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Fatale Folgen durch Ukraine-Krieg: Russlands Seeblockade könnte weltweite Nahrungsmittelkrise auslösen

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Von: Bettina Menzel

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Das russische Landungsschiff BDK-58 Kaliningrad im Schwarzmeer. Die russische Seeblockade der Schwarzmeerhäfen sorgt weltweit für eine Verknappung des Nahrungsmittelangebots (Symbolbild). © Russian Defence Ministry / ITAR-TASS / Imago

Die Ukraine ist die „Kornkammer der Welt“. Doch wegen der russischen Seeblockade im Schwarzmeer kann der ukrainische Weizen nicht exportiert werden - in ärmeren Ländern droht eine Hungersnot.

Odessa - Die Getreideernte im Süden der Ukraine steht kurz bevor. Die schier unendlichen Weizenfelder nahe der Hafenstadt Odessa lassen nicht vermuten, dass eine Hungersnot drohen könnte. Doch Russland blockiert im eskalierten Ukraine-Konflikt das Schwarzmeer. Der lebenswichtige ukrainische Weizen kann das Land nicht verlassen und droht zu verrotten - mit katastrophalen Folgen für ärmere Länder.

Ukraine-Konflikt: Kornkammer der Welt kann nicht exportieren - das sind die verheerenden Folgen

Vor dem russischen Überfall am 24. Februar dieses Jahres exportierte die Ukraine monatlich rund 4,5 Millionen Tonnen landwirtschaftlicher Erzeugnisse, darunter etwa zwölf Prozent des weltweit erzeugten Weizens, 15 Prozent des Maises und die Hälfte des Sonnenblumenöls. Die Stadt Odessa am Schwarzmeer war viele Jahrzehnte lang das Zentrum für den landwirtschaftlichen Export. Von dort verschiffte die Ukraine das Getreide in die Welt. Doch nun blockiert Russland die Handelsrouten im Schwarzmeer.

20 Millionen Tonnen Lebensmitteln lagern offenbar noch in der Ukraine und drohen zu verrotten. In anderen Teilen der Erde würden sie dringend gebraucht. Im Tschad etwa, wo die Regierung wegen der steigenden Preise für Lebensmittel den Nahrungsmittelnotstand ausgerufen hat. Mehr als ein Drittel der Bevölkerung im Tschad könnte laut Angaben der Vereinten Nationen dieses Jahr auf humanitäre Hilfe angewiesen sein.

Russlands Krieg in der Ukraine: 1,4 Milliarden Menschen könnten von Nahrungsmittelknappheit betroffen sein

„Je nach Dauer des Krieges könnten zwischen 33 und 47 Millionen Menschen zusätzlich in Hunger und Armut abrutschen“, sagte der Direktor des Welternährungsprogramms der Vereinten Nationen (WFP) in Deutschland, Martin Frick, der Deutschen Presse-Agentur im April. Die Zahl der akut Hungernden weltweit habe schon vor Beginn des Krieges mit 276 Millionen Menschen auf einem traurigen Rekordniveau gelegen.

Amin Awad, der UN-Krisenkoordinator für die Ukraine schätzt, dass etwa 1,4 Milliarden Menschen weltweit von Nahrungsmittelknappheit betroffen sein könnten. Das sagte er bei einer UN-Online-Pressekonferenz am Freitag. Dabei geht es nicht nur um die aktuellen Ernten und Lagerbestände. Russland ist einer der wichtigsten Exporteure von Dünger, stoppte aber den Export, weshalb der Ukraine-Krieg auch künftige Ernten maßgeblich beeinflusst.

Vorwurf im Ukraine-Konflikt: Russland setzt „Hunger als Kriegswaffe ein“

Wenn die Öffnung der Schwarzmeer-Häfen scheitert, werde dies Hunger, Destabilisierung und Massenmigration auf der ganzen Welt zur Folge haben, warnte Amin Awad am Freitag. Die deutsche Außenministerin Annalena Baerbock hatte Russland zuvor bereits vorgeworfen, Hunger als Kriegswaffe einzusetzen. Wladimir Putin führe den Krieg nicht nur mit Panzern, Raketen und Bomben, sagte Baerbock Mitte Mai vor der UN in New York.

„Russland führt diesen Krieg auch mit einer anderen schrecklichen, aber leiseren Waffe: Hunger und Entbehrung.“ Dies passiere in einer Zeit, in der im Nahen Osten und in Afrika bereits Millionen von Hunger bedroht seien – durch die Klimakrise, die Covid-Pandemie und regionale Konflikte.

Zusätzlich zu der Seeblockade importiert Russland das in der Ukraine gelagerte Getreide nun, wie Satellitenbilder beweisen sollen. Die Ukraine spricht von „Diebstahl“. Diese Taktik weckt Erinnerungen an den „Holodomor“. Der Begriff bezeichnet „Mord durch Hunger“. Etwa vier Millionen Ukrainer verhungerten zwischen 1931 und 1933 durch die damalige Politik in der Sowjetunion unter dem Regime von Josef Stalin. Doch der ukrainische Außenminister Dmytro Kuleba sieht keine Parallele zwischen dem Ukraine-Krieg und der historischen Hungersnot in den 30er-Jahren, wie er in einem Interview mit der Zeitung Welt mitteilte. Denn momentan habe man in der Ukraine genug Agrarprodukte, um sich zu ernähren. „Wir verfolgen aber die Schiffsladungen genau, die Russland ins Ausland schickt, und versuchen, Regierungen davon zu überzeugen, dieses Diebesgut nicht zu kaufen“, so Kuleba weiter (bm/dpa/AFP).

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