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Umfrage zum Ukraine-Krieg: Mehrheit will russische Flüchtlinge in Deutschland aufnehmen

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Von: Marcus Giebel

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Menschen steigen aus einem Bus
Nur raus aus Russland: An der Grenze zu Finnland steigen mehrere Menschen aus einem Bus, um ihre Pässe kontrollieren zu lassen. © IMAGO / Lehtikuva

Durch den Ukraine-Krieg sieht sich auch Deutschland mit immer neuen Fragen konfrontiert. Wie stehen die Wähler zu Waffenlieferungen und russischen Flüchtlingen?

München - Der Ukraine-Krieg hat erst viele Millionen Ukrainer in die Flucht geschlagen, von denen ein Teil in Deutschland zumindest vorübergehend ein Zuhause gefunden hat. Nun folgen ihnen auch viele Russen. Vor allem Männer im wehrfähigen Alter, die vermeiden wollen, im Zuge der Teilmobilmachung durch Wladimir Putin an die seit sieben Monaten umkämpfte Front geschickt zu werden.

Im Frühjahr war die Aufnahmebereitschaft der ukrainischen Flüchtlinge groß. Den russischen Bürgern wird jedoch im Westen vorgeworfen, die Invasion unterstützt oder sich zumindest damit arrangiert zu haben. Entsprechend positionierten sich auch politische Stimmen, die einen klaren Unterschied zwischen Flüchtlingen aus der Ukraine und aus Russland vorschlagen.

Ukraine-Krieg: Mehrheit will russische Kriegsverweigerer in Deutschland aufnehmen

Wie aber schaut die Bevölkerung auf den möglichen neuen Flüchtlingsstrom als Folge der Eskalation im Krieg? Mehr als die Hälfte der 1307 zwischen dem 3. und 5. Oktober per Telefon oder Online-Abstimmung Befragten hoben bei diesem Thema den Daumen, wie aus dem vom Westdeutschen Rundfunk (WDR) veröffentlichten ARD-„Deutschlandtrend“ hervorgeht. Demnach befürworten 54 Prozent eine Aufnahme von russischen Kriegsdienstverweigerern in der Bundesrepublik. Allerdings sind auch 35 Prozent dagegen.

Die größte Zustimmung findet eine Aufnahme unter den Wählern der Grünen, bei denen in der Erhebung von Infratest dimap 79 Prozent mit Ja stimmten. Bei den SPD-Anhängern sind es 64 Prozent, bei denen der Linken 57 Prozent und bei denen der Union - also von CDU und CSU - 55 Prozent. Gegen diesen Trend schwimmen die Wähler der FDP, von denen sich nur 47 Prozent für eine Aufnahme aussprachen. Unter den Anhängern der zuletzt überraschend russlandnahen AfD lehnen 57 Prozent dies ab.

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Sanktionen im Ukraine-Krieg: Fast jeder Vierte hält Maßnahmen für überzogen

Weiteres Thema waren die Sanktionen gegen Russland, die dem Aggressor offenbar so langsam zu schaffen machen. Hier stimmte mit 36 Prozent eine relative Mehrheit dafür, dass diese nicht weit genug gingen. 31 Prozent halten sie für angemessen. Für 24 Prozent und damit fast jeden vierten Umfrage-Teilnehmer wurde der Bogen hier schon überspannt - dies ist im Vergleich zum August ein Plus von drei Prozentpunkten.

Konkrete Kriegsbefürchtungen hegen 56 Prozent, denn so viele der Befragten haben sehr große oder große Sorgen, dass Deutschland direkt in den Ukraine-Krieg hineingezogen werden könnte. Dagegen haben 43 Prozent in dieser Hinsicht wenig oder gar keine Sorgen.

Militärische Unterstützung für Ukraine: Bei Zustimmung deutliche Unterschiede zwischen West und Ost

Bezüglich der militärischen Unterstützung der Ukraine sprachen sich 47 Prozent dafür aus, die Bundesregierung solle sich eher zurückhalten, um Russland nicht zu provozieren. Auf der anderen Seite stimmten 43 Prozent der Umfrage-Teilnehmer dafür, in diesem Punkt entschlossen zu agieren und Härte gegen Russland zu zeigen.

Wenig überraschend zeigten sich hier große Unterschiede zwischen den Bürgern in den westlichen und den östlichen Bundesländern. In ersteren sind 47 Prozent für ein entschlossenes Agieren und 44 Prozent für mehr Zurückhaltung. In den Ländern der ehemaligen DDR fordern 60 Prozent Zurückhaltung und nur 31 Prozent mehr Härte gegenüber Russland.

Die Ampel-Koalition macht in den Augen der Mehrheit keine gute Figur im Ukraine-Krieg. 57 Prozent der Wahlberechtigten zeigten sich mit dem Kurs weniger oder gar nicht zufrieden. Immerhin 37 Prozent stimmen aber auch dafür, sehr zufrieden oder zufrieden zu sein.

Die statistische Fehlertoleranz dieser Umfrage wurde mit plus beziehungsweise minus zwei bis drei Prozentpunkten angegeben. (mg, afp)

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