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Putins „Stalin-Methoden“? Russland soll über eine Million Ukrainer verschleppt haben

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Von: Linus Prien

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Putin und Schoigu
Präsident Wladimir Putin und Verteidigungsminister Sergej Schoigu am 9. Mai. © Sergei Savostyanov/Imago Images

Im Ukraine-Krieg wurden angeblich über eine Million Ukrainer nach Russland deportiert. Auch dem Pentagon liegen Informationen über Deportationen vor.

Moskau - Im Ukraine-Krieg kamen immer wieder Berichte von Deportationen von Ukrainern nach Russland auf. Jetzt liegen auch dem Pentagon Hinweise bezüglich der Verschleppung von Ukrainern vor. Von ukrainischer Seite hieß es, dass über 1,19 Millionen Ukrainer nach Russland deportiert wurden. Experten verglichen Deportationen von russischer Seite mit stalinistischen Methoden.

Ukraine-Krieg: US-Verteidigungsministerium berichtet von deportierten Ukrainern

Das US-Verteidigungsministerium hat nach eigenen Angaben Hinweise darauf, dass Ukrainer von russischen Truppen gewaltsam nach Russland gebracht werden. „Ich kann nicht sagen, wie viele Lager es gibt oder wie sie aussehen“, sagte Pentagon-Sprecher John Kirby am Montag. „Aber wir haben Hinweise darauf, dass Ukrainer gegen ihren Willen nach Russland gebracht werden.“ Das Verhalten halte er für „skrupellos“.

Laut der Menschenrechtsbeauftragten des ukrainischen Parlaments, Ljudmila Denissowa, wurden seit Kriegsbeginn „mehr als 1,19 Millionen unserer Bürger, darunter mehr als 200.000 Kinder, in die Russische Föderation deportiert“. Die Angaben lassen sich nicht von unabhängiger Seite verifizieren.

Ukraine-Krieg: Deportierte aus Mariupol

Die ukrainische Hafenstadt Mariupol wurde seit Beginn des eskalierten Ukraine-Konflikts von der russischen Armee belagert. Es wird vermutet, dass die südukrainische Stadt Schauplatz zahlreicher Menschenrechtsverbrechen wurde. Unter anderem wurden außerhalb Mariupols Massengräber mit tausenden Kriegsopfern gefunden. Die Stadt wurde während des Krieges nahezu komplett zerstört.

Der russischen Armee zufolge sei die Stadt nahezu komplett eingenommen. Die UN-Menschenrechtsbeauftragte Matilda Bogner ist die Leiterin der Kommission, die die Menschenrechtslage in der Ukraine seit 2014 untersucht. Nach Angaben von Bogner seien mindestens 204 Menschen gegen ihren Willen verschleppt worden, darunter 169 Männer, 34 Frauen und ein Junge.

Mariupol
Ein beschädigtes Gebäude in Mariupol. (Symbolbild) © Victor/XinHua/dpa

Ukraine-Krieg: übernimmt Putin Stalin-Methoden?

Gegenüber Focus Online sagte Jan Claas Behrends, Professor für Osteuropäische Geschichte am Leibniz-Zentrum für Zeithistorische Forschung in Potsdam: „Putin geht es um die Zerstörung der Kultur und Identität der Ukrainer. Das Verhalten seiner Soldaten inklusive der Morde und Deportationen ist genozidal.“ Dem Historiker zufolge übernimmt der russische Präsident Wladimir Putin stalinistische Methoden. Bereits der Sowjet-Diktator habe massenhafte Deportationen fremder Völker durchführen lassen.

Der Politikwissenschaftler Andreas Heinemann-Grüder vom International Centre for Conflict Studies in Bonn schilderte Focus Online eine ähnliche Analyse: „Die Paranoia, die Stalin hatte, weil er in jedem einen Kollaborateur der Nazis sah, wird jetzt wiederbelebt.“ Laut dem Experten werden die Deportierten in Russland in Lagern verhört. Ihre Handys werden durchsucht und ihre Biografien werden durchleuchtet. Es gehe darum sicherzustellen, dass es sich nicht um ukrainische Geheimdienstmitglieder handle. Bereits vor einigen Wochen gerieten Berichte von freiwilligen Helfern an die Öffentlichkeit, die von russischen Soldaten gefangen genommen wurden und über Wochen eingesperrt waren. (lp/AFP)

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