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Ukraine startet Strom-Export in die EU – Truppen in Lyssytschansk akut von Einkesselung bedroht

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Während die Ukraine über die Rückeroberung der Schlangeninsel jubelt, zieht sich für die Soldaten die Schlinge in Lyssytschansk immer weiter zu. Das Geschehen der Nacht.

Kiew - Während Russland im Ukraine-Krieg im Osten weiter seine militärische Überlegenheit ausspielt, jubelt Kiew über die Rückeroberung der Schlangeninsel im Schwarzen Meer. Präsident Wolodymyr Selenskyj bestätigte derweil den Exportstart von ukrainischem Strom ins EU-Netz. Im Raum Odessa wurden mindestens 14 Menschen beim Einschlag einer Rakete in ein Mehrfamilienhaus getötet.

Selenskyj: Rückeroberung der Schlangeninsel „verändert erheblich Situation im Schwarzen Meer“

Der russische Rückzug von der Schlangeninsel bringt die Ukraine nach Worten von Selenskyj in eine bessere Position. „Die Schlangeninsel ist ein strategischer Punkt und das verändert erheblich die Situation im Schwarzen Meer“, sagte er in der Nacht zum Freitag in seiner täglichen Videoansprache. Die Handlungsfreiheit des russischen Militärs im Ukraine-Konflikt werde dadurch deutlich eingeschränkt - auch wenn dies noch keine Sicherheit garantiere.

Russland hatte die Schlangeninsel kurz nach dem Angriff auf die Ukraine am 24. Februar besetzt. Dass davor die wenigen ukrainischen Soldaten dem später gesunkenen russischen Kreuzer „Moskwa“ in obszönen Worten empfahlen, sich zum Teufel zu scheren, machte das kleine Eiland berühmt und stärkte die Moral der Ukrainer. Damit ist die Rückeroberung der Insel für sie auch ein symbolischer Erfolg.

Ukraine-Krieg: 14 Tote durch Raketenangriff bei Odessa

Nach ukrainischen Militärangaben erlaubt die Schlangeninsel die Kontrolle über Teile der ukrainischen Küste und Schifffahrtswege. Mit dem Rückzug der Russen von der Insel müsse das Gebiet um die Hafenstadt Odessa keine Landung russischer Einheiten vom Meer her befürchten.

Luftschläge bleiben aber weiterhin möglich, wie das russische Militär wenige Stunden nach dem Abzug von der Schlangeninsel demonstrierte. Bei einem Raketenangriff im Gebiet Odessa wurden nach ukrainischen Angaben mindestens 14 Menschen in einem Mehrfamilienhaus getötet. 30 wurden verletzt, darunter Kinder.

Die Rakete habe einen Teil des neunstöckigen Gebäudes zerstört, teilte der Chef der örtlichen Militärverwaltung, Serhij Bratschuk, mit. Nach der Attacke sei ein Brand ausgebrochen. Die Rakete sei von einem russischen Militärflugzeug über dem Schwarzen Meer abgefeuert worden. Die Angaben waren nicht unabhängig zu überprüfen.

Ukraine-News: Kämpfe um Lyssytschansk dauern an

Ein Panzer der ukrainischen Streitkräfte fährt in Lyssytschansk.
Ein Panzer der ukrainischen Streitkräfte fährt in Lyssytschansk. © IMAGO/Alex Chan Tsz Yuk

Im ostukrainischen Gebiet Luhansk sind die regierungstreuen Truppen in Lyssytschansk nach eigenen Angaben akut von einer Einschließung bedroht. Die knapp sieben Kilometer westlich der Stadt gelegene Raffinerie sei umkämpft, teilte der Generalstab mit. Berichten zufolge konnten russische Truppen Teile davon unter ihre Kontrolle bringen. Gleichzeitig rückten Streitkräfte aus dem Süden auf die Stadt vor, auch an der westlichen und südlichen Stadtgrenze werde gekämpft. In russischen Medien wurde die Raffinerie bereits als komplett erobert dargestellt.

Lyssytschansk ist der letzte größere Ort im Luhansker Gebiet unter ukrainischer Kontrolle. Zuletzt konnte er nur noch über wenige Versorgungsrouten aus dem Westen mit Nachschub versorgt werden.

Im benachbarten Donezker Gebiet seien russische Vorstöße bei Slowjansk und Bachmut zurückgeschlagen worden, teilte der Generalstab mit. Entlang der gesamten Frontlinie würden ukrainische Stellungen kontinuierlich mit Artillerie beschossen und aus der Luft bombardiert. „Die Überlegenheit der Besatzer bei der Feuerkraft ist extrem spürbar“, sagte Selenskyj zur Lage im Osten. Russland greife dafür auf seine Reserven zurück.

Ukraine speist Strom ins Netz der EU ein

Die Ukraine hat nach Angaben von Selenskyj damit begonnen, Strom in die EU zu exportieren. „Eine wichtige Etappe unserer Annäherung an die Europäische Union wurde erreicht“, sagte Selenskyj am Donnerstagabend in einer Videobotschaft. Die Ukraine „hat begonnen, über Rumänien in bedeutendem Maße Strom in das Territorium der EU zu exportieren.“ Das sei „nur die erste Etappe. Wir bereiten eine Erhöhung der Lieferungen vor.“

„Ukrainischer Strom kann einen bedeutenden Teil des von den Europäern verbrauchten russischen Gases ersetzen“, sagte der Präsident. „Es geht nicht nur um Exporteinnahmen für uns, es ist eine Frage der Sicherheit für ganz Europa.“

Ukraine-Krieg: Steinmeier telefoniert wieder mit Selenskyj

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier telefonierte erneut mit Selenskyj. Das Gespräch habe rund eine Stunde gedauert, hieß es aus dem Bundespräsidialamt. Steinmeier habe dabei unter anderem die Ukraine zum EU-Beitrittskandidatenstatus beglückwünscht. Selenskyj sagte, er habe sich für die bereits gewährte Unterstützung bedankt. Zugleich habe er „noch einmal unsere Prioritäten beschrieben – die Arten von Waffen, die wir brauchen“.

Selenskyj und Steinmeier hatten Anfang Mai ein erstes Mal telefoniert und vorherige Irritationen ausgeräumt. Diese waren entstanden, nachdem die ukrainische Seite Mitte April Steinmeier unter Verweis auf seine frühere Russland-Politik als Außenminister ausgeladen hatte.

Start der russischen Zugverbindung zwischen Krim und besetzten Gebieten verschiebt sich

Russland verschob den für Freitag angekündigten Start einer Zugverbindung zwischen der 2014 annektierten Halbinsel Krim und den im Krieg besetzten ukrainischen Städten Cherson und Melitopol. Die prorussischen Krim-Behörden verwiesen auf Sicherheitsbedenken. Busverbindungen sollen aber wie angekündigt verfügbar sein. Russland versucht, unter anderem mit der Ausgabe russischer Pässe und der Einführung des Rubels als Währung seine Kontrolle über die im Krieg besetzten Gebiete zu zementieren. (mt/dpa/AFP)

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