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Experte wundert sich über „bizarre“ Pläne Putins: Russland in drei bis vier Wochen kampfunfähig?

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Von: Linus Prien

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Hat sich Wladimir Putin verkalkuliert? Das russische Militär halte wahrscheinlich nicht mehr länger als vier Wochen durch, mutmaßt ein Experte. Zuvor droht jedoch große Zerstörung.

Hamburg - In drei bis vier Wochen wird die russische Armee kampfunfähig sein. So lautet jedenfalls die Einschätzung von Michael Kofman. Vorgebracht hat sie der Direktor des Forschungsprogramms für Russlandstudien des Center for Naval Analyses, eines Forschungszentrums der U.S. Navy, in einem Interview mit dem Spiegel.

Ukraine-Krieg: Die Fehleinschätzung des Wladimir Putin

Die russische Armee sei auf keine groß angelegte Militäroperation vorbereitet gewesen, erklärte Kofman. Man sei im Kreml offenbar davon ausgegangen, schnell in das Land eindringen und die Hauptstadt Kiew einnehmen zu können. Diese militärische Fehleinschätzung bringe auch mit sich mit, dass nicht ausreichend Nachschublinien im Land aufgebaut wurden. Das sei ein Mitgrund für die schlechte Versorgungslage der russischen Truppen.

Ob die russische Armee Kiew einnehmen könne, sei unklar. Kofman geht jedoch davon aus, dass Russland es versuchen wird. Das bedeute jedoch schwere Straßenkämpfe in der Stadt, warnte der Experte - das verstoße auch gegen den ursprünglichen russischen Plan. Gleichwohl sei unklar, wie stark die ukrainischen Kräfte von Ort sind. Mit Blick auf die russische Armee mutmaßt er: „Ich denke, dass es wahrscheinlich drei oder vier Wochen dauern wird, bis sie weitgehend kampfunfähig werden.“

Kiew vor harter Schlacht? Ein „furchtbar organisierter“ Krieg

Kofman argumentiert mit einer zu hohen Verlustrate auf russischer Seite. Zudem spricht er von großer Erschöpfung unter den Soldaten. Zu viel Material und zu viel Personal sei verloren gegangen. Das führe auch zu einer schlechten Moral, die ohnehin von vorneherein niedrig gewesen sein soll. Der Experte erklärt, die Russen seien anders vorgegangen als in der Vergangenheit. Die kleineren Formationen, in denen sie sich bewegen, seien anfälliger für Moralverlust. Zum anderen wurden angeblich viele Soldaten nicht darüber aufgeklärt, dass sie in einen Krieg ziehen.

Putins Ukraine-Strategie: „Kein rationaler Einsatz der russichen Militärmacht“

Für den Experten ist diese Invasion „kein rationaler Einsatz der russischen Militärmacht“. Die ganze Operation sei „zutiefst bizarr“. Vor allem deswegen, weil das russische Heer über große Kapazitäten und Technologien verfügt, welche es nicht einsetzt: „Ich meine, dieses Militär kämpft, als käme es aus den Achtzigerjahren.“ Dies mag zum einen daran liegen, dass der Einsatz dieser Waffen nicht geplant war. Es sei dennoch ein Rätsel, warum Russland nur bedingt modernere Kriegsführung betreibe. Dass Russland in der Lage dazu sei, habe es in Syrien, der Ukraine und bei Übungen bewiesen.

Kann Putin gewinnen?

Es sei für Putin möglich, seine militärischen Ziele zu erreichen. Politisch könne er jedoch nicht gewinnen: „Der ganze Feldzug basierte auf Kriegsoptimismus und völlig unrealistischen Grundannahmen.“ Einen militärischen Sieg für die Ukraine hält Kofman auch für möglich. Jedoch würde dies zu immensen Kosten führen. Er schlussfolgert: „Dieser Krieg wird für beide Länder unglaublich zerstörerisch sein.“ (lp)

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