1. Startseite
  2. Politik

Ukraine-Krieg und Klimakrise: Özdemir warnt vor Hungersnot in Ostafrika

Erstellt:

Kommentare

Cem Özdemir
Cem Özdemir © IMAGO/Christian Spicker

Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir (Grüne) erwartet in Ostafrika aufgrund des Ukraine-Kriegs und der Klimakrise die „schlimmste Hungersnot seit 40 Jahren“.

Berlin in Deutschland - "Der Hunger ist dort am größten, wo die Klimakrise heute schon Existenzen bedroht", erklärte Özdemir am Dienstag nach einem Treffen mit Vertretern der Arbeitsgemeinschaft für bäuerliche Landwirtschaft (AbL) und verschiedenen zivilgesellschaftlichen Hilfsorganisationen. Die Regierung stelle 430 Millionen Euro für die globale Ernährungssicherheit bereit.

"Wir sind uns einig, dass wir den Hunger und die Klima- und Artenkrise gemeinsam bekämpfen müssen", erklärte Özdemir. Gerade in Ländern, in denen der Klimawandel und bestehende Konflikte bereits die Ernährungssicherheit negativ beeinflusst hätten, bestehe eine Abhängigkeit von Importen. "Wir erwarten dort immense Auswirkungen auf die Versorgung mit Grundnahrungsmitteln", erklärte Özdemir.

Der Angriff Russlands auf die Ukraine habe "unendliches menschliches Leid" ausgelöst. Die Bundesregierung stocke deshalb die humanitäre Hilfe für die Ukraine von 64 Millionen auf insgesamt 370 Millionen Euro auf. Mit den Geldern soll unter anderem die Arbeit des Welternährungsprogramms der Vereinten Nationen unterstützt werden.

Özdemir forderte zudem die Stärkung einer nachhaltigen und klimagerechten Landwirtschaft. Auch auf Ebene der Vereinten Nationen sollte dazu ein Austausch über "strukturelle Fragen hinsichtlich der Landwirtschafts- und Ernährungspolitik weltweit" stattfinden, forderte der Landwirtschaftsminister.

Laut der Welternährungsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) erreichten die weltweiten Lebensmittelpreise Anfang April den höchsten jemals gemessenen Stand. Der entsprechende Index stieg demnach von Februar bis März um 12,6 Prozent. Der Index erreichte somit erneut ein Allzeithoch seit Beginn der Messungen im Jahr 1990, nachdem er im Februar schon auf einem Rekordstand war.

Die Ukraine und Russland sind wichtige Anbauländer für Getreide, Mais und zum Beispiel Sonnenblumen, die für Speiseöl wichtig sind. Durch den Krieg und Wirtschaftssanktionen gegen Russland sind Exporte und Lieferketten erheblich gestört. fho/

UNO: Millionen Menschen in Somalia droht eine Hungerkatastrophe

Millionen von Somaliern droht nach Angaben der UNO eine Hungerkatastrophe. Am schlimmsten seien Kinder von der Dürre am Horn von Afrika betroffen, erklärten das Welternährungsprogramm (WFP), die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation (FAO), das UN-Büro für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten (Ocha) und die Kinderhilfsorganisation Unicef am Dienstag in Nairobi.

Die Hungerkrise werde in dem ostafrikanischen Land durch ein gleichzeitiges Eintreten von geringen Niederschlägen, schnell ansteigenden Lebensmittelpreisen und dem Ausfall von Krediten verursacht. "Wir sind soweit, dass wir den Hungernden die Lebensmittel wegnehmen, um die Sterbenden zu ernähren", erklärte der WFP-Vertreter El-Khidir Daloum. Somalia stehe "an der Schwelle einer humanitären Katastrophe".

Inzwischen müssen sechs Millionen Menschen in Somalia, also rund 40 Prozent der Bevölkerung, mit extremer Unsicherheit hinsichtlich der Lebensmittelversorgung zurecht kommen, wie die UN-Organisationen unter Berufung auf eine neue Erhebung weiter mitteilten. Bis zum Jahresende werden nach ihren Schätzungen rund 1,4 Millionen Kinder in Somalia unter akuter Unterernährung leiden.

Die UN-Organisationen konnten nach eigenen Angaben zwei Millionen Menschen Hilfe zukommen lassen. Für 2022 fehle es aber an Geld; ein Spendenaufruf mit dem Ziel, 1,5 Milliarden Dollar (1,4 Milliarden Euro) einzusammeln, sei nur zu 4,4 Prozent erfüllt worden. Bei der Hungersnot 2011 starben in Somalia etwa 260.000 Menschen. ao/ju

Auch interessant

Kommentare