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Russische Rekruten protestieren offenbar lautstark gegen Armee-Zustände - „Alle laufen herum wie Schweine“

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Im Rahmen der Teilmobilisierung eingezogene russische Bürger stehen auf dem Expo-Gelände in Kasan in einer Schlange (Archivbild, 23. Oktober 2022). © IMAGO/Yegor Aleyev / ITAR-TASS

Ein Video aus der russischen Stadt Kasan soll rund 2000 aufgebrachte Soldaten zeigen, die gegen den General des Regiments rebellieren.

Kasan - Die mutmaßlich niedrige Moral russischer Truppen ist im Ukraine-Krieg immer wieder ein Thema. Nun wurde ein Video bekannt, dass 2000 russische Soldaten zeigen soll, die sich mit Sprechchören gegen den General ihres Regiments auflehnen. Öffentliche Proteste sind in Russland selten, denn der Kreml geht rigoros dagegen vor. Wer„Falschinformationen“ verbreitet, muss bis zu 15 Jahren ins Gefängnis.

Video soll Sprechchöre gegen offenbar betrunkenen General zeigen

Kasan liegt im Südwesten des riesigen russischen Staatsgebiets und ist die Hauptstadt der autonomen Republik Tatarstan, die als besonders eigenständig gilt. In einem nicht verifizierten Twitter-Video vom Freitag sind nun offenbar rund 2000 mobilisierte Männer zu sehen und hören, die den General des Regiments beschimpfen und sich über die Zustände im Mobilisierungszentrum in Kasan beschweren. „Warum [...] bist du betrunken“, hört man die Männer den General fragen, gefolgt von Schimpfwörtern. „Wo ist der Mut geblieben, den du am Morgen hattest?“, lautet offenbar eine weitere Frage der Männer an ihren militärischen Vorgesetzten.

Ein angeblicher Chatverlauf mit einem der Soldaten des Regiments soll Einblicke in die Gründe der Unzufriedenheit geben. Man dürfe die Angehörigen nicht sehen - nicht einmal für eine Stunde, heißt es da. Es gebe auch keine Waschmaschinen. „Alle laufen herum wie Schweine“, so eine Chatnachricht, die auf die hygienischen Verhältnisse vor Ort anspielt. In einem weiteren Tweet zum Video schreibt ein anderer Nutzer, die neuen Rekruten in Kasan würden nicht ausreichend mit Wasser, Lebensmitteln und anderen lebenswichtigen Dingen versorgt. Auch von „verrosteten Waffen aus den 70er-Jahren“ ist die Rede. Weder das Video noch die Angaben ließen sich unabhängig verifizieren.

Zahlreiche Einzelberichte über russische Truppen fügen sich zu Gesamtbild zusammen

Zwar handelt es sich um nicht verifizierte Einzelberichte, doch im Zusammenspiel mit vielen ähnlichen Meldungen ergibt sich ein Gesamtbild der Probleme der russischen Streitkräfte. So war beispielsweise schon im Oktober ein Video aufgetaucht, das rostige Maschinengewehre des Typ AK47 zeigt, die offenbar an neue Rekruten ausgegeben worden waren. Die US-Kriegsexperten der Denkfabrik Institut for the Study of War (ISW) hatten zudem in einem Bericht vom September festgestellt, dass viele der neue mobilisierten Soldaten „nachweislich mit einer miserablen Moral in den Krieg eintreten“ würden.

Als sich russische Truppen aus einem Gefechtsstand in der Stadt Balaklija in der Region Charkiw zurückzogen, hinterließen sie Dokumente, die ebenfalls auf einen maroden Zustand der Armee Russlands hinwiesen. Demnach waren die russischen Streitkräfte stark unterbesetzt und kämpften teils nur mit 20 Prozent ihrer Truppenstärke. Die Nachrichtenagentur Reuters analysierte diese Dokumente und sah demnach „niedrige Moral, die schlechte Logistik und übermächtige Kommandeure“ in der russischen Armee.

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