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Sjewjerodonezk: „Sie kontrollieren die Stadt nicht“, sagt Gouverneur - und spricht von „Mission Impossible“

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Von: Bedrettin Bölükbasi

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Soldaten einer Spezialeinheit nähern sich der umkämpften ukrainischen Stadt Sjewjerodonezk von den umliegenden Wäldern aus.
Soldaten einer Spezialeinheit nähern sich der umkämpften ukrainischen Stadt Sjewjerodonezk von den umliegenden Wäldern aus. © Alexander Reka/TASS/Imago

Im Ukraine-Krieg steht Russland nach eigenen Angaben vor der Einnahme von Sjewjerodonezk. Der ukrainische Gouverneur von Luhansk dementiert dies, sieht aber dennoch eine schwierige Lage.

Sjewjerodonezk — Im Ukraine-Konflikt ist für die Truppen des russischen Machthabers Wladimir Putin die Kontrolle über das ostukrainische Oblast Luhansk offenbar zum Greifen nah. Diese Karte zeigt, wo der Ukraine-Krieg wütet. Nach Angaben des russischen Verteidigungsministers Sergej Schoigu hat Russlands Militär bereits 97 Prozent von Luhansk eingenommen. Die russische Offensive ging dort zuletzt deutlich schneller voran.

Schwer umkämpft ist die Stadt Sjewjerodonezk. Dort wollen russische Truppen große Teile der Stadt unter ihre Kontrolle gebracht haben. Über das Wochenende (4./5. Juni) konnte das ukrainische Militär allerdings wohl einige Gebiete der Stadt zurückerobern, wie auch das britische Verteidigungsministerium bestätigte.

Das Ministerium in London schrieb außerdem, dass die östlichen Teile der Stadt höchstwahrscheinlich weiterhin unter russischer Kontrolle seien. Nun dementierte der ukrainische Gouverneur der Region allerdings diese Einschätzung sowie die russischen Behauptungen, dass Teile der Stadt unter der Kontrolle von Moskau sind. Zugleich räumte er jedoch eine schwierige Lage ein.

Ukraine-Krieg: Sjewjerodonezk großteils in russischer Hand? - Gouverneur dementiert Behauptung

In der ostukrainischen Stadt Sjewjerodonezk liefern sich russische und ukrainische Truppen Straßenkämpfe, erklärte der Bürgermeister der Stadt Oleksandr Striuk im ukrainischen Sender „1+1“ am Dienstag (7. Juni). Die russischen Streitkräfte hätten viel Artilleriefeuer auf die Stadt konzentriert, während die ukrainischen Truppen ihr Bestes geben würden, um Sjewjerodonezk zu verteidigen. In der Stadt im Osten der Ukraine würden sich noch zehn bis elf Tausend Bewohner befinden, so Striuk.

Kontrollieren russische Truppen nun tatsächlich Teile der strategisch wichtigen Stadt? Dazu äußerte sich der Gouverneur von Luhansk, Serhij Gajdaj, mit klaren Worten. „Sie kontrollieren die Stadt nicht“, behauptete der Gouverneur auf Telegram und wies russische Angaben zurück. Russlands Verteidigungsminister Sergej Schoigu hatte zuvor gesagt, die russischen Streitkräfte hätten die Wohngebiete der Stadt Sjewjerodonezk voll unter Kontrolle.

Ukraine-Krieg: „Mission Impossible“ für Sjewjerodonezk - möglicher ukrainischer Rückzug aus Stadt

Trotz der Ankündigung von Gajdaj ist die Lage für das ukrainische Militär offenbar nicht gerade beruhigend. Der Gouverneur räumte ein, dass es „sehr schwierig ist, Sjewjerodonezk zu halten“, und sprach sogar von einer „Mission Impossible“. Ihm zufolge müssen sich die ukrainischen Streitkräfte möglicherweise aus Sjewjerodonezk zurückziehen. Die Stadt werde „rund um die Uhr bombardiert“, unterstrich Gajdaj im Sender „1+1“. „Es ist möglich, dass wir uns zurückziehen müssen“ in besser befestigte Stellungen, so der ukrainische Gouverneur.

Gajdaj sagte, der „Feind“ habe „alle Kräfte, alle Reserven mobilisiert“, um die Hauptstraße von Lyssytschansk nach Bachmut abzuschneiden und so beide Großstädte einzukesseln. „Sie bombardieren Lyssytschansk sehr heftig“, sagte der Gouverneur über die Nachbarstadt, die nur durch einen Fluss von Sjewjerodonezk getrennt ist. Eine Einnahme der beiden Städte würde Russland einen Sturm auf die Großstadt Kramatorsk im benachbarten Oblast Donezk ermöglichen. Moskau käme somit seinem Ziel der vollständigen Eroberung des Donbass im Ukraine-Krieg einen entscheidenden Schritt näher. (bb)

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