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Putins absurde Propaganda: Scholz wie Hitler – USA dopen Ukrainer zu „Monstern“

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Von: Andreas Schmid

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Olaf Scholz wird im russischen Staatsfernsehen als Hitler diskreditiert.
Der staatliche russische Fernsehsender Rossija 1. Zuletzt ging es um Olaf Scholz: „Sieht er aus wie Hitler? Auf jeden Fall. Ihm fehlt nur noch der Schnauzer.“ © Screenshot Youtube

Der Ukraine-Krieg gilt auch als Informationskrieg. Russische Medien agieren dabei voll auf Kremllinie – mit teils abenteuerlichen Falschmeldungen.

Moskau - Im Ranking der Pressefreiheit von Reporter ohne Grenzen liegt Russland auf Platz 155, zwischen Aserbaidschan und Afghanistan. „Es gibt praktisch keine Medienfreiheit mehr“, urteilte die NGO über die Berichterstattung im größten Land der Erde. Die Bevölkerung erhalte Informationen vor allem aus dem staatlich kontrollierten Fernsehen. Unabhängige Zeitungen exisitieren kaum, aufgrund vage formulierter Anti-Extremismus-Gesetze droht (Online-)Zensur.

Die Medien dienen nicht selten der Kreml-Propaganda, gerade im Ukraine-Krieg. Teilweise ist das in russischen Medien vermittelte Bild vom „bösen Westen“ allerdings ziemlich abenteuerlich. Ein Überblick über einige der abstrusesten Meldungen:

Russland-Propaganda: USA sollen Ukrainer in „geheimen Experimenten“ in „Monster“ verwandeln 

Die russische Tageszeitung Kommersant berichtet von US-Biolaboren auf ukrainischem Gebiet. Dort würden ukrainische Soldaten zu militärischen Zwecken unter leistungssteigernde Drogen gesetzt. Blutanalysen ukrainischer Armee-Angehöriger hätten gezeigt, dass sie „geheimen Experimenten“ ausgesetzt waren, die sie in „die grausamsten Monster“ verwandelten. Kommersant gehört dem Putin-Freund Alischer Usmanow.

Die Erzählung von gefährlichen US-Biolaboren in der Ukraine ist im Kern nicht neu. Ned Price, Sprecher des US-Außenministeriums, sagte dazu: „Der Kreml verbreitet absichtlich die Unwahrheit, dass die Vereinigten Staaten und die Ukraine chemische und biologische Waffen in der Ukraine einsetzen“. Die Pressesprecherin des Weißen Hauses, Jen Psaki, kritisierte auf Twitter, dass „chinesische Beamte diese Verschwörungstheorien wiederholen“.

Russland-Propaganda: Olaf Scholz soll Enkel eines SS-Generals sein - „wie Hitler“

Die populäre Nachrichtensendung Vesti Nedeli („Nachrichten der Woche“) beleuchtete zuletzt Olaf Scholz‘ Familienalbum. Das Fazit: Der deutsche Bundeskanzler sei wie Adolf Hitler. „Sieht er aus wie Hitler? Auf jeden Fall. Ihm fehlt nur noch der Schnauzer.“ Zudem habe die Familie des SPD-Politikers eine Nazi-Vergangenheit. „Sein Großvater war ein hochrangiger SS-General, der zweimal gegen Russland kämpfte. Er war persönlich an der Ermordung von Juden in Polen und der Ukraine beteiligt.“

Russische Propagandisten behaupten gerne, dass westliche Politiker familiäre Beziehungen zu hochrangigen NS-Leuten haben. Auch Gesundheitsminister Karl Lauterbach musste diese Erzählungen schon über sich ergehen lassen. Bei Scholz‘ angeblichem Nazi-Opa geht es um den SS-General Friedrich von Scholz. Das Presse- und Informationsamt der Bundesregierung dementiert die Behauptung. General von Scholz habe keine Kinder gehabt, wie der Blick ins Archiv gezeigt habe. Auf seiner Website schreibt Scholz: „Mein Großvater war Eisenbahner, meine Eltern arbeiteten in der Textilwirtschaft.“

