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Ukraine tötet wohl schon 10. Russland-General: Bundeswehr-Dossier zeigt, wie effektiv Kiews Taktik ist

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Von: Magdalena von Zumbusch

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Ein geheimes Bundeswehr-Dossier erklärt, wie Kiew gezielt Jagd auf Russlands Feldherren macht: Die „Befehlstaktik“ wird zum Fallstrick für Putins Armee.

München - Der russische Angriff auf die Ukraine verläuft nicht so erfolgreich, wie wohl vom russischen Machthaber Wladimir Putin erhofft. Dabei wurde zu Beginn der Invasion am 24. Februar ein schnelles Vorrücken der russischen Armee erwartet. Ein Dossier der deutschen Bundeswehr mit dem Titel „Gefallenes Personal in Führungsfunktionen – Gründe und Auswirkungen“ wertet nun die ukrainische Kriegsstrategie aus und analysiert, warum Russland an der ukrainischen Armee scheitert.

Ukraine-Krieg: Bundeswehrdossier wertet ukrainische Strategie aus - Eliminierung russischer Generäle

Der Widerstand der ukrainischen Truppen im Ukraine-Krieg ist stärker als erwartet, inzwischen musste die russische Armee einigen Regionen bereits aufgeben und sich aus den entsprechenden Teilen des Landes zurückziehen, wohl auch wegen strategischer Fehler bei der der Auswahl der angegriffenen Gebiete.

Die Ukrainer stören das Vordringen der russischen Armee auch durch die gezielte Ausschaltung von Generälen. Schon der zehnte russische General soll nun (Stand 2. Mai) getötet worden sein. Auch der russische Generalstabschef Waleri Gerassimow soll jüngst verletzt worden sein. Ein Dossier der Bundeswehr, das an sich die Einstufung „VS – nur für den Dienstgebrauch“ trage, liegt jetzt offenbar der Zeitung Business Insider vor. Es analysiere einige ukrainische Angriffe – und zeige, welche Folgen die ukrainische Strategie für die russische Armee habe.

Ukraine-Krieg: Russischer General Andrej Simonow laut Zeitung „Kiever Post“ getötet

Das ukrainische Militär habe am Samstag (30. April) einen Kommandoposten der russischen 2. Armee in der Nähe der Stadt Isjum in der Region Charkiw angegriffen. Die Stadt Charkiw wird derzeit von russischen Streitkräften besetzt. Über 30 russische Panzerfahrzeuge seien beschossen worden. In den sozialen Medien gepostetes Filmmaterial scheine zu zeigen, dass der Gefechtsstand überdies mit Raketen beschossen wurde, so die Kyiv Post.

Der Generalmajor Andrej Simonow sei (als einer von 100 russischen Streitkräften) bei dem aggressiven Vorgehen der ukrainischen Seite getötet wurden, habe der militärische Berater des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj, Oleksij Arestowitsch, laut der Kyiv Post berichtet. Russland hat den Tod Simonows bisher nicht bestätigt.

Ukraine-Krieg: Tötung russischer Generäle soll russische Truppen destabilisieren

Die ukrainische Armee konzentriere sich bei ihrem Vorgehen wohl auf die möglichst schnelle Eliminierung der Truppenführung: Was der Wegfall des Generals einer Truppe bewirke, zeige die Auswertung anderer Manöver der Bundeswehr: Die russischen Truppen scheinen wie etwa nach dem Fall des Befehlshabers Andrej Zakharow in Bowary, 12 Kilometer nordöstlich von Kiew, desorganisiert. Der russische General Zakharow war in einen Hinterhalt geraten und wurde von der ukrainischen Seite gezielt beschossen: Nach kurzer Zeit musste laut dem Bericht der Tod des Generals an die beteiligten russischen Fahrzeuge durchgegeben werden.

Die russischen Fahrzeuge seien daraufhin nicht mehr koordiniert vorgegangen, teils etwa viel zu dicht aufeinander aufgefahren. Auch die abgefangenen Funksprüche hätten die fehlende Koordination der russischen Truppen offen gelegt. Ein Ausschnitt der Kommunikation ist im Business Insider abgedruckt. Die Unterhaltung macht deutlich, dass Unklarheit darüber herrscht, welche Teile der Truppe im Übrigen gefallen seien und welche noch unversehrt, außerdem darüber wo sie sich genau befänden.

Ukraine-Krieg: „Befehlsmodell“ von Putins Armee laut Bundeswehr Erfolgsgeheimnis der Ukraine

Insgesamt seien die Manöver der Russen oft durch Störmaßnahmen von Seiten der Ukraine verhindert worden, etwa indem die Mobilfunknetze gesperrt worden seien. Neben den Schwierigkeiten durch den verhältnismäßig frühen Verlust eines Generals im Laufe verschiedener Operationen seien die niedrige Moral der einfachen Soldaten und das geringe Vertrauen in die Kommandeure als Belastung genannt worden. Das habe den Fall der Kommandeure wiederum begünstigt, da diese nahe der Front hätten operieren müssen, um die wenig motivierten Truppen zu kontrollieren und sich so erhöhter Gefahr ausgesetzt hätten. 

Als Schlussfolgerung werde in dem Dokument die Bedeutung der Auftragstaktik gegenüber der Befehlstaktik, nach der Russland offenbar seine Streitkräfte organisiert, betont, so der Business Insider. Bei der Auftragstaktik, wie sie auch in der Bundeswehr praktiziert werde, hätten Untergebene eine gewisse Freiheit beim Ausführen ihrer Mission. Die völlige Destabilisierung von Truppen nach dem Wegfall des Befehlshabers könne bei einer Ausrichtung der Kriegsführung nach diesem Prinzip vermieden werden. Bei der Befehlsstrategie sind die unteren Befehlshaber und einfachen Soldaten deutlich unmittelbarer an die Anweisungen des jeweiligen Generals gebunden: Das entpuppt sich aktuell offenbar als ernstes Problem für Russland.

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