1. Startseite
  2. Politik

Wladimir Klitschko schildert schockierende Szenen - und appelliert: „Wer passiv ist, hat Blut an den Händen“

Erstellt:

Von: Momir Takac

Kommentare

Wladimir Klitschko geht zum Ausgang.
Wladimir Klitschko fordert vom Westen Hilfe im Ukraine-Krieg. © Bernd von Jutrczenka/dpa

Vitali Klitschkos Bruder Wladimir hat den Westen aufgefordert, den Krieg in der Ukraine zu beenden. Er forderte schnelle Hilfe „mit Taten, nicht mit Worten.“

Berlin - Wladimir Klitschko steht im Ukraine-Konflikt eisern an der Seite seines Bruders und Bürgermeisters von Kiew. Mit Vitali harrt er seit Beginn der russischen Invasion vor fünf Wochen in der Hauptstadt aus. Jetzt verließ der frühere Box-Weltmeister seine Heimat für einen mehrtägigen Besuch in Deutschland.

In Berlin warb Wladimir Klitschko eindringlich um Unterstützung für die Ukraine. Ohne eine Beteiligung am Krieg des Westens explizit in den Mund zu nehmen, wurde er deutlich. Zwar sei „unser Wille stärker als die Waffen oder eine der stärksten Armeen der Welt“, doch alles habe ein Limit, sagte Wladimir Klitschko am Donnerstag im Interview mit der Bild. „Ich will, dass unsere Verbündeten diesen Krieg beenden.“

Wladimir Klitschko fordert Ende von Ukraine-Krieg: „Menschen, die nichts getan haben, werden zu Asche gemacht“

In Europa müsse wieder Frieden herrschen. „Es kann nicht sein, dass Menschen einfach zu Asche gemacht werden. Menschen, die nichts getan haben. Das Land hat den Krieg nicht angefangen“, beklagte der Bruder von Kiews Bürgermeister Vitali.

Bei Deutschland bedankte er sich für die bisherige Hilfe. „Ich möchte dem deutschen Volk und der deutschen Regierung danken, ihr seid seit 2014 unsere größten Unterstützer“, sagte Klitschko, der aber gleichzeitig um noch mehr Engagement im Krieg bat: „Auch ihr entscheidet, wie es mit der Ukraine weitergeht. Deutschland ist der Kern Europas, ich möchte, dass Deutschland für Frieden steht – für den wir so kämpfen.“

Ukraine-Krieg: Klitschko bittet um medizinische Hilfe: „Wir haben nicht einmal Ärzte“

Konkret forderte Klitschko Waffen, finanzielle und humanitäre Hilfe. In einigen Städten gebe es kein Strom oder Lebensmittel. Auch die medizinische Versorgung sei teilweise zusammengebrochen. „Wir haben nicht einmal Ärzte, unsere Krankenhäuser werden beschossen“, beklagte Klitschko.

„Wir haben keine Zeit, die Zeit spielt gegen uns. Wir müssen gemeinsam handeln. Und das ist ein ganz wichtiger Teil meines Besuchs: Wir brauchen Unterstützung, mit Taten, nicht mit Worten. Wer passiv ist, hat Blut an den Händen. Während wir reden, wird weiter geschossen“, drängte er auf Tempo. Die Nato rechnet mit neuen Offensivaktionen russischer Truppen in Kiew und dem Osten der Ukraine.

Klitschko über Lage in der Ukraine: „Zivilisten liegen auf der Straße, es gibt keinen, der sie begraben kann“

Von der Lage in der Ukraine zeichnete Klitschko ein grausames Bild. „Sie können es sich nicht vorstellen, Städte wie Irpin, Hostomel, Butscha, Menschen liegen auf der Straße, so wie sie gekillt wurden. Zivilisten liegen auf der Straße, es gibt keinen, der sie begraben kann. Keinen. Weil überall Minen, Geschosse liege. Das sind Gefahren ohne Ende. Es ist nicht mit Worten zu beschreiben, es ist nur der Schrecken des Krieges“, schilderte er.

Auch wenn es immer wieder Meldungen über Rückzüge russischer Truppen gibt, rechnet Wladimir Klitschko nicht mit einem schnellen Ende des Ukraine-Kriegs. „Die geflohenen Kinder wollen nach Hause – da sind ihre Lieblingsspielzeuge, ihre Freunde. Ich weiß, was die Kinder wollen: Sie wollen nach Hause. Nichts kann das Zuhause ersetzen. Deswegen müssen wir schnellstmöglich Frieden schaffen. Der Weg wird steinig und schwer“, insistierte der 46-Jährige bei Bild TV. (mt)

Auch interessant

Kommentare