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Wie steht Russland im Kampf gegen die Ukraine da? - Aussagen von Putin-Söldner und britischem Geheimdienst

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Von: Bettina Menzel

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Der russische Verteidigungsminister Sergej Schoigu salutiert vor seinen Soldaten, während er bei der Militärparade am Montag (9. Mai) über den Roten Platz gefahren wird.
Der russische Verteidigungsminister Sergej Schoigu salutiert vor seinen Soldaten, während er bei der Militärparade am Montag (9. Mai) über den Roten Platz gefahren wird. Doch wie sieht es hinter den Kulissen wirklich aus? © picture alliance/dpa/AP | Alexander Zemlianichenko

Seit Wochen veröffentlicht der britische Geheimdienst ungewohnt offen Informationen zum Kriegsgeschehen in der Ukraine - nun melden sich auch Söldner Putins zu Wort.

Kiew/Moskau - In ungewöhnlich offener Art und Weise teilt der britische Geheimdienst regelmäßig Geheimdienstinformationen zum Verlauf des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine. Moskau wirft London deshalb eine gezielte Desinformationskampagne vor. Nun meldet sich auch ein Söldner Putins zu Wort und scheint zu bestätigen: Russland braucht dringend mehr Soldaten auf dem Schlachtfeld.

Ukraine-Konflikt: Militärisch überlegenes Russland kommt langsamer voran, als geplant

Am 24. Februar 2022 überfiel Russland die Ukraine. Zunächst sah es nach einer militärischen Übermacht Russlands aus, das flächenmäßig größte Land der Welt hat eine der Ukraine zahlenmäßig überlegene Armee und mehr Waffen. Nach Angaben des Stockholmer Friedensinstitutes Sipri verfügt Russland beispielsweise über 6255 nukleare Sprengköpfe. Allein die „Weltuntergangsdrohne“ genannte Waffe Poseidon soll beispielsweise Großbritannien auslöschen und einen 500 Meter hohen radioaktiven Tsunami auslösen können.

Militärexperten waren sich nach Beginn des Krieges jedoch schnell einig, dass der Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine nicht so lief, wie Wladimir Putin das wohl geplant hatte. Selbst die teils mangelhafte Wartung der russischen LKWs soll Hinweise auf den Zustand des Militärs liefern. Doch andererseits warnen Experten, dass das langsame Vorankommen der russischen Truppen durchaus auch ein Teil der Strategie sein könnte.

Ukraine-Krieg: So soll es britischen Geheimdienstinformationen um Russland stehen

Auch die Einschätzung britischer Geheimdienste deutet an, dass die russischen Truppen zahlenmäßig geschwächt sind. Aufgrund großer Verluste in den eigenen Truppen setzt Moskau nun ranghohe Kommandanten im Kampf ein. Allerdings gebe es bislang keine Anzeichen darauf, dass die Anwesenheit dieser Offiziere im Gefecht zu einem verbesserten Einsatzkonzept geführt habe, hieß es am Sonntag (8. Mai) in einem Update des britischen Verteidigungsministeriums. Im Gegenteil: Der pensionierte US-Admiral James Foggo sieht dies als Kennzeichen „einer undisziplinierten und unprofessionellen Armee, die schlecht geführt und schlecht ausgebildet ist“, wie er Foreign Policy sagte. „Um das auszugleichen, drängen die Generäle ins Feld“, so Foggo weiter. 

Außerdem führe die Strategie zu überproportional hohen Verlusten unter den russischen Offizieren. Da die getöteten Kommandanten dann von weniger ausgebildeten Soldaten ohne Führungserfahrung ersetzt würden, sei damit zu rechnen, dass die konzeptionellen Probleme anhalten würden.

Ukraine-Krieg: Stärkung geschwächter russischer Truppen durch Sanktionen erschwert

Die Stärkung geschwächter russischer Truppen wird nach Einschätzung britischer Geheimdienste durch die geltenden Sanktionen gegen Moskau erschwert. Trotz einer Verdoppelung seiner Militärausgaben zwischen 2005 und 2018 und Investitionen in High-End-Ausrüstung habe Russland die Ukraine bislang nicht unter Kontrolle bringen können, hieß es bereits am 3. Mai in einem Update des britischen Verteidigungsministeriums.

