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Schlimmste Vorwürfe bestätigt? Russland gibt offenbar Einsatz der „Höllenwaffe“ zu

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Von: Stephanie Munk

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Im Ukraine-Krieg werden Russland grausame Kriegsverbrechen vorgeworfen. Einen schlimmen Verdacht hat Putins Verteidigungsministerium jetzt offenbar selbst zugegeben.

Kiew - Im Ukraine-Krieg schockt eine neue Nachricht: Die russischen Truppen bombardierten offenbar eine Kinderklinik in der Stadt Mariupol. Nach ukrainischen Angaben gibt es Tote und Verletzte. Das weltweite Entsetzen ist groß, Russlands Vorgehen wird als barbarisch, unmenschlich und feige bezeichnet - der Kreml verteidigt sich allerdings. Russland habe bereits am 7. März die Vereinten Nationen informiert, dass in der ehemaligen Klinik kein medizinisches Personal mehr sei, sondern ein Lager ultraradikaler Kämpfer des ukrainischen Bataillons Asow, sagte Außenminister Sergej Lawrow am Freitag nach Verhandlungen mit seinem ukrainischen Amtskollegen Dmytro Kuleba.

Doch auch eine weitere schlimme Befürchtung scheint sich zu bewahrheiten - Berichten zufolge gibt es nun sogar eine Bestätigung aus Russland. Die Armee Wladimir Putins setzt im Ukraine-Krieg offenbar auch eine besonders grausame Waffe ein: Den gepanzerten Mehrfachraketenwerfer TOS-1A, der in der Lage ist, 24 Raketen gleichzeitig abzufeuern. Die Raketen können mit einem thermobarischen Sprengkopf, genannt auch Vakuumbombe, aufgerüstet werden. Dadurch werden sie zu einer fürchterlichen Waffe.

Der Mehrfachraketenwerfer TOS-1 Buratino bei einer Übung in einem Militärgebiet in Russland.
Der Mehrfachraketenwerfer TOS-1 Buratino bei einer Übung in einem Militärgebiet in Russland. © Rogulin Dmitry/dpa

Ukraine-Krieg: Einsatz von Putins Höllenwaffe nun offenbar bestätigt

Schon in der ersten Woche des Ukraine-Kriegs gab es die Befürchtung, dass Russland in der Ukraine den Flammenwerfer TOS-1 einsetzt. Die tödlichen Raketenwerfer wurden mehrfach in der Nähe der russisch-ukrainischen Grenze gesehen. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte schon am 1. März gewarnt, dass die russische Armee den oft als Höllenwaffe bezeichneten Mehrfachraketenwerfer eingesetzt hat. Auch die ukrainische Botschafterin in den USA, Oksana Markarowa, warf Russland das vor: „Sie haben heute eine Vakuumbombe eingesetzt, was nach der Genfer Konvention verboten ist“, sagte sie am 28. März. Offiziell bestätigt waren die Vorwürfe bis jetzt aber nie.

Nun aber scheint das russische Verteidigungsministerium den Einsatz des gepanzerten Mehrfachraketenwerfers selbst zugegeben zu haben. Das twitterte das britische Verteidigungsministerium am Dienstag, 9. März. Auch das ukrainische Nachrichtenportal Segodnya.ua berichtet darüber und bezieht sich auf einen Bericht des russischen Fernsehsenders Zvevda, der dem russischen Verteidigungsministerium gehört. Russland habe demnach zugegeben, im Ukraine-Krieg das Mehrfachraketenwerfer-System TOS-1 „Solnzepjok“ (übersetzt: „Sonnenhitze“) eingesetzt zu haben.

Ukraine-Krieg: Wirkung von Russlands Mehrfachraketenwerfern „verheerend“

Beim 2001 entwickelten Flammenwerfer TOS-1A Solnzepjok handelt es sich laut der Fachzeitschrift Militär aktuell um den Nachfolger des TOS-1 Buratino, mit dem Unterschied, dass das neuere Modell auf bis zu sechs Kilometer entfernte Ziele feuern kann. Der Vorgänger TOS-1 Buratino hatte eine Reichweite von 3,5 Kilometer. Erstmals zum Einsatz sei der Mehrfachraketenwerfer TOS-1 in den 1980er Jahren im sowjetisch-afghanischen Krieg, im Tschetschenien-Krieg seien damit „großflächig Minenfelder beschossen“ worden.

Die Wirkung ist laut einem Bericht des Stern verheerend. Nach den ersten Einsätzen in Tschetschenien habe die CIA in einem Bericht geschrieben: „Im Flammenbereich werden alle Personen ausgelöscht. Auch darüber hinaus erleiden Opfer innere und häufig unsichtbare Verletzungen, Trommelfelle und innere Organe reißen.“ In der Zone der Explosion sei man selbst in Bunkern und Tunneln nicht sicher. „Auf etwaige Zivilisten im Zielgebiet nimmt die Explosion keine Rücksicht“, heißt es.

Thermobarische Bombe (Vakuumbombe oder Aerosolbombe)

Eine Thermobarische Bombe, im Deutschen auch Aerosolbombe genannt, bezeichnet eine spezielle Waffe, die beim Auslösen eine Substanz ohne Oxidationsmittel als Aerosol in der Luft verteilt und dieses mit dem Sauerstoff der Umgebung vermengt dann zündet. Durch die zwei Phasen der Explosion wird ein Vakuum erzeugt, woraus sich der umgangssprachliche Name Vakuumbombe ableitet.
Durch die Verteilung der Aerosole wirkt die Vakuumbombe effektiver beim Beschuss von befestigten Strukturen. Zusätzlich zu der großflächigen Wirkung kommt es bei der Zündung einer Aerosolbombe zu stärkerer Hitzeentwicklung als bei konventionellen Bomben.

Der Einsatz von Aerosolbomben ist nach dem Genfer Protokoll III über Brandwaffen von 1980 in der Nähe ziviler Strukturen oder Zivilisten verboten. 

Dem russischen Präsidenten Wladimir Putin werden im Ukraine-Krieg mehrere Kriegsverbrechen vorgeworfen, neben dem Einsatz von Vakuumbomben auch das Verwenden von Streumunition und der Angriff auf zivile Ziele. Der internationale Strafgerichtshof nahm Ermittlungen auf, in Deutschland ermittelt der Generalbundesanwalt. Alle Informationen zum Ukraine-Konflikt finden Sie im News-Ticker zu den Verhandlungen im Ukraine-Krieg und zur militärischen Lage im Ukraine-Krieg. Alle Informationen zum Hintergrund der Ukraine-Krise lesen Sie hier. (smu)

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