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Militärexperte hält Ukraine-Gegenoffensive für „unausweichlich“ und erklärt, wie Deutschland helfen kann

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Von: Bedrettin Bölükbasi

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Die Ukraine will im Süden des Landes verlorene Gebiete mit einer Gegenoffensive zurückerobern. Ein Ex-Bundeswehrgeneral hält dies für unbedingt nötig und drängt zu mehr Waffenlieferungen.

München - Die Truppen des russischen Machthabers Wladimir Putin besetzten schon sehr früh im Ukraine-Konflikt die Region Cherson im Süden des Landes. Offenbar zielt Russland darauf ab, das Gebiet nach dem Vorbild der Krim zu annektieren. Nach den schmerzhaften Ereignissen von 2014 will die Ukraine allerdings kein weiteres Mal Territorien an Russland verlieren.

Mit einer Gegenoffensive sollen diese Gebiete nun wieder zurückerobert werden. Dies scheint zwar nicht einfach. Doch nach der Einschätzung des Militärexperten und Brigadegenerals a. D. der Bundeswehr, Klaus Wittmann, sind offensive Aktionen der ukrainischen Seite inzwischen „unausweichlich“. Ihm zufolge kann der Westen mit weiteren Waffenlieferungen helfen.

Ukraine-Krieg: Ex-Brigadegeneral Wittmann warnt vor „Gebietsabtretungen“ an Putins Russland

In einem Meinungsbeitrag in der Welt-Zeitung warnte der ehemalige Brigadegeneral zunächst vor dem Vorschlag, dass die Ukraine „Gebietsabtretungen“ hinnehmen solle. Schließlich gehe es hier um Regionen, Städte und Dörfer in denen unter russischer Besatzung „Mord, Vergewaltigung, Folter“ und vieles mehr herrschen würden. Immerhin habe man dies in bereits von Russland eroberten Teilen der Ukraine „mit Horror“ beobachtet, so Wittmann.

„Natürlich kann die ukrainische Führung sich nicht mit dem Verlust von mittlerweile 20 Prozent des Staatsgebiets abfinden“, betonte der Experte in seinem Beitrag. Die Folge: „Rückerhalt, notfalls Rückeroberung, von entscheidend wichtigen Gebieten“ sei nun die „Voraussetzung für jeden Friedensschluss“.

Wittmann nannte auch welche Ziele die ukrainische Führung in erster Linie vor Auge haben sollte. So müsse man die „Landbrücke zur Krim“ mit der Hafenstadt Mariupol, aber auch die Großstadt Cherson von russischen Truppen zurückerobern. Dort probe man „durch Russifizierung von Verwaltung, Geld und Passwesen schon die Etablierung weiterer ‚Volksrepubliken‘“, unterstrich der ehemalige Bundeswehr-Brigadegeneral.

Ukraine-Krieg: Wittmann kritisiert Ampel-Koalition für zögerliche Waffenlieferungen

Offensive Operation der ukrainischen Streitkräfte im Ukraine-Krieg sind laut Wittmann „unausweichlich“. Damit sie auch aussichtsreich sind, müsse aber die Feuerkraft des ukrainischen Militärs erhöht werden. Hier sieht der Militärexperte und Ex-Brigadegeneral die westlichen Länder einschließlich Deutschland in Verantwortung. Es sei wichtig, „die Ukraine mit wirksamen Luftabwehrsystemen, Artillerie und Mehrfachraketenwerfern zu unterstützen“. Dabei erwähnte Wittmann die militärischen Erfolge der ukrainischen Armee mit den Himars-Raketenwerfern aus US-Herstellung.

In diesem Zusammenhang kritisierte der Ex-Brigadegeneral in seinem Beitrag auch die Haltung der Ampel-Koalition hinsichtlich Waffenlieferungen im Ukraine-Konflikt. Für „Gegenangriffsoperationen“ brauche es neben Artillerie auch „gepanzerte Fahrzeuge, die Schutz bieten und wirksam schießen“. Wittmann verwies hier auf 200 „Fuchs“-Transportpanzer, deren Lieferung von der Bundesregierung abgelehnt wurde, sowie jeweils 100 „Leopard“-Kampfpanzer und „Marder“-Schützenpanzer, die die deutsche Industrie seit mehreren Wochen anbiete. „Allein diese rund 400 Gefechtsfahrzeuge würden einen großen Unterschied bedeuten“, so der Militärexperte.

Doch die Bundesregierung wolle nicht liefern. Wittmann appellierte an dieser Stelle an die Ampel: „Die Koalition muss einsehen, wie viel Zeit durch Vorbehalte, Verschleppung und das Verstecken hinter anderen vertan wurde.“ Dabei hänge der Erfolg der ukrainischen Gegenoffensive von militärischer Unterstützung von außen ab, betonte der Ex-Brigadegeneral - „nicht zuletzt durch Deutschland“. (bb)

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