Russland-Propaganda: Dänen sollen in Extra-Bordells Schildkröten vergewaltigen

Im staatlichen Fernseh-Kanal Russia 1 ging es zuletzt um die sexuellen Vorlieben der EU-Bevölkerung. Menschen hätten Sex mit Tieren haben – legal. „Sie haben ein Bordell für Zoophile veröffentlicht“, schilderte der Moderator. „Könnt ihr euch das vorstellen? Für Zoophile in Dänemark. Es ist ganz legal. Man kann dort hingehen und, keine Ahnung, eine Schildkröte vergewaltigen. Solche Idioten, das ist wirklich wahr.“ Diese Meldung basierte auf dem Artikel einer Satirewebseite.

In dem Beitrag, den der Fernsehsender Arte ins Deutsche übersetzt hat, attackiert der TV-Sender auch Deutschland. Die Bundesrepublik habe ein großes Problem mit Pädophilen. „Die Deutschen haben dieses Programm gestartet. Du kannst in einen Kindergarten gehen und die Kinder anfassen.“ Dann folgt ein Dialog zwischen dem Moderatoren-Duo. „Werden Pädophile jetzt eine neue sexuelle Minderheit?“ „Was kommt als nächstes? Werden Sie anfangen, Serienmördern zu verzeihen?“.

Russland-Propaganda: Selenskyj im Visier des Staatsfernsehens

Regelmäßig nehmen russische Politiksendungen den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj ins Visier. So hieß es etwa zwischen Selenskyj habe mitten im Krieg das Land verlassen und sei nach Polen geflüchtet. Ebenfalls zu hören: Selenskyj sei eine Marionette des Westens, der sich seine Politik vor allem von den USA diktieren lasse und als früherer Schauspieler die Rolle des Staatschefs spiele. Auf Rossija 1 gab es Berichte, denen zufolge der Präsident der Ukraine von der US-Botschaft aus „die Vernichtung der ukrainischen Soldaten“ steuere.

Zudem sei er drogenabhängig. Beweisen sollte das ein von Selenskyj selbst aufgenommenes Video. In einem seiner regelmäßigen Ansprachen sei „weißes Pulver“ auf dem Tisch zu erkennen. Kokain? Mitnichten, wie das österreichische Faktchecking-Portal Mimikama urteilt. „Eindeutig eine Tischverzierung.“

Russland-Propaganda: „Entnazifizierung“ und „Demilitarisierung“ der Ukraine

Im russischen Fernsehen greift auch wiederholt Forderungen und Narrative des Kreml auf. So müsse die Ukraine „entmilitarisiert“ und „denazifiziert“ werden. Außerdem stützen russische Staatsmedien die Kreml-Behauptung, dass Russland keine zivilen Ziele angreift. Amnesty International hat gleichwohl „mehrere Angriffe der russischen Armee auf zivile Gebiete in der Ukraine dokumentiert“. Die Vereinten Nationen berichteten von mehreren Kriegsverbrechen. Laut Angaben des UN-Menschenrechtsbüros haben die russischen Streitkräfte wahllos bewohnte Gebiete beschossen und bombardiert und dabei Zivilisten getötet sowie Krankenhäuser, Schulen und andere zivile Infrastrukturen angegriffen. 

Falschmeldungen spielen auch im Internet eine große Rolle. Regelmäßig tauchen gefälschte Bilder oder Videos auf, die auf den ersten Blick authentisch wirken. Die Kollegen von Buzzfeed News haben sich einige Beispiele genauer angeschaut: Im Fake-News-Ticker entlarven sie russische Falschmeldungen. Auch Russland verwendet den Begriff „Fake News“, allerdings nicht auf sich selbst bezogen. Wer angebliche „Falschnachrichten“ verbreitet, wird in Russland hart bestraft. Der Kreml setzte während des Krieges ein weiteres schwammiges Gesetz in Kraft und erweiterte die Liste der „Fake News“. (as)

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