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USA lieferte wohl Anti-Radar-Raketen an Kiew – „große Bedrohung“ für russische Luftverteidigung

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Von: Felix Durach

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Ein US-amerikanischer F/A-18 Super Hornet ist mit einer HARM-Rakete vom Typ AGM-88E ausgerüstet (Archivbild).
Ein US-amerikanischer F/A-18 Super Hornet ist mit einer HARM-Rakete vom Typ AGM-88E ausgerüstet (Archivbild). © Riccardo Niccoli/imago-images

Das US-Verteidigungsministerium bestätigt die Lieferung von weiteren Raketen an die Ukraine. Dabei soll es sich um Anti-Radar-Raketen vom Typ AGM-88-HARM handeln.

Kiew – Die USA gelten als einer der größten Unterstützer der Ukraine im laufenden Krieg gegen Russland. Gerade bei der Lieferung von schweren Waffen an die Regierung in Kiew geht Washington mit gutem Beispiel voran. Die Bereitstellung von Mehrfachraketenwerfern vom Typ Himars führte dazu, dass die ukrainischen Streitkräfte jetzt strategische Ziele aus großer Entfernung effektiv bekämpfen können. Wie das US-Verteidigungsministerium zuletzt bestätigte, prüfe man aktuell auch die Lieferung von modernen Kampfjets vom Rüstungsbauer Lockheed Martin. Nun hat Kiew bereits ein weiteres modernes Waffensystem erhalten.

Nach Informationen des US-amerikanischen Fernsehsenders CNN hat die US-Regierung sogenannte „High-Speed Anti-Radiation“-Raketen (HARM) vom Typ AGM-88 an das ukrainische Militär geliefert. Die Raketen befinden sich aktuell bereits im Kriegsgebiet im Einsatz. Ein Sprecher des Pentagons bestätigte am Montag (8. August) die Lieferung von „einigen“ Raketen, ohne dabei auf die genaue Anzahl, den Zeitpunkt der Lieferung oder den genauen Typ der Raketen einzugehen. Das US-Verteidigungsministerium veröffentlichte in den vergangenen Tagen auch neue Zahlen zu den russischen Verlusten im Krieg.

Ukraine-Krieg: Anti-Radar-Raketen bereits im Einsatz? Bilder sollen Überreste von HARM-Rakete zeigen

Bereits in den vergangenen Tagen kursierten Bilder auf Twitter, welche die Überreste einer HARM-Rakete in einer zerstörten russischen Radaranlage zeigen sollten. Die Echtheit dieser Bilder kann jedoch nicht unabhängig verifiziert werden. Die Regierung in Kiew hat die Lieferung der Raketen bisher jedoch nicht bestätigt.

Anti-Radar-Raketen werden im Gefecht eingesetzt, um feindliche Radaranlagen weit hinter der Frontlinie zu zerstören. Ein Ziel für die Raketen im Ukraine-Krieg dürften vor allem die russischen Luftabwehrsysteme vom Typ S-400 sein, die einen Einsatz von ukrainischen Kampfflugzeugen über feindlichem Gebiet nur schwer möglich machen. Die Raketen können jedoch auch gegen russische Artillerieaufklärungsradars eingesetzt werden. Deren Aufgabe ist es, die Stellung von ukrainischer Artillerie aufzudecken.

„Intelligente“ HARM-Raketen im Ukraine-Krieg: Kann Radarstationen über 120 Kilometer Entfernung angreifen

Die HARM-Raketen können die Radaremissionen von feindlichen Anlagen empfangen und orientieren sich bis zum Einschlag im Ziel an den durch die Radaranlagen ausgestrahlten elektromagnetischen Wellen. So können die Flugkörper auch mobile Radaranlagen effektiv bekämpfen. Die „intelligenten“ Raketen können also noch im Flug ihren Kurs korrigieren, um das Ziel zu treffen. Sollte das feindliche Radarsystem nach dem Abfeuern einer HARM-Rakete abgeschaltete werden, fliegt der Flugkörper den letzten bekannten Standtpunkt des Radars an.

Ein weiterer klarer Vorteil der Raketen ist die Reichweite. Die vom US-amerikanischen Rüstungskonzern Raytheon hergestellten Flugkörper können Ziele in bis zu 150 Kilometer Entfernung ins Visier nehmen: Deutlich mehr als die Himars-Mehrfachraketenwerfer, deren Reichweite – je nach Munitionstyp – in der Regel bei knapp 80 Kilometern liegt.

Anti-Radar-Raketen in der Ukraine: „Große Bedrohung“ für russische Luftverteidigung

Damit die Raketen ihr volles Potenzial entfalten können, müssen sie im Idealfall von einem Kampfjet aus der Luft abgeschossen werden. Es besteht jedoch auch die Möglichkeit, die Flugkörper durch Abschussrampen vom Boden aus abzufeuern. Sollten das ukrainische Militär die Raketen tatsächlich von der Luft aus abschießen, müssten sie Modifikationen an den sowjetischen Kampfflugzeugen vorgenommen haben. Diese sind im Normalfall nicht mit den HARM-Raketen kompatibel. Lieferungen von Flugzeugen der Nato in die Ukraine sind bisher nicht bekannt.

Der Rüstungsexperte Tyler Rogoway schrieb auf dem Fachportal The Drive: „Die AGM-88 könnte russische Luftverteidigungssysteme einer großen Bedrohung aussetzen und sie daran hindern, den Luftraum zu kontrollieren und damit die Fähigkeit der Ukraine zu verhindern, Luftstreitkräfte dort einzusetzen, wo sie am dringendsten benötigt werden.“

Ukraine-Krieg: Rätsel um Explosion auf Halbinsel Krim - verfügt Kiew über neue Waffen?

Für Aufsehen sorgte zu Beginn der Woche auch eine Explosion auf der Schwarzmeerhalbinsel Krim. Sollte die Explosion die Folge eines ukrainischen Angriffs sein, müsste aufgrund der Distanz auch hier offenbar bisher unbekannte Waffensysteme eingesetzt worden sein. Moskau nannte die selbstverschuldete Detonation von Munition als Grund für die Explosion. Die Angaben können nicht unabhängig überprüft werden.

Derweil können Zivilisten sich mit Spenden am Ukraine-Krieg beteiligen: „Wohltätige“ Organisationen sammeln Geld, um an Russland gerichtete Geschosse zu präparieren. (fd)

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