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Putins „atombomben-besessener Kumpel“ auf dem Weg in die Ukraine? Kreml-Personalie schürt Gerüchte

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Von: Andreas Schmid

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Russlands Raumfahrtchef Dmitri Rogosin, hier mit Kremlchef Wladimir Putin (l) und Belarus-Machthaber Alexander Lukaschenko.
Russlands Raumfahrtchef Dmitri Rogosin, hier mit Kremlchef Wladimir Putin (l) und Belarus-Machthaber Alexander Lukaschenko. © IMAGO/Mikhail Klimentyev/Kremlin Pool

Wladimir Putin entlässt seinen Raumfahrtchef. Womöglich sieht er seinen „Atomkumpel“ in anderer Funktion: in der Ukraine oder im Kreml.

Moskau – Duma-Abgeordneter, Diplomat, Russlands Nato-Vertreter, Vize-Ministerpräsident, Raumfahrtchef: Dmitri Rogosin blickt auf eine ereignisreiche Vita zurück. Bald könnte der russische Politiker intensiver im Ukraine-Krieg mitmischen. Rogosin ist wegen seiner nationalistischen Ansichten umstritten – bei Kremlchef Wladimir Putin dafür aber umso beliebter. Nun hat der Präsident Rogosin entlassen. Der Schritt könnte aber vielmehr einer Beförderung als einer Degradierung gleichkommen.

Putin entlässt Raumfahrtchef: Neuer Posten in der Ukraine?

Seit Wochen kursieren Gerüchte über eine Neusortierung in Putins innerem Zirkel. Ein mögliches Ziel: Kritiker durch Vertraute ersetzen, um die „Spezialoperation“, wie der Krieg in Russland genannt wird, nicht zu gefährden. So könnte auch Rogosin, bis zuletzt Chef der Raumfahrtbehörde Roskosmos, einen neuen Job bekommen. Laut dem russischen Exilmedium Medusa könnte der 58-Jährige Stabschef in der russischen Präsidialverwaltung werden. Dort wird die Amtsausübung des Präsidenten koordiniert. Die Drähte zu Putin wären enger.

Rogosin könnte es aber auch in die Ukraine ziehen. Mit Verweis auf kremlnahe Quellen berichtet Meduza, Rogosin könne einer der Beauftragten des Kremls für die selbsternannten „Volksrepubliken“ Donezk und Luhansk sowie die anderen von Russland besetzten Gebiete in die Ukraine werden. In diesem Fall wäre Rogosin offiziell ein Berater Putins. Auch vom Titel als „stellvertretender Ministerpräsident“ ist die Rede. Die russische Nachrichtenagentur Interfax berichtet, dass dann der stellvertretende Ministerpräsident Juri Borissow in die Führung von Roskosmos wechseln könnte. Zeit, um Dmitri Rogosin genauer zu beleuchten.

Ukraine-Krieg: Rogosins Spiel mit „Schock und Skandalen“

Rogosin polarisiert. Erstmals auf sich aufmerksam machte er Ende der 1990er-Jahre, als er die linksnationalistische Partei Rodina zu mehreren Wahlerfolgen führte. Die Partei arbeitete zunächst mit der putinnahen Partei Einiges Russland zusammen. 2005 kam es jedoch zum Streit. In der Folge wechselten mehrere Rodina-Abgeordneten ins Putin-Lager, Rogosins Partei zerbrach. Heute hat Rogosin vor allem Beziehungen ins rechtsnationale Milieu. Er pflegt etwa enge Kontakte zu Marine Le Pens Ressemblement National. Le Pens Bande nach Russland waren auch vor der Präsidentschafts-Stichwahl in Frankreich in den Fokus gerückt.

Dass Rogosin in der Gunst Putins zu stehen scheint, ist kein Zufall. „Er liebt Schock und Skandale“, zitiert Meduza eine nicht namentlich genannte Kreml-Quelle. „Er weiß, dass Putin dieses Verhalten mag, und er spielt das aus.“ Meist mit Beleidigungen und Drohungen. Ukraine-Präsident Wolodymr Selenskyj bezeichnete er als „Clown“. Rogosin drohte mit einem Raketenangriff auf die „feigen Bulgaren“, die „rachsüchtigen Rumänen“ und die „verräterischen Montenegriner“ oder fantasierte darüber, dass die ISS über westlichem Territorium abstürzen könnte.

Ukraine-Krieg: Dmitri Rogozin 2021 mit Wladimir Putin auf einem Flug zum Raumfahrbahnhof Kosmodrom Wostotschny,
Auch als Raumfahrtchef nahe am Präsidenten: Dmitri Rogozin, hier 2021 mit Putin auf einem Flug zum Raumfahrbahnhof Kosmodrom Wostotschny, © Alexei Druzhinin/Imago

Dmitri Rogosin: „Putins am meisten von Atomwaffen besessener Kumpel“

Im Kaliningrad-Streit sprach er Litauen die Souveränität ab und meinte, das Land werde den Streit mit Russland noch bereuen. „Litauen hat sich selbst in den Fuß geschossen und seine eigene Staatsgrenze infrage gestellt.“ Zudem drohte er Tesla-Chef Elon Musk.

Die russische Drohkulisse lebt spätestens seit Kriegsbeginn auch von der Angst vor einem Atomkrieg. Im russischen Fernsehen wurden bereits Angriffsszenarien auf Berlin durchgespielt. Rogosin beherrscht dieses Spiel ebenso. Im Mai kündigte die russische Raumfahrtbehörde den Test einer ballistischen Rakete an, die Atomsprengköpfe tragen kann. Rogosin meinte daraufhin öffentlich, er habe „ein Geschenk für die NATO“. Wie der britische Daily Mirror berichtet, träumt Rogosin von der „leistungsstärksten Atomrakete der Welt mit globaler Reichweite“. Das US-Medium Daily Beast bezeichnet ihn als „Putins am meisten von Atombomben besessenen Kumpel“. (as)

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