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Auf Sicht keine Chance gegen ukrainischen Widerstand? Experte unterstellt Russland gravierendes Problem

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Von: Linus Prien

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Russlands Offensive konzentriert sich auf Gebiete im Süden und im Osten der Ukraine. Ein Militärexperte erklärt Russlands Beweggründe und warum dem Kreml Truppen in der Ukraine fehlen.

Queensland - Die russische Armee hat womöglich nicht genügend Streitkräfte in der Ukraine, um eingenommene Territorien im Süden und im Osten des Landes langfristig zu halten. Diese These vertritt jedenfalls der australische Militärexperte Mick Ryan. Der ehemalige General analysierte auf Twitter auch die russischen Motive, sich im eskalierten Ukraine-Konflikt auf den Süden und den Osten der Ukraine zu konzentrieren.

Ukraine-Krieg: Das Halten von Regionen könnte für Russland schwerer als das Einnehmen werden

Wie der Militärexperte erklärte, halten die Truppen Wladimir Putins große Gebiete im Süden und im Osten der Ukraine. Dazu zählten auch wichtige Küstenstädte und Häfen. Ryan machte jedoch auf den entscheidenden Unterschied zwischen dem Einnehmen und dem Halten von Territorien aufmerksam.

Zum Halten müsse man zum einen die eingenommene Region verteidigen. Zum anderen müsse man die Bevölkerung vor Ort auf seine Seite bringen. In Syrien und Tschetschenien scheiterte Russland dem Experten zufolge daran, die Bevölkerung vor Ort zu befrieden. Das habe nicht zuletzt daran gelegen, dass Russland keine Entwicklungshilfen in besetzten Regionen zu Verfügung gestellt hatte.

Mit Ausnahme der Regionen Luhansk und Donezk werde Russland auch in den meisten ukrainischen Regionen auf großen Widerstand der Bevölkerung stoßen, meinte Ryan. In besetzten Städten und Dörfern seien einmal mehr keine Befriedungsversuche unternommen haben. Im Gegenteil, wie unter anderem in Butscha und Mariupol zu zeigen scheinen, sind die russischen Truppen vermutlich mit extremer Gewalt gegen ukrainische Zivilisten vorgegangen. Ryan prognostizierte, dass die Ukrainer aufgrund der Brutalität der russischen Armee jeglichen Widerstand gegen ihre Besatzer unterstützen werden.

Ukraine-Krieg: Warum Russland die Hafenstädte der Ukraine besetzen möchte

Die Donbassregion um Luhansk und Donezk einzunehmen, zählt Ryan zufolge zudem zu den wichtigsten Kriegszielen Russlands. Andere Experten sehen den Donbass als ein wichtiges innenpolitisches Signal. Im Osten und im Süden der Ukraine befinden sich zum einen Bodenschätze, Fabriken und Minen.

Zum anderen würde der Verlust der Hafenstädte die Exportkapazitäten der Ukraine stark einschränken. Russland könnte auf diesem Wege die Wirtschaftsleistung der Ukraine massiv beeinträchtigen. Wie der Militärexperte weiter ausführte, hatte die Ukraine 2021 60 Prozent ihrer Exporte und 50 Prozent ihrer Importe per Seefracht abgewickelt.

Zugleich handle es sich bei der Küstenregion um eine strategisch vorteilhafte Position. Vom Süden aus könnte die russische Armee beispielsweise eine Offensive auf die Hafenstadt Odessa starten. Und: Sollten diese Gebiete gehalten werden können, wäre eine Landbrücke zwischen der annektierten Halbinsel Krim und russisch besetzten Gebieten geschaffen.

Russische Soldaten in Mariupol
Russische Soldaten in Mariupol © IMAGO/Ilya Pitalev

Ukraine-Krieg: Langfristig soll Russland seine Gebiete nicht halten können

Ryan machte zuletzt auf die Bevölkerungszahlen im Osten und im Süden der Ukraine aufmerksam. Um Cherson, Saporischschja, Charkiw, Donezk und Luhansk herum sollen 2021 rund 12 Millionen Ukrainer gelebt haben. Der Experte ging stark davon aus, dass es zu Aufständen von ukrainischer Seite aus kommen werde.

Unter Berufung auf eine Studie schrieb Ryan, bräuchten die russischen Streitkräfte 16 Soldaten auf 1000 Aufständische. Wenn man von einer Bevölkerungszahl von 12 Millionen Ukrainern in den besetzten Gebieten ausginge, bräuchte die russische Armee allein in diesen Gebieten rund 192.000 Soldaten. Vor dem Hintergrund der Wahrscheinlichkeit von ukrainischen Aufständen, die durch den Westen begünstigt werden könnten und den eingeschränkten militärischen Kapazitäten der russischen Armee, hielt der Experte eine langfristige Besatzung der Gebiete im Osten und im Süden der Ukraine deswegen für unwahrscheinlich. (lp)

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