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Potemkinsche HIMARS? Ukraine foppt Russland offenbar mit Holz-Attrappen

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Von: Florian Naumann

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Hochpräzise: US-amerikanische Himars-Raketenwerfer. (Archivfoto)
Keine Attrappe: Ein US-amerikanischer Himars-Raketenwerfer. (Archivfoto) © Tony Overman/The Olympian/AP/dpa

Einst soll es „Potemkinsche Dörfer“ auf dem Gebiet der Ukraine gegeben haben. Nun täuscht das Land russische Truppen angeblich mit Holz-Raketenwerfern.

Washington/Odessa – Im 18. Jahrhundert, so die bekannte Erzählung, soll Fürst Potjomkin Russlands Zarin Katharina mit Holzkulissen vor schäbigen Dorffassaden in „Neurussland“ Aufbauerfolge vorgespiegelt haben. Wahr ist die Geschichte wohl nicht. Aber der Begriff des „potemkinschen Dorfes“ hat sich gehalten. Und er passt, schenkt man neuen Berichten aus der Ukraine Glauben, ganz vortrefflich auf eine neue List der ukrainischen Verteidiger gegen Wladimir Putins Angriffskrieg:

Denn angeblich setzt das ukrainische Militär auch auf Holzattrappen, um die Invasoren zu täuschen. Konkret geht es wohl nicht zuletzt um hölzerne Nachbildungen schlagkräftiger US-Raketensysteme, wie die Washington Post am Dienstag schreibt. Man habe sogar Fotos der Fake-Ziele einsehen können, berichtet die Tageszeitung. Die These der potemkinschen Raketenwerfer stützten auch hochrangige Beamte der Vereinigten Staaten.

Ukraine-News: Verteidiger wollen Russen mit Holz-Attrappen foppen – „Raketenwerfer“ als „VIP-Ziel“

Der mutmaßliche Effekt des Tricks: Die russischen Truppen verschwenden teure Marschflugkörper vom Typ Kalibr um banale Holzkisten zu zerstören. Russische Drohnen, die den Standort der vermeintlichen Raketensysteme an die Flotte im Schwarzen Meer übermittelten, könnten die Attrappen nicht von echten Artilleriebatterien unterscheiden, hieß es.

„Wenn die Drohnen die Batterie sehen, ist diese wie ein VIP-Ziel“, zitierte die Zeitung einen ukrainischen Offiziellen. Nach einigen Wochen hätten diese „Dummies“ bereits mindestens zehn Kalibr-Raketen in die Irre geleitet. Angesichts des Erfolgs habe man die Produktion der Replikate ausgeweitet.

Russland im Ukraine-Krieg fehlgeleitet: „Mehr Himars getroffen, als wir überhaupt geliefert haben“

Die Informationen könnten auch ein kleines „Rätsel“ aufklären, dessen Hintergrund anderenfalls womöglich einfach unter „Kriegspropaganda“ verbucht worden wäre. Denn den Quellen der Washington Post zufolge fallen die russischen Meldungen über zerstörte westliche Waffensystem unrealistisch hoch aus – gerade, wenn es um die von Experten als enorm kriegswichtig eingeschätzten Himars-Raketenwerfer der USA geht. „Sie haben behauptet, mehr Himars getroffen zu haben, als wir überhaupt geliefert haben“, zitierte das Blatt einen US-Diplomaten.

Unabhängig verifizieren ließen sich die Berichte allerdings nicht. Ungeklärt bleibt auch die Frage, ob die Ukraine mit dem Holzattrappen-Trick ohne Not einen strategischen Kniff preisgibt, was Präsident Wolodymyr Selenskyj nach eigenen Angaben eigentlich vermeiden will – oder ob die Unklarheit über die Echtheit von Zielen sogar weitere Verwirrung im russischen Militär stiften könnte.

Ukraine-Krieg: Potemkinsche Himars? Historischer Treppenwitz denkbar

Der Einsatz von Attrappen wäre keine neue Idee, weder militärhistorisch, noch im Ukraine-Krieg. Bereits im Mai kursierten Berichte, denen zufolge die Ukraine Dummys und Schaufensterpuppen einsetzt, um russische Angriffe fehlzuleiten. Auch die Bundeswehr betreibt nach eigenen Angaben im brandenburgischen Storkow eine „kleine Dienststelle“ für Attrappenbau als Beitrag zum Betätigungsfeld „Tarnen und Täuschen“.

Klar ist jedenfalls eines: Ist die Geschichte von den potemkinschen Waffensystemen wahr, es wäre ein Art historischer Treppenwitz vor äußerst ernstem Hintergrund. Denn das einstige „Neurussland“, der ganz reale Schauplatz der kleinen historischen Fiktion von den potemkinschen Dörfern, ist weitgehend deckungsgleich mit der heutigen Südukraine, einschließlich der Krim. Möglich, dass dort diesmal tatsächlich ein russischer Herrscher in die Irre geleitet wurde – oder zumindest seine Stellvertreter auf dem Feld. (fn/dpa)

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