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Gezielte Provokation von Russland im Ukraine-Krieg? Platz vor US-Botschaft in Moskau umbenannt

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Von: Bettina Menzel

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Arbeiter installieren am Donnerstag (22. Juni) ein Schild mit der Aufschrift „Platz der Volksrepublik Donezk“ auf einem Platz neben der US-Botschaft in Moskau.
Arbeiter installieren am Mittwoch (22. Juni) ein Schild mit der Aufschrift „Platz der Volksrepublik Donezk“ auf einem Platz neben der US-Botschaft in Moskau. © IMAGO/Sergei Fadeichev / ITAR-TASS

Mitten im Ukraine-Krieg ändert Moskau die offizielle Adresse der US-Botschaft zum „Platz der Donezker Volksrepublik“ ab. Eine gezielte Provokation?

Moskau - Mitten im Ukraine-Krieg erlaubt sich Russland einen Seitenhieb gegen die USA. Der Platz vor der US-amerikanischen Botschaft in Moskau heißt nun „Platz der Donezker Volksrepublik“. Die diplomatischen Vertreter der Vereinigten Staaten müssen daher ab sofort immer auf die von Washington nicht als unabhängiger Staat anerkannte Donezker Volksrepublik verweisen, wenn sie ihre Adresse angeben. Die Idee ist allerdings nicht neu – die USA gingen im Jahr 2018 in Washington ähnlich vor.

Moskau initiiert Umfrage, um neuen Namen des Platzes vor US-Botschaft auszuwählen

Die Initiative zur Änderung der Adresse der US-Botschaft ging vom Moskauer Stadtparlament (Duma) aus. Den Namen „Platz der Donezker Volksrepublik“ legten die Verantwortlichen mittels einer vorherigen Online-Umfrage in der Bevölkerung fest. Über 25.000 Menschen sollen teilgenommen haben, wie Newsweek berichtete. Allerdings standen mit „die Verteidiger des Donbass“ und dem im März gefallenen Separatisten Wladimir Schoga insgesamt nur drei Optionen zur Auswahl, von denen sich die Donezker Volksrepublik als Sieger herauskristallisierte. Politikbeobachter gehen davon aus, dass es sich um eine gezielte Provokation handelte. Auch Kremlsprecher Dmitiri Peskow zeigte offiziell seine Unterstützung für die Adressänderung.

Schon im Mai hatte die Moskauer Duma den Vorschlag unterbreitet, den Bereich in der Nähe der US-Botschaft in „Platz der Verteidiger des Donbass“ umzubenennen. Auf dem Nachrichtendienst Telegram reagierte die US-Botschaft in Moskau damals ironisch. Man sei überrascht, aber nicht beleidigt über den Vorschlag der Umbenennung des Platzes. Den neuen Namen habe man „vermutlich zu Ehren der ukrainischen Soldaten, die mutig ihre Heimat gegen die Aggression des Kreml verteidigten“ gewählt. „Das Land muss seine Helden kennen“, so die US-Botschaft weiter.

Die Ecke der Bolschoi-Devjatinsky-Gasse und der Konjuschkowskaja-Straße in der Nähe der US-Botschaft in Moskau, Russland. Der Platz vor der Botschaft wurde nun umbenannt.
Die Ecke der Bolschoi-Devjatinsky-Gasse und der Konjuschkowskaja-Straße in der Nähe der US-Botschaft in Moskau, Russland. Der Platz vor der Botschaft wurde nun umbenannt. © IMAGO/Anton Denisov / SNA

Provokation von Diplomaten: Russland folgt Beispiel der USA aus dem Jahr 2018

Allerdings ist die Idee nicht neu, Russland folgt damit einem Beispiel der USA aus dem Jahr 2018. Damals gaben die Vereinigten Staaten in der US-Hauptstadt Washington dem Platz vor der russischen Botschaft mit „Boris Nemtsov Plaza“ einen neuen Namen. Boris Nemtsov (zu Deutsch: Nemzow) war ein russischer Oppositionspolitiker, Putin-Kritiker und ehemaliger Präsidentschaftskandidat, der im Jahr 2015 in Moskau erschossen wurde.

Die tschechische Hauptstadt Prag ließ sich davon inspirieren und benannte den Platz vor der russischen Botschaft im Jahr 2020 nach Nemzow und eine Straße, die an der Botschaft vorbeiführt, nach Anna Politkowskaja, einer Journalistin und Kremlkritikerin, die ebenfalls erschossen worden war. Die russische Botschaft in Prag versuchte, den kaum verschleierten Affront zu umgehen, indem sie über längere Zeit ein Konsulatsgebäude für ihre Adressbezeichnung nutzte. Allerdings hielt diese Lösung nicht lange: Die Stadt Prag änderte den Straßennamen nach dem Überfall Russlands auf die Ukraine in „Straße der ukrainischen Helden“.

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