1. Startseite
  2. Politik

Taktischen Fehler Russlands ausgenutzt - Ukraine startet zweite Gegenoffensive

Erstellt:

Von: Stefanie Fischhaber

Kommentare

Die Ukraine gibt sich im Krieg gegen Russland nicht geschlagen. Durch eine überraschende Gegenoffensive konnten ukrainische Soldaten über 20 Orte zurückgewinnen.

Kiew - Sechs Monate dauert der Ukraine-Krieg schon an. Doch die Ukrainer wollen sich nicht geschlagen geben und kämpfen weiter. Aus der Region Charkiw gibt es nun gute Nachrichten: Mit einer Gegenoffensive konnten ukrainische Soldaten zahlreiche Orte wieder zurückgewinnen. Experten vermuten dahinter eine taktische Kriegsführung der Ukraine.

Selenskyj hat „gute Nachrichten“ im Ukraine-Krieg: Kiew gewinnt über 20 Orte zurück

„Es gibt gute Nachrichten aus der Region Charkiw“, verkündete der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj stolz in seiner Videobotschaft am Donnerstagabend. Seit Anfang der Woche hat die Ukraine nach eigenen Angaben im Gebiet Charkiw im Osten des Landes über 20 Orte von den russischen Besatzern befreit.

„Zum jetzigen Zeitpunkt sind unsere Soldaten bis zu 50 Kilometer tief in die Verteidigungslinien des Gegners vorgedrungen“, sagte Generalstabsvertreter Olexij Hromow am Donnerstag auf einer Pressekonferenz in Kiew. Aktuell würden in den befreiten Orten „Säuberungen vom Gegner“ andauern.

Machen Sie mit und stimmen ab

Überraschungseffekt: Ukrainer überrennen russische Truppen bei Charkiw

Auch das Institute for the Study of War berichtet von Erfolgen der ukrainischen Truppen: Demnach konnten die Soldaten 20 Kilometer weit in durch Russland belagertes Territorium einmarschieren und ca. 400 Quadratkilometer Land zurückerobern. Die Kriegsexperten vermuten hinter diesem Erfolg eine taktische Kriegsführung der Ukraine.

Sie gehen davon aus, dass die ukrainischen Soldaten die russischen Truppen im Osten des Landes überraschten. Durch die Gegenoffensive im Gebiet Cherson habe Russland viele Soldaten in den Süden der Ukraine verlegt. Russland habe seinen militärischen Fokus auf den Süden gelegt und seine Truppen in anderen Landesteilen ausgedünnt und geschwächt. Dadurch hatten die ukrainischen Soldaten eine Chance.

Ukrainische Soldaten fahren auf einem gepanzerten Fahrzeug auf einer Straße.
Ukrainische Soldaten konnten durch eine Gegenoffensive zahlreiche Orte zurückerobern. © Leo Correa/ dpa

Ukraine erobert Region um Charkiw zurück - Russen befürchten Isolation

Die russische Seite befürchte nun, dass die Ukrainer ihnen die Bodenkommunikationslinien (GLOCs) zu den russischen rückwärtigen Gebieten in Kupyansk und Izyum kappen und damit die russischen Truppen in diesen Gebieten isolieren könnten.

Russische Militärblogger räumten der ukrainischen Seite bereits Erfolge ein. Außerdem kursierte die Behauptung im Netz, dass die Gegenoffensive in Cherson als Ablenkungsmanöver für die Gegenoffensive in Charkiw gedient hätte. Auch im südukrainischen Gebiet Cherson seien die russischen Truppen an mehreren Abschnitten um zwei und bis zu mehreren Dutzend Kilometer zurückgedrängt worden.

Ukraine-Krieg: Ukraine hält sich bedeckt

Bildmaterial von Anwohnern aus den sozialen Medien zeigt: Die russischen Truppen wurden durch den Angriff der Ukrainer wohl wirklich überrascht. „Es sieht nicht so aus, als seien die Russen kampfbereit gewesen oder wussten überhaupt, dass ein Kampf kommen würde“, kommentiert der ehemalige US-Leutnant Ben Hodges die Bilder. Die Ukrainer hätten gute Arbeit darin geleistet, ihre militärischen Pläne zu schützen.

Insgesamt seien Gebietsgewinne von mehr als 700 Quadratkilometer erzielt worden, heißt es aus Kiew. An den anderen Frontabschnitten bestehe weiter eine „schwierige, jedoch nicht kritische Situation“. Die Lage im Süden des Landes zeigt, dass sich die Dynamik derzeit zugunsten der Ukraine zu wenden scheint. (sf)

Auch interessant

Kommentare