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Kampf um „tote Städte“ in der Ukraine: Militärexperten erkennen riskante Strategie

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Von: Yasina Hipp

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In Sjewjerodonezk oder Mariupol sind die Kämpfe besonders schwer, obwohl die Städte schon als nahezu verloren gelten. Dahinter steckt wohl eine gefährliche Strategie von ukrainische Seite.

Sjewjerodonezk - „Die Kämpfe um die völlige Kontrolle über Sjewjerodonezk halten an“, so Serhij Hajdaj, Militärgouverneur der ostukrainischen Region Luhansk, vor einigen Tagen via Telegram. Diese Worte scheinen angesichts der aktuellen Lage und der ständigen Meldungen über schwere Kämpfe und Verluste im Ukraine-Konflikt möglicherweise überraschend.

Die Situation rund um Sjewjerodonezk im Osten der Ukraine ist nämlich besonders angespannt. Immer wieder melden ukrainische Offizielle die Abwehr russischer Angriffe, dennoch mehren sich auch die Berichte, über eine immer weiter fortschreitende Übernahme des Gebiets durch die russischen Angreifer. Etwa 80 bis 90 Prozent des Donbass sollen sich im Russland-Ukraine-Krieg nun unter russischer Kontrolle befinden, so ukrainische Behörden. Warum also wird in diesen Städten weiterhin so erbittert gekämpft?

Ukraine-Krieg: Selenskyj bezeichnet Sjewjerodonezk als „tote Stadt“

Gerade in Sjewjerodonezk, etwa 80 Kilometer nordöstlich von Luhansk, schwelen die Kämpfe zwischen den russischen Angreifern und den ukrainischen Streitkräften. Serhij Hajdaj berichtete zuletzt, dass zwar viele russische Soldaten getötet würden, diese aber immer wieder durch neue ersetzt würden. Angesichts der aktuellen Lage sei es auch unmöglich, die versteckten Zivilisten aus den Bunkern unter dem fast vollständig zerstörten Stahlwerk Azot zu retten. Trotzdem halten die ukrainischen Truppen an ihrer Strategie fest und kämpfen weiter im, vom ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj als „tote Stadt“ bezeichneten, Sjewjerodonezk.

Die Russen kämpfen schlecht in den Straßen. Wir können dort längere Zeit gegenhalten und ihnen Verluste zufügen.

Mychajlo Podoljak, ukrainischer Präsidentenberater .

Militärexperten erklären die dahintersteckende Strategie gegenüber der New York Times. Die Ukrainer versuchten, die Truppen des russischen Machthabers Wladimir Putin in Straßenkämpfe zu verwickeln. Das bestätigt auch der ukrainische Präsidentenberater Mychajlo Podoljak gegenüber der US-amerikanischen Zeitung. Er sagt: „Die Russen kämpfen schlecht in den Straßen. Dort ist es für uns möglich, sich frei zu bewegen und Schutz zu suchen. Dadurch minimiert man die Verluste. Wir können dort längere Zeit gegenhalten und den Russen wiederum Verluste zufügen.“

Ukraine-Krieg: Ukrainische Truppen setzen auf Straßenkämpfe - hohes Risiko

Diese Taktik wendeten die ukrainischen Streitkräfte bereits in den Städten und Dörfern um die Hauptstadt Kiew an - dort ging die Strategie zu Beginn des Krieges auf. Auch Gustav Gressel, Ukraine-Experte des European Council on Foreign Relations, erkennt die Effektivität der Strategie. So sagt er gegenüber der Schweizer Zeitung Blick: „Wenn es den Ukrainern gelingt, sie in einen Strassenkampf zu verwickeln, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass die Russen Verluste erleiden, die sie sich nicht leisten können.“ Jedoch kann dieses Vorgehen auch schnell riskant werden. Nämlich sobald die ukrainischen Soldaten in den Städten eingekesselt und eingeschlossen werden. Eine Flucht sei dann kaum noch möglich.

Trotzdem müsse, Experten zufolge, derzeit die Straßenkampf-Strategie weiter verfolgt werden, da den Ukrainern schwere Waffen fehlen, um sich gegen die russischen Artillerie-Angriffe zur Wehr setzen zu können.

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