1. Startseite
  2. Politik

Shitstorm für SPD-Politiker wegen Foto mit Klitschko - „Prösterchen auf den Krieg“

Erstellt:

Von: Patrick Freiwah

Kommentare

Nancy Faeser und Hubertus Heil (beide SPD) im Juni 2022 bei einem Termin in Berlin. Wenige Wochen sind beide Regierungspolitiker in der Ukraine zu Gast
Nancy Faeser und Hubertus Heil (beide SPD) im Juni 2022 bei einem Termin in Berlin. Wenige Wochen später weilen beide Regierungspolitiker in der Ukraine. © Frederic Kern/Imago

Zwei deutsche Politiker der SPD reisen in die Ukraine, um sich ein Bild von der Kriegsregion zu machen. Eine veröffentlichte Aufnahme schlägt im Internet nun hohe Wellen.

Kiew/Berlin - Wie viele Menschen im seit Monaten schwelenden Ukraine-Konflikt bislang ihr Leben lassen mussten, ist unklar. Berichten zufolge sind jedoch viele Tausende unschuldige Opfer auf beiden Seiten zu beklagen. Immer wieder sind ranghohe internationale Politiker im Kriegsgebiet zu Besuch, um sich vor Ort ein Bild der Vorgänge zu machen, die sich in den umkämpften Regionen abspielen.

Mit Nancy Faeser (52) und Hubertus Heil (49) haben sich nun zwei deutsche Regierungspolitiker in die Krisenregion aufgemacht, um sich mit Vertretern der ukrainischen Führung zu treffen - und auch Kiews Bürgermeister Vitali Klitschko.

Ukraine: „Dekadenz der Kriegstreiber“ - SPD-Regierungspolitiker ernten Shitstorm

Eine bei Twitter vielfach verbreitete Aufnahme erzeugt jedoch einen anderen Eindruck, als man es von einer Tragödie wie dem seit Monaten eskalierten Konflikt zweier einst verbrüderter Völker erwarten würde: Die beiden SPD-Politiker und der frühere Box-Champ stehen auf einem Balkon in der ukrainischen Hauptstadt, unterhalten sich angeregt und genehmigen sich ein Glas Sekt.

Es dauert nicht lange, ehe der von ARD-Korrespondent Michael Stempfle veröffentlichte Tweet vielfach geteilt wird und bei der Netzgemeinde für erregte Gemüter sorgt. Kein Wunder, der erweckte Eindruck erscheint mindestens unglücklich: Schließlich sterben im Konflikt zwischen der vom Westen unterstützten Ukraine und Russland zahlreiche Menschen, während Politiker entspannt über Häuserschluchten blicken. In der Reaktion gibt es heftige Vorwürfe, hier einige Auszüge:

Manch einer wittert jedoch bei der Aufnahme eine Fälschung: „Also, wenn das kein Fake ist, dann ist das sehr nah an dem Laschet-Ausfall während der Ahr-Flut. Wie um Himmels Willen kann man so ein Foto autorisieren?“, lässt ein User wissen. Zweifellos ist Vorsicht angebracht: Die Gefahr von Manipulation ist auch in der Ukraine allgegenwärtig.

Ukraine: Regierungspolitiker zu Gast in Kiew - SPD und Union attackieren sich gegenseitig

Ob die Vorwürfe für Faeser und Heil berechtigt sind, sei dahingestellt. Zumindest wird ihnen von zahlreichen Menschen fehlendes Fingerspitzengefühl angesichts der dramatischen Situation in der Ukraine vorgeworfen. Auch aus der Opposition gibt es Kritik für die Zusammenkunft in Kiew. „Mit Sektgläsern im Kriegsgebiet auf der ‚Tribüne‘? Moderne Innen- und Sozialpolitik?“, lässt Bundestagsmitglied Roderich Kiesewetter (CDU) wissen.

Heil (SPD) selbst ließ am Rande des Ukraine-Besuchs wiederum Kritik an den Ministerpräsidenten Michael Kretschmer und Rainer Haseloff (beide CDU) ab: „Ich finde es wichtig, dass wir uns auch in Deutschland als Gesellschaft nicht von Putin spalten lassen und deshalb muss jeder demokratische Politiker, auch die Ministerpräsidenten von Sachsen-Anhalt und Sachsen, wissen, was sie sagen“, erklärte Heil gegenüber der ARD.

Die Äußerungen basieren auf den Zweifeln der beiden regierenden Unionspolitiker an den westlichen Sanktionen gegen Russland. Zudem hatten sie gefordert, Russlands Präsident dazu zu bewegen, den Krieg im Nachbarland Ukraine „einzufrieren“. Derweil beabsichtige Russlands Führung, die Regierung der Ukraine zu zerschlagen - wenn es nach einem pensionierten US-Armeegeneral geht:

Ukraine: Deutsche Regierungspolitiker schlürfen Sekt in Kiew - „Was genau ist deren Job?“

Zudem stoßen sich viele Twitter-Nutzer an einer weiteren Sache: der Frage, was Deutschlands Ressortchefs aus Bundesinnenministerium (Faeser) und Ministerium für Arbeit und Soziales (Heil) in der Ukraine zu suchen haben, wo es hierzulande drängende Probleme gäbe, die gelöst werden müssten.

„Mal abwarten, was dem Deutschen dieser Besuch wieder kostet. Vielleicht sollten die beiden, wenn sie gerade beim Geld verteilen sind, die Tafeln in Deutschland besuchen. So schön mit Bilder von leeren Regalen und alten Menschen, die kaum was zu essen haben“, lautet eine erboste These. Etwas zurückhaltender formuliert es ein anderer Nutzer: „Was genau ist der Job der deutschen Bundesinnenministerin und des deutschen Bundesministers für Arbeit und Soziales in der #Ukraine?“

Derweil ist Gerhard Schröder erneut nach Moskau gereist. Doch der Putin-Freund machte dort - anders als er erklärt hatte - offenbar keinen Urlaub. (PF)

Auch interessant

Kommentare