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Vitali Klitschko warnt vor russischem Einmarsch - und würde selbst zur Waffe greifen: „Wir sind nur der Anfang!“

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Von: Sven Hauberg

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Vitali Klitschko, Bürgermeister von Kiew und Ex-Boxweltmeister, kniet bei einer Militärübung auf einem Schießplatz in einem Graben. t.
Vitali Klitschko bei einer Militärübung im vergangenen Jahr: Der Bürgermeister von Kiew befürchtet eine Destabilisierung von ganz Europa, sollte es zu einem russischen Einmarsch in der Ukraine kommen. © picture alliance/dpa/Pressedienst Vitali Klitschko

Ein russischer Einmarsch in der Ukraine wäre „nur der Anfang“, befürchtet Vitali Klitschko. An die Bundesregierung hat der Bürgermeister von Kiew eine klare Forderung.

Kiew - Kurz vor dem Antrittsbesuch von Bundeskanzler Olaf Scholz in der Ukraine hat Kiews Bürgermeister, der ehemalige Box-Weltmeister Vitali Klitschko, vor den russischen Aggressionen gegen sein Land gewarnt: „Wenn ein Krieg in der Ukraine, einem der größten Länder Europas ausbricht, destabilisiert das ganz Europa“, sagte der 50-Jährige im Interview mit der Bild am Sonntag. „Putin strebt nach der Weltmacht, und der Westen sollte wissen, dass nach der Ukraine die baltischen Staaten dran sein werden. Wir sind nur der Anfang!“

Olaf Scholz reist am Montag nach Kiew, um sich mit Präsident Wolodomyr Selenskyj zu treffen. Am Dienstag fliegt der Bundeskanzler weiter nach Moskau, wo er zu Gesprächen mit Wladimir Putin zusammenkommt. „Wenn Olaf Scholz und andere Staatschefs jetzt mit Wladimir Putin sprechen, sollten sie ihm eines klarmachen: Unser ganzes Land wird sich gegen einen Angriff wehren, und es wird schwere Konsequenzen haben“, sagte Klitschko im Bild-Interview.

Die Welt müsse seinem Land beistehen; es sei „schwer zu verstehen“, dass die deutsche Bundesregierung die Ukraine nicht mit Waffenlieferung unterstütze. „Ich verlange offiziell von unseren Partnern, klarzustellen, auf welcher Seite sie stehen: aufseiten der Ukraine, die sich selbst verteidigt, oder aufseiten des Aggressors“, so Klitschko. Er selbst werde seine Heimatstadt „mit der Waffe in der Hand“ verteidigen. Dazu gehe er auf einer Schießanlage trainieren: „Ich kann mit fast jeder Waffe schießen.“

Ukraine-Krise: keine tödlichen Waffen aus Deutschland

Deutschland lehnt es bislang ab, der Ukraine tödliche Waffen zu liefern. Unterhalb dieser Schwelle könnte aber noch etwas gehen - über die bereits zugesagten 5000 Schutzhelme hinaus, hieß es am Wochenende aus Regierungskreisen. Auf der ukrainischen Wunschliste stehen zum Beispiel auch Minenräumgeräte, Schutzanzüge, digitale Funkgeräte und Nachtsichtgeräte. 

In den vergangenen Tagen hatte sich die Krise um den russischen Truppenaufmarsch an der Grenze zur Ukraine dramatisch zugespitzt. Am Freitag warnte Jake Sullivan, der Sicherheitsberater von US-Präsident Joe Biden, offen vor einem russischen Einmarsch in die Ukraine noch vor Ende der bevorstehenden Woche. Es wird über den 16. Februar als mögliches Angriffsdatum spekuliert. Das ist der Tag nach dem Scholz-Besuch in Moskau. Zahlreiche westliche Staaten forderten ihre Staatsbürger unterdessen zum Verlassen der Ukraine auf, darunter Deutschland. Vor seiner Abreise nach Kiew sprach Scholz von einer „sehr, sehr ernsten Bedrohung des Friedens in Europa“.

Ukraine-Krise: Mehr als 100.000 Soldaten an der Grenze

Moskau hat nach westlichen Angaben in den vergangenen Monaten mehr als 100.000 Soldaten an der Grenze zur Ukraine zusammengezogen. Vergangenen Donnerstag (10. Februar) haben Russland und Belarus außerdem ein groß angelegtes Militärmanöver in der Nähe zur ukrainischen Grenze begonnen. An der Übung nahe dem belarussischen Brest sollen laut US-Informationen bis zu 30.000 russische Soldaten beteiligt sein.

Bemühungen, die Krise auf diplomatischem Wege zu lösen, gerieten zuletzt ins Stocken. Ebenfalls am vergangenen Donnerstag trafen sich Vertreter von Russland, der Ukraine, Frankreich und Deutschland in Berlin zu Vermittlungen, die nach neun Stunden ohne greifbares Ergebnis zu Ende gingen. (sh/dpa)

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