Strategische Fehler und Mängel bei der Umsetzung hätten dazu geführt, dass die Russen ihre Kampfstärke nicht in einen entscheidenden Vorteil hätten umwandeln können. Das Militär sei nun deutlich schwächer, sowohl von der Ausrüstung her als auch konzeptionell. Dies werde einen langfristigen Effekt auf Moskaus Kampfstärke in Bezug auf konventionelle Waffen sowie Truppen haben.

Ukraine-Krieg: Hoher Verschleiß bei Russlands Elite-Einheiten

Zu Beginn habe Moskau mehr als 120 sogenannte taktische Bataillonsgruppen eingesetzt, was etwa zwei Dritteln seiner gesamten Bodentruppen entspräche, hieß es in einem am 2. Mai in London veröffentlichten Bericht des britischen Verteidigungsministeriums. Wahrscheinlich seien mittlerweile mehr als ein Viertel dieser Einheiten nicht mehr kampffähig. Insbesondere bei Elitetruppen wie den Fallschirmjägern gebe es hohen Verschleiß. Es könne Jahre dauern, bis Russland seine alte Kampfstärke wieder hergestellt habe.

Russische Panzer fahren Ende April entlang einer Straße in einem von den von Russland unterstützten Separatisten kontrollierten Gebiet.
Russische Panzer fahren Ende April entlang einer Straße in einem von den von Russland unterstützten Separatisten kontrollierten Gebiet (Archivbild). © picture alliance/dpa/AP | Alexei Alexandrov

Rechtsextreme Söldnergruppe Putins: „Wir brauchen 600.000 Menschen, um Ukraine zu besiegen!“

Die Gruppe Wagner ist als rechtsextremes, privates Sicherheitsunternehmen bekannt, das bereits in Syrien, Libyen, der Zentralafrikanischen Republik, aber auch seit 2014 in der Ostukraine zum Einsatz kam. Auch im Russisch-Ukrainischen Krieg sollen mindestens 1000 Wagner-Söldner kämpfen, wie der britische Geheimdienst meldete. Vom BND abgefangene Nachrichten zufolge könnten auch russische Söldner der berüchtigten Wagner-Gruppe an den Gräueltaten von Butscha beteiligt gewesen sein.

Eine Nachricht im Telegram-Kanal der Gruppe Wagner „Reverse Side of the Medal“ lässt jetzt aufhorchen. Dort soll einer der Söldner laut Angaben von mehreren Nachrichtenportalen der Funke Mediengruppe geschrieben haben: „Entweder es gibt eine Mobilisierung oder wir werden den Krieg verlieren. Wir brauchen 600.000 bis 800.000 Menschen, um die Ukraine zu besiegen.“ Die Söldner selbst erkennen wohl, dass russische Soldaten dringend Verstärkung benötigen. „Jeder, der sagt, dass man in der modernen Kriegsführung nicht viele Leute braucht, redet nur Unsinn. Was auch immer an hochpräzisen Waffen zur Verfügung steht, Infanterie hat Priorität“, soll ein anderer Söldner hinzugefügt haben. Die Meldung ließ sich zunächst nicht von unabhängiger Seite überprüfen.

Einen besonderen Stellenwert erhält diese Einschätzung, da die Gruppe Wanger eng mit dem russischen Militärgeheimdienst GRU zusammenarbeiten soll. Ein Beleg dafür: Das Übungsgelände der Gruppe Wagner etwa soll sich laut Recherchen von Journalisten der Medien RBK und Fontanka auf dem Gebiet des GRU befinden. Der NZZ zufolge operieren die Privatarmeen im rechtsfreien Raum, sie kämpfen für die Interessen Russlands, aber nicht unter russischer Flagge. So lassen sich Einsätze vertuschen, Moskau kann Gräueltaten der „Schattenarmee“ von sich weisen (bm mit Material von dpa)

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