwerfer im Wert von insgesamt über einer halben Milliarde Euro. Die Lieferung soll „maßgeblich in 2023“ erfolgen, hieß es vonseiten der Bundesregierung. Viel zu spät, mahnt der ukrainische Minister für Kultur und Informationspolitik Oleksandr Tkachenko am Mittwoch im Gespräch mit der Zeitung Welt - und warnt vor ernsthaften Konsequenzen für Deutschland.

Ukrainischer Minister warnt: Putin werde „als nächstes Polen angreifen und bis nach Berlin marschieren“

Die Waffen aus dem Westen spielen im Ukraine-Krieg eine entscheidende Rolle. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte die westlichen Länder daher immer wieder zu weiteren Waffenlieferungen aufgerufen. Dabei gehe es auch um Schnelligkeit, betonte nun der ukrainische Minister Olakesandr Tkachenko. „Ukrainer werden gerade bombardiert und getötet, es zählt jeder Tag“, so der Politiker und machte klar, dass er die Worte der deutschen Bundesregierung auch mit einer gewissen Skepsis betrachte.

„2023 ist nicht nur zu spät, sondern auch nur ein Versprechen. Leider haben wir in der Vergangenheit gesehen, dass Lieferungen verzögert wurden.“ Dabei ginge es nicht nur um das Schicksal der Ukraine, sondern auch um die Zukunft Deutschlands, meinte Tkachenko. „Ich wünsche mir, dass hier verstanden wird, dass wir auch Deutschland verteidigen. Wenn die Ukraine fällt, wird Putin als nächstes Polen angreifen und bis nach Berlin marschieren.“

ukraine krieg Kultur und Informationspolitik Ukraine Oleksandr putin hauptstadt berlin
Minister für Kultur und Informationspolitik der Ukraine Oleksandr Tkachenko im Dezember 2021 in der ukrainischen Hauptstadt Kiew (Archivbild). © Yevhen Kotenko / Ukrinform / Imago

Tkachenko bestätigt die mutmaßliche Gegenoffensive im Süden der Ukraine: „Befreiung von Cherson sehr wichtig“

Die ukrainische Armee hatte am Montag eigenen Angaben zufolge eine Offensive zur Rückeroberung der Region Cherson gestartet. Während manche Militärexperten dies lediglich für eine Finte hielten, berichteten Nachrichtenagenturen über eine Zunahme der Kampfhandlungen im Süden. Minister Tkachenko sagte dazu am Mittwoch, dass es tatsächlich eine Offensive bei Cherson gebe. „Die Erwartung bei den Ukrainern ist, dass wir Cherson befreien. Und das werden wir tun“, so der Politiker weiter.

Cherson grenzt an die von Russland im Jahr 2014 annektierte Halbinsel Krim und ist daher auch strategisch wichtig, doch schon im März hatten russische Truppen die Region unter ihre Kontrolle gebracht. Eine Rückeroberung hätte eine große Bedeutung für die Ukraine. „Mit dieser Offensive würden wir einen wichtigen Schritt machen“, erklärte Tkachenko. „Ich kann nicht über die Kriegspläne und Kriegsstrategien sprechen, aber die Befreiung von Cherson ist sehr wichtig für uns. Nachdem wir Russland bereits aus den Regionen Kiew, Tschernihiw und Sumy vertrieben haben, wäre das der Beginn der Befreiung der gesamten Ukraine“, glaubt der Minister für Informationspolitik.

Auch zur Taktik gab er kleine Einblicke: Zunächst müsse die Ukraine demnach die großen Städte schützen, die unter täglichem Bombardement von Russland stünden. „Damit meine ich Charkiw, Mykolajiw und Saporischja“, führte der Minister weiter aus. „Dafür müssen wir russische Truppen so weit zurückdrängen, sodass sie nicht mehr in ihrer Reichweite sind. Deswegen fangen wir jetzt an, Cherson zu befreien“, erklärte er die Hintergründe der mutmaßlichen Offensive.

Der deutsche Militärexperte Carlo Masala von der Universität der Bundeswehr stufte am Dienstag den mutmaßlichen Angriff der Ukraine auf russische Truppen in Cherson indes noch nicht als Gegenoffensive ein. „Wir haben eine sehr, sehr unklare Lage. Ich würde noch nicht von einer großen Gegenoffensive sprechen“, so Masala im Interview mit Bayern 2-radioWelt. Doch auch er räumte ein, dass eine Eroberung eine große strategische Bedeutung hätte. Wenn die Ukraine über Cherson die Kontrolle hätte, „haben sie auch die Kontrolle über die Frischwasserzufuhr zur Krim. Das heißt also ein Druckinstrument, um die Russen auch auf der Krim noch weiter unter Druck zu setzen“, so Masala. Russland hätte auch Probleme, eine solche Niederlage zu verschweigen (dpa/bme).

Auch interessant

Kommentare