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Eskalation nach acht Jahren: Wie der Konflikt zwischen Russland und der Ukraine zum Krieg wurde

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Von: Momir Takac

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Eine verletzte Person wird vom Maidan in Kiew getragen.
Der Ukraine-Krieg hat seinen Ursprung in den blutigen Protesten auf dem Kiewer Maidan im Jahr 2014. © imago stock&people

Der Ukraine-Krieg ist der traurige Höhepunkt eines Konflikts zwischen Kiew und Moskau, der vor acht Jahren auf dem Maidan begann und sich immer weiter verschärfte.

Kiew - Seit dem 24. Februar 2022 greifen russische Truppen die Ukraine an. Russlands Präsident Wladimir Putin hatte zuvor im Staatsfernsehen die „militärische Spezialoperation“, wie es offiziell in russischen Medien heißt, angekündigt. Der Ukraine-Krieg ist der traurige Höhepunkt eines Konflikts zwischen der Ukraine und Russland, der sich in den letzten Jahren immer weiter zuspitzte und seinen Anfang im Dezember 2013 nahm.

Vor mehr als acht Jahren kam es in der ukrainischen Hauptstadt Kiew zu einem folgenreichen Protest auf dem zentralen Platz Maidan. Mehrere Hunderttausend Ukrainer demonstrierten gegen den prorussischen Präsidenten Viktor Janukowitsch, weil dessen Regierung überraschend erklärte, das Partnerschaftsabkommen mit der EU vorerst nicht unterzeichnen zu wollen. Auch Kiews heutiger Bürgermeister Vitali Klitschko war an den Protesten beteiligt.

Im Februar 2014 kam es zur Eskalation. Mehr als 100 Menschen starben, als die Proteste blutig niedergeschlagen wurden. Zu diesem Zeitpunkt war der Ukraine-Krieg noch weit entfernt, doch deutete sich eine Verschärfung des Konflikts kurz darauf bereits an. Im selben Monat besetzten russische Truppen die ukrainische Schwarzmeer-Halbinsel Krim.

Ukraine-Krieg: Anfang in den Maidan-Protesten und der Krim-Annexion

Nur kurz darauf annektierte Russland die Krim nach einem international nicht anerkannten Referendum. Zu diesem Zeitpunkt gab es bereits teils gewaltsame separatistische Bewegungen im Donbass im Südosten der Ukraine, wo das Verhältnis zu Russland traditionell enger ist als im Westen.

Nachdem von Moskau unterstützte Separatisten die „Volksrepubliken“ Donezk und Luhansk ausgerufen hatten, entflammte ein bewaffneter Konflikt, der bis heute andauert, und dem annähernd 14.000 Menschen zum Opfer fielen. Die bürgerkriegsähnlichen Zustände konnten auch zwei Abkommen nicht beenden. Im Grunde genommen gibt es also seit 2014 Krieg, in der Ostukraine.

Weiteren Zündstoff lieferten von Separatisten initiierte Parlamentswahlen, später wurden gar der Rubel als offizielles Zahlungsmittel eingeführt und russische Pässe ausgegeben. Einen angeblichen Genozid an Russen durch die Ukraine im Donbass nannte Russlands Präsident Putin später auch als Begründung für den Ukraine-Krieg.

Ukraine-Krieg: Auch neu gewählter Präsident Wolodymyr Selenskyj kann Konflikt nicht entspannen

Die nächste Eskalationsstufe erreichte der Konflikt Ende 2014, als der neu gewählte proeuropäische Ukraine-Präsident Petro Poroschenko die bisherige Neutralität des Landes beendet und so einen Nato-Beitritt ermöglichte. Das Bündnis stockte daraufhin das Truppenkontingent an der östlichen Grenze auf 40.000 Soldaten auf.

Während die Kämpfe in der Folgezeit zunahmen - zwischenzeitlich beschossen russische Streitkräfte in der Meerenge von Kertsch ukrainische Schiffe -, und Waffenruhen stets gebrochen wurden, stufte Kiew die abtrünnigen Gebiete im Osten der Ukraine als von Russland besetzt ein. Auch die Initiative des im Mai 2019 gewählten Präsidenten Wolodymyr Selenskyj zur Entspannung des Konflikts verpuffte. An einen möglichen Ukraine-Krieg dachten aber auch zu diesem Zeitpunkt nur die allerwenigsten.

Prekärer wurde die Lage, als sich der Krieg im Donbass Anfang 2021 nochmals verschärfte. Im April zog Putin Truppen im Grenzgebiet zur Ostukraine zusammen und drohte mit einem militärischen Eingreifen. Wenige Monate später schrieb er einen Aufsatz, in dem er Gebietsansprüche Russlands in der Ukraine historisch begründete. Diese Schreiben sind wichtig, um zu verstehen, wie Putin tickt.

Ukraine-Krieg: Alle diplomatischen Versuche einer Deeskalation scheitern

Im November wurden weitere ungewöhnlich große Truppenkontingente im russischen Grenzgebiet zur Ukraine beobachtet. Die Diplomatie zur Abwendung eines drohenden Ukraine-Kriegs nahm nun Fahrt auf. Doch auch Versuche auf verschiedensten Ebenen - wie etwa den Nato-Russland-Rat, ein Treffen der OSZE oder Gespräche im Normandie-Format - brachten Anfang 2022 keine Lösung. Putin pochte auf Sicherheitsgarantien der Nato, das Bündnis wollte auf einen Stopp der Osterweiterung allerdings nicht eingehen. Der Ukraine-Krieg rückte näher.

Am 21. Februar erklärte Putin das Minsker Abkommen für gescheitert, erkannte die selbst ernannten Volksrepubliken Luhansk und Donezk als unabhängige Staaten an und veranlasste per Dekret die Entsendung von Truppen in die Ostukraine. Westliche Staaten verhängten daraufhin Strafmaßnahmen gegen Russland. Teil der EU-Sanktionen ist etwa der Ausschluss russischer Banken vom internationalen Swift-System. Deutschland legte die Ostsee-Gaspipeline Nord Stream 2 für unbestimmte Zeit auf Eis.

Am 24. Februar machte Putin schließlich seine Drohung war und begann den Ukraine-Krieg. Am frühen Morgen kündigte er in einer TV-Ansprache eine Militäroperation an, kurz darauf schlugen erste Raketen in der Ukraine ein.

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