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Ukraine-Krieg: Bislang nicht sanktionierte Oligarchen - Putins Clique, die noch um ihr Vermögen zittert

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Von: Bedrettin Bölükbasi

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Im Ukraine-Krieg sind Sanktionen die Hauptmaßnahme des Westens gegen Russland. Betroffen sind auch Putins Oligarchen. Einige bangen weiter um ihr Vermögen.

München - Im Ukraine-Konflikt greifen russische Truppen ukrainisches Territorium weiterhin erbarmungslos an. Diese Karte zeigt, wo der Ukraine-Krieg wütet. Der Schock des Massakers in Butscha und mutmaßlicher russischer Kriegsverbrechen sitzt immer noch tief und schon folgte die nächste, dramatische Meldung aus der Ukraine: Bei einem Raketenangriff auf den Bahnhof in der ostukrainischen Stadt Kramatorsk, wo Menschen auf Evakuierung gewartet haben, sind nach ukrainischen Angaben 30 Menschen ums Leben gekommen, weitere rund 100 Menschen sollen verletzt worden sein.

Während sich die Kampfhandlungen im Osten der Ukraine intensivieren, haben die USA und die EU neue Sanktionen gegen Russland als Reaktion auf die grausamen Szenen aus dem Kiewer Vorort Butscha verhängt. Sanktionen sind bisher die mächtigste Waffe gegen den Angriffskrieg von Moskau und beeinträchtigen die ohnehin schon geschwächte russische Wirtschaft stark. Von den Sanktionen sind zwar auch Putin-nahe russische Oligarchen betroffen, doch einige bleiben bislang unberührt.

Ukraine-Krieg: Sanktionen gegen nur eine handvoll Oligarchen - reichster Oligarch nicht sanktioniert

So sind nach Angaben der amerikanischen Nachrichtenagentur Bloomberg die Hälfte der 20 reichsten russischen Männer nicht sanktioniert. Unter den fünf reichsten Oligarchen ist nur einer sanktioniert. Außerdem unterliegen nur drei Oligarchen den Sanktionen sowohl aus den USA als auch aus Großbritannien und der EU. Während Großbritannien die Hälfte und die EU neun der 20 Oligarchen sanktioniert haben, hat die USA lediglich vier Putin-Oligarchen sanktioniert.

An der Spitze der 20 reichsten russischen Oligarchen befindet sich demnach Wladimir Potanin mit einem Vermögen von 30 Milliarden Dollar (Stand 18. Februar). Sein Vermögen machte Potanin durch die Herstellung und den Verkauf von Nickel bzw. weiteren Metallen in den Westen und wurde somit offiziell zum reichsten Russen der Welt. Wie viele Oligarchen unterhält auch er ein enges Verhältnis zum russischen Präsident Wladimir Putin. So eng, dass sie gemeinsam sogar Eishockey spielen. Trotz der guten Beziehungen äußerte er jedoch zuletzt vorsichtige Kritik an Plänen der russischen Führung, Werte ausländischer Firmen zu beschlagnahmen. Dies würde eine Situation wie vor der 1917 Revolution herbeiführen, warnte der Oligarch.

Bislang bleiben Sanktionen gegen den reichsten Geschäftsmann Russlands aus. Dahinter könnte die Lieferung von wichtigen Metallen durch Potanins Firma Norilsk Nickel stecken. Sanktionen gegen Potanin und ein daraus resultierender Liefer-Stopp in den Westen würden womöglich auch die europäischen Lieferketten hart treffen.

Ukraine-Krieg: Keine Sanktionen gegen Oligarch Michelson und Gazprom-Konkurrenz Novatek

Auf dem zweiten Platz der Liste zu den 20 reichsten russischen Oligarchen befindet sich Leonid Michelson. Der Gründer und Vorsitzender des Gaskonzerns Novatek befindet sich mit einem Vermögen von 29,2 Milliarden Dollar nur knapp unter Potanin. Zwar hält er auch Anteile weiterer Unternehmen in seiner Hand, doch das Herzstück seines Vermögens ist und bleibt Novatek. Ein Konzern, der zugleich eine wahre Konkurrenz für Gazprom ist.

Um den russischen Staatschef Putin durch die Bedrohung von Gazprom nicht zu verärgern, ging Michelson geschickt vor und nahm bei Novatek einen weiteren Oligarchen Gennady Timschenko mit ins Boot. Timschenko steht zwar nur auf Platz 9 der reichsten Oligarchen in Russland, doch viel wichtiger ist: Er befindet sich im inneren Kreis der Vertrauten von Wladimir Putin. Inzwischen genießt auch Michelson enge Beziehungen mit dem Kreml-Chef. Zahlreiche Schnappschüsse zeigen Michelson an der Seite von Putin bei Auftritten.

Ukraine-Krieg: Oligarch Lisin kritisiert russische Invasion - „große Tragödie“ und „nicht zu rechtfertigen“

Auf der Top-5-Liste der reichsten russischen Oligarchen befinden sich auch Wladimir Lisin und Wagit Alekperov. Auch sie wurden bislang nicht sanktioniert. Ihre Beispiele demonstrieren allerdings die teils schwierige Entscheidung zur Sanktionierung der Oligarchen. Eines steht ohne Zweifel fest: Ausgehend von ihren Positionen und ihrem Vermögen wäre die Sanktionierung von Lisin und Alekperov ein weiterer kräftiger Schlag für die russische Wirtschaft. Lisin ist immerhin Vorsitzender von Novolipetsk Steel, dem größten russischen Stahlhersteller. Alekperov ist Gründer und Chef des Mineralölkonzerns Lukoil.

Doch bei der Entscheidung, wer sanktioniert werden soll und wer nicht, spielen offensichtlich auch weitere Faktoren eine Rolle. Lisin war der erste russische Milliardär, der den russischen Angriff auf die Ukraine öffentlich kritisierte. In einem Brief an seine Mitarbeiter zu Beginn der Invasion sprach er von einer „großen Tragödie“ angesichts der Opfer des Krieges und schrieb, sowas sei „nicht zu rechtfertigen“. Außerdem könnte eine Sanktionierung des Stahlherstellers erneut ebenfalls Europa treffen.

Ukraine-Krieg: Lukoil als Gegengewicht zu Rosneft? - Konzernchef Alekperow nicht sanktioniert

Alekperow wiederum könnte mit Lukoil tatsächlich als Gegengewicht zum staatlichen Rosneft und dessen Chef Igor Seschin fungieren. Im Gegensatz zu Seschin, der ein sehr enger Freund von Putin ist, unterhält Alekperow nicht ganz so warme Beziehungen mit dem Kreml-Chef - zumindest nicht auf demselben Niveau wie Seschin. Sollte Lukoil sanktioniert werden, so würde das staatliche Rosneft höchstwahrscheinlich den Marktanteil des Konzerns von Alekperow schlucken.

Angesichts der westlichen Abhängigkeit vom russischen Gas würde es die Versorgung europäischer Länder noch mehr bedrohen, wenn ein staatlicher Konzern einen relativ unabhängigen Konzern vollständig ersetzt und Optionen für Kunden somit weiter einschränkt. Nun ist aber abzuwarten, ob und welche anderen Oligarchen-Namen bei neuen Sanktionen des Westens eventuell in den Listen auftauchen. (bb)

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