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Selenskyj wird deutlich: „Die Deutschen machen oft Fehler“

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Von: Anna-Katharina Ahnefeld

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Der ukrainische Präsident Selenskyj macht seiner Unzufriedenheit über Deutschland Luft. Das Land fokussiere sich im Ukraine-Krieg auf sich selbst.

Kiew – Erst kürzlich zählte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj in einer seiner Videobotschaften auf, wen er im Krieg als Verbündete seines Landes sehe. Zum Abschluss wandte er sich an die Bundesrepublik und verkündete: „Wir glauben, dass Deutschland im entscheidenden Moment ebenfalls an unserer Seite stehen wird.“ Dieser entscheidende Moment ist offenbar noch nicht gekommen - denn Selenskyj geht die Bundesrepublik in einem aktuellen Interview scharf an.

Im Verlauf des Ukraine-Kriegs hat der ukrainische Präsident schon mehrfach stärkere Unterstützung seitens der Bundesregierung verlangt und die starke Abhängigkeit vom russischem Gas kritisiert. In Selenskyjs Videoansprache im Bundestag Mitte März forderte der Präsident Deutschland dazu auf, eine führende Rolle zum Schutz seines Landes zu übernehmen und erhob Vorwürfe. Dabei erinnerte er auch an die historische Verantwortung Deutschlands nach dem Zweiten Weltkrieg und verwies auf das Versprechen „Nie wieder“ bezüglich der Verbrechen des Nationalsozialismus. „Jetzt sehen wir, dass diese Worte einfach nichts wert sind“, so Selenskyj zum deutschen Agieren im eskalierten Ukraine-Konflikt.

Ukraine-Krieg: Selenskyj kritisiert offen Deutschland – „Die Deutschen machen oft Fehler“

In seinem Interview mit dem britischen Magazin The Economist machte Selenskyj nun erneut seiner Unzufriedenheit mit der deutschen Ukraine-Politik Luft. „Ich denke, die Deutschen machen heute einen Fehler“, gibt der ukrainische Präsident zu Bedenken. Das Land fokussiere sich stark auf die eigenen ökonomischen Interessen. Bei aller Hilfe und Vermittlung habe Deutschland demnach vor allem die Auswirkungen auf das eigene Land im Sinn sowie blicke es auf „eine lange Beziehung zu Russland.“

Dieses vom Pressebüro des ukrainischen Präsidenten zur Verfügung gestellte Bild zeigt Wolodymyr Selenskyj, Präsident der Ukraine, bei seiner Videoansprache an sein Volk am 30. Tag der russischen Invasion in Kiew, Ukraine.
Dieses vom Pressebüro des ukrainischen Präsidenten zur Verfügung gestellte Bild zeigt Wolodymyr Selenskyj, Präsident der Ukraine, bei seiner Videoansprache an sein Volk am 30. Tag der russischen Invasion in Kiew, Ukraine. © picture alliance/dpa/Planet Pix via ZUMA Press Wire | Ukraine Presidency

Die Deutschen würden nur „manchmal“ im Ukraine-Krieg helfen und vor allem aus einem wirtschaftlichen Blickwinkel agieren. Zudem erklärte Selenskyj, dass die Bundesregierung nur so lange der Ukraine beistehen würde, wie innenpolitischer Handlungsdruck bestehe. Das Land sei „pragmatischer als alle anderen Länder, die wirklich helfen können“, ist Selenskyj überzeugt. Sein bitteres Fazit: „Ich denke, die Deutschen machen heute einen Fehler. Ich glaube, sie machen oft Fehler. Ich denke, die Historie von Deutschlands Beziehungen zu Russland zeigt dies.“ (aka)

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