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War Putin naiv? Aus diesen Gründen halten die Ukrainer der russischen Invasion bislang stand

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Von: Max Partelly

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Ukraine-Konflikt: Ukrainische Soldaten
Ukrainische Soldaten hantieren mit Ausrüstung aus einem beschädigten Militärfahrzeug nach Kämpfen in Charkiw. © picture alliance/dpa/AP | Marienko Andrew

Russlands Versuche, in der Ukraine kurzen Prozess zu machen, scheitern bislang. Putins Truppen kommen langsam voran, viele russische Soldaten sollen gefallen sein.

Ukraine – Sowohl Experten als auch Laien sind erstaunt über die Standhaftigkeit der Ukrainer im Ukraine-Krieg*. Trotz der ungleichen Größenverhältnisse der jeweiligen Armeen, scheint der russische Präsident Wladimir Putin* mit seinem Militär nicht wie geplant voranzukommen. Währenddessen veröffentlicht die ukrainische Regierung immer wieder Zahlen von gefallenen russischen Soldaten, zeigt Videos von Kriegsgefangenen* und kann mehrfache Erfolge in der Verteidigung vermelden.

Angesichts der eigentlich überlegenen militärischen Macht Russlands stellt sich die Frage, wie die Ukraine es schafft, in der Art und Weise standzuhalten, wie es seit Beginn der russischen Invasion am 24. Februar* geschieht. Es gibt einige Punkte, die den Ukrainern in ihrer Verteidigung in die Karten spielen und die sie für sich nutzen.

Ukraine-Krieg mit schwierigem Terrain für Russland: Ukrainer nutzen ihr Wissen

In jedem anderen Kontext würde man wohl von Heimvorteil sprechen. Ein Punkt, der von Experten angebracht wird, ist der, dass die russische Armee nicht dieselbe Kenntnis der Umgebung hat. Die Bewohner der Ukraine wissen um die strategischen Punkte, die es zu verteidigen gilt. Etwa bei dem Angriff Russlands auf einen Flugplatz im Norden Kiews. Dort konnten die ukrainischen Soldaten Streitkräfte in der Luft und am Boden abwehren. Und sorgten so dafür, dass der Versuch Russlands, eine Luftbrücke zu errichten, unterbunden wurde. Das schreibt die New York Times (NYT) über die ersten Stunden des russischen Angriffs auf die Ukraine.

„Bei der Verteidigung von Städten und den Kämpfen an den Stadträndern schlagen sich die ukrainischen Streitkräfte recht gut“, meint Michael Kofman, Direktor des US-Instituts für Verteidigung CNA, gegenüber dem Nachrichtenportal. Die unorganisierte Natur der russischen Kriegsführung helfe. Da die ukrainischen Streitkräfte sich auskennen, können sie sich laut New York Times zügiger und zielgerichteter an kritische Standorte begeben – und schneller reagieren.

Neben der Tatsache, dass die ukrainischen Truppen agiler sind, sind ihre Angriffe beziehungsweise Konterschläge gezielter. Auch die NZZ spricht von der geschickten Verteidigung der Ukrainer, die den russischen Angriff ausbremst – betont aber, dass die russische Offensive zwar langsamer als geplant, aber ohne Aussicht auf einen Abbruch, anhält.

Ukraine-Krieg: Armeen im Informationskrieg – und die Stimmung der Bevölkerung in Russland

Wie in keinem bisherigen Konflikt zeigt sich im Ukraine-Krieg das Ausmaß, mit dem sich das Internet in den Alltag eingenistet hat. Stündlich, minütlich, teils jede Sekunde gibt es neue Meldungen. Immer wieder verschiebt sich die Lage und kann vermeintlich in Echtzeit verfolgt werden. Das bringt eine neue Dimension des Informationskriegs mit sich.

Während die russische Regierung unter Putin den Einsatz als „Spezial-Operation“ oder „Friedensmission“ darstellen möchte, steht ihnen die schier endlose Weite des Internets gegenüber, welche sich nur schwer kontrollieren lässt. So hat sich kürzlich das Hacker-Kollektiv Anonymous gegen den Kreml gewandt. Von einem Angriff am Montag waren unter anderem die Staatsagentur Tass und die Online-Auftritte der Zeitungen Iswestija und Kommersant betroffen, wie die dpa berichtet. Auf der Internetseite von Iswestija erschien ein Banner des Hackerkollektivs. „Wir fordern Sie dringend auf, diesen Wahnsinn zu stoppen, schicken Sie Ihre Söhne und Ehemänner nicht in den sicheren Tod. Putin bringt uns zum Lügen und bringt uns in Gefahr“.

Es machen derweil Gerüchte die Runde, dass Putin den Krieg vor den Soldaten geheim gehalten* habe. Die Augen der Weltbevölkerung sind auf das russische Volk gerichtet. Eine Frage wird immer öfter gestellt: Wie ist die Stimmung in Russland?* Dem gegenüber steht das Volk der Ukrainer, die um ihr Überleben und ihr Land kämpfen. Ihnen gilt die mehrheitliche Unterstützung anderer Länder.

Ukraine-Krieg: Militärexperte analysiert – „Seite, die schneller lernt und sich schneller anpasst, wird gewinnen“

Die ukrainischen Militärkräfte scheinen sich besser an die ständig wechselnden Umstände anpassen zu können. Nach Ansicht von Frederick B. Hodges, ehemaliger U.S. Army Kommandant in Europa, der mittlerweile für das Center for European Policy Analysis arbeitet, sind Theorie und Praxis im Krieg immer getrennt zu betrachten. „Im Kampf ist es immer anders als man erwartet hat und die Seite, die schneller lernt und sich schneller anpasst, wird gewinnen.“ Bislang sei dies die Ukraine gewesen, sagt der Militärexperte der NYT.

Putins Truppen kommen im Ukraine-Krieg ins Stocken: War es schlechte Planung?

Abseits der direkten kriegerischen Auseinandersetzungen wird ein weiterer Punkt angeführt, wenn es darum geht, warum Putin noch keinen klaren Sieg verbuchen konnte. Es sei die Logistik der Russen, erklärt unter anderem Politikwissenschaftler Carlo Masala von der Bundeswehr-Universität in München im ARD-“Brennpunkt“. Es gebe mitunter „logistische Problemen“ beim Nachschub an Treibstoff. Er spricht auch von fehlender Versorgung der russischen Truppen.

Auch die Annahme, dass weniger Widerstand aufkommen werde, als tatsächlich folgte, könnte ein Faktor sein, der die Invasion ausbremst. Von Unterschätzung der Wehrhaftigkeit der Ukrainer vonseiten Russlands wird immer wieder gesprochen. So rief der russische Präsident Wladimir Putin die ukrainische Bevölkerung und Armee auf, die Regierung des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj* zu stürzen. Eine Reaktion blieb aus. Der frühere NATO-General Egon Ramms sprach am Wochenende im ZDF stattdessen davon, dass sich die Ukrainer „sehr nachhaltig“ verteidigen würden.(mda)*Